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Wie umweltfreundlich sind Getränkekartons?

Moderne Getränkepackungen sind besser als ihr Ruf

In regelmäßigen Abständen gelangen Getränkekartons in die Schlagzeilen. Insbesondere die Deutsche Umwelthilfe DUH stellt die umweltfreundlichkeit der Verpackungen massiv infrage. Dass die Verpackungen kontrovers diskutiert werden, deutet bereits an, wie schwierig es ist, die Ökobilanz und damit die Umweltfreundlichkeit der kleinen Aufbewahrungscontainer zu bestimmen.

© janjf93, pixabay.comDie Ökobilanz von Getränke- und Lebensmittelkartonagen
Die Ökobilanz beschreibt die Nachhaltigkeit eines Produkts. Diese Idee ist grundsätzlich sehr gut. Es werden Aspekte wie nachwachsende Rohstoffe, eventuell zu rodende Wald- und Urwaldflächen, Transportwege, Energiekosten bei der Herstellung, Entsorgung und Recycling anteilig sowie nach Energiebedarf berücksichtigt. Bei Getränkekartons muss noch das Kosten-Nutzen-Verhältnis betrachtet werden. Für eine 1-Liter-Packung werden 30 g Verpackung benötigt. Doch beginnen wir mit der Herstellung.

Herstellung und Aufbau von Getränkeverpackungen
Es handelt sich um einen Verbundstoff. Das Grundprodukt ist Kartonage, die mit Kunststoffen und eventuell Aluminium ummantelt wird. Die äußere Beschichtung schützt vor Nässe und teilweise mechanischer Krafteinwirkung. Die innere Beschichtung muss das Produkt gegen Flüssigkeitsaustritt schützen. Als Gasbarriere bei einer sogenannten aseptischen Verpackung kommt zusätzlich eine Aluminiumbeschichtung hinzu. Die Schichtstärke beträgt circa 6,5 ?m (Mikrometer).

Die eingesetzte Kartonage erhält seine hohe Festigkeit in Abhängigkeit von der Länge der verwendeten Holzfasern. Daher können recycelte Zellulose und Holzfasern nur bedingt genutzt werden. Es ist sogar so, dass einzig skandinavische Hölzer die Faserstruktur besitzen, die erforderlich ist. Also kommen diese Transportwege hinzu. Bei Aluminiumbeschichtungen wird es noch etwas kritischer, denn die Aluminiumgewinnung ist energieintensiv. Es wird zudem Urwald für den Abbau von Bauxit gerodet. Die Kunststoffbeschichtungen bestehen meist aus Polyethylen (PE) oder EVOH.

Die Herstellung der Getränkekartons im Detail

Bedrucken der Kartonagen
Die Kartonagerollen werden bereits in Skandinavien vor Ort hergestellt und dann per Frachtschiff geliefert. Nun wird aus den Rollen ein moderner Verbundstoff hergestellt. Zunächst werden die Kartonagen nach Kundenwunsch bedruckt. Dabei kommen Flexo-Druck, Offset-Druck und Tiefdruck infrage.

Auf den Verpackungsdruck spezialisierte Druckereien, wie abc packmedia aus Hamburg, erfüllen diese hohen Verbraucherschutzstandards und setzen sich fortlaufend intensiv mit den toxisch bewerteten Farben auseinander. Die Druckfarben entsprechen zudem dem Regelwerk der Schweizer Bedarfsgegenstände-Verordnung, welche die weltweit höchsten Standards gewährleistet. Dort sind die Farbsubstanzen toxisch aufgeschlüsselt. Nur als positiv geführte Farben, zumeist wasserbasiert, werden verwendet.

Extrudieren und Kaschieren
Im nächsten Schritt des Herstellungsprozesses werden die Kartonagebahnen bei hohem Druck und bis zu 250 Grad Celsius extrudiert. Die Kartonage wird nun über dünne Düsen beidseitig mit einer dünnen Kunststoffschicht aus PE beschichtet. Ist eine aseptische Beschichtung erforderlich, folgt nun das Kaschieren. Die hauchdünne Aluminiumschicht wird ohne Klebstoffe fixiert und anschließend erneut mit Polyethylen beschichtet.

Zuschnitt, Befüllung und Versiegelung
Nun erfolgt das Bestücken in die Abfüllmaschinen, die auch den Zuschnitt der Kartonagen übernehmen. Entweder werden die Kartonagen zugeschnitten und gestanzt zu einem Mantel geformt, oder Kartonagen werden in einem sich schnell wiederholendem Prozess schlauchartig geformt, versiegelt und abgetrennt. Mantelzuschnitte werden in der Maschine geformt, befüllt und versiegelt.

Die anspruchsvolle Herstellung der Getränkekartons mündet in ein sehr hochwertiges Produkt
Was die Herstellung angeht, trüben die skandinavischen Hölzer und der Bauxitabbau die Ökobilanz etwas. Dafür erfolgt die Herstellung der Getränkekartons auf anspruchsvollem technischen Niveau und gewährleistet die Sicherheit der Verbraucher durch hohe Hygiene- und Reinheitsstandards.

Vertrieb und Rückführung zum Recycling
Problematischer werden Vertrieb und Recycling. Die Lebensmittel in den Getränkepackungen legen oftmals lange Transportwege zurück. Zudem gelangen nicht alle Verpackungen in die dafür vorgesehenen Gelben Säcke. Stattdessen finden sich nicht unerhebliche Mengen im Restmüll, der verbrannt wird. Zudem erlangt nun das Problem mit den benötigten langen Holzfasern seine Gewichtung.

Dass die recycelten Getränkekartons deshalb nicht erneut für Tetra Pak und Co verwendet werden können, bedeutet allerdings nicht, dass die Verpackungen nicht anderweitig recycelt werden. Ohnehin ist es kein Geheimnis, dass echtes Recycling in vielen Bereichen nahezu unmöglich ist. Vielmehr handelt es sich häufig um Downcycling. Aus einst hochwertigen Kunststoffprodukten werden im Recycling bzw. Downcycling beispielsweise weniger anspruchsvolle Bahnschwellen, aus Getränkekartonagen Küchenpapier oder Zellstoffdämmung.

Hohe Hygienestandards und grundsätzlich hohe Wiederverwertbarkeit: moderne Getränkepackungen sind besser als ihr Ruf
Zudem sind es immer nur Schätzungen, die beim Wegwerfverhalten der Verbraucher herangezogen werden können. Eine komplette Aufschlüsselung von Herstellung und Produktion über Vertrieb bis zum Recycling ist aufgrund der komplexen Wege nahezu unmöglich. Der Anteil liegt rechnerisch gestützt bei 77,5 Prozent. Die drastischen Zahlen der eingangs genannten Organisation, die hohe Wellen schlugen, sind dagegen skeptisch zu sehen, da offensichtlich keine belastbaren Zahlen gegeben sind. Zumindest besteht Diskussionsbedarf.

Stattdessen sollten wir unsere technischen Errungenschaften feiern. So gut wie keine Kontaminationen durch Verunreinigungen, Bakterien und dergleichen bei Getränkeverpackungen. Darüber hinaus eine gut wiederverwertbare Verpackung. Fazit: wir sind mit diesen Verpackungen sicher nicht am Ziel angelangt, aber durchaus auf dem richtigen Weg.
Wirtschaft | Lieferkette & Produktion, 29.05.2018

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