CR-Management für Praktiker. Weiterbildung für nachhaltiges Wirtschaften. Universität Bayreuth, 07.-11.10.2019

Sustainable Finance – mehr als ethische Pflicht

Zunehmendes Interesse an Nachhaltigkeit im Finanzsektor

Green Finance kommt immer mehr in Fahrt. Ursache dafür sind nicht nur zunehmende Regeln für Banken, sondern auch die Erkenntnis, welches ökonomische Potenzial in nachhaltigen Investments steckt. Im forum-Interview erklärt Dr. Andreas K. Gruber von der Deutschen Kreditbank AG, warum seine Bank sich mehr und mehr an den Sustainable Development Goals orientiert. 

Herr Dr. Gruber, warum ist das Thema Nachhaltigkeit / Sustainable Finance plötzlich ein so wichtiges Thema in der Finanzwirtschaft?
Dr. Andreas K. Gruber, Leiter Public Affairs & Nachhaltigkeit, Deutsche Kreditbank AG, 41 Jahre, verheiratet, zwei Kinder © DKBBanken haben erkannt, dass Nachhaltigkeit neben der Digitalisierung das zweite Mega-Thema für alle Finanzmarktakteure ist, an dem niemand mehr vorbeikommt. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens reift die Erkenntnis in den Häusern, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine ethische Pflicht ist, sondern auch eine enorme ökonomische Chance. Zweitens definieren Politik und Aufsicht immer mehr Regeln für Banken im Sektor Nachhaltigkeit – Tendenz stark steigend.
 
Wo haben Banken einen großen Hebel, um die 17 SDGs umzusetzen
Bei der Deutschen Kreditbank AG (DKB) sind wir davon überzeugt, dass Banken zu fast allen 17 SDGs einen Beitrag leisten können. Eine sehr große Hebelwirkung haben Banken beispielsweise beim Umbau des Energiesystems hin zu Erneuerbaren Energien. Nur ein Beispiel aus der DKB zu dem SDG 7 „Bezahlbare und saubere Energie" und SDG 13 „Klimaschutz": Seit der ersten Windradfinanzierung im Jahr 1996 hat die Bank 4.400 Wind-, Solar- und Biogas-Anlagen mit einer Leistung von 8,6 Gigawatt finanziert. Damit werden rechnerisch fünf Atomkraftwerke überflüssig.

Ein weiteres Handlungsfeld ist die soziale Infrastruktur und hier insbesondere das Thema Wohnen als eine der wichtigsten sozialen Fragen unserer Zeit. Insgesamt 20 Mrd. € entfallen in der Bilanz der DKB auf das Segment Wohnen. 1.700 Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsbaugenossenschaften sind in diesem Segment Kunden der DKB. Sie haben mit und durch die DKB über 3,6 Mio. Wohnungen gebaut. Diese Zahl zeigt den großen und nachhaltigen Einfluss, den Banken haben können.
 
Warum wird dieser Einfluss immer noch relativ wenig genutzt?
Die Übersetzung der Ziele ins Kerngeschäft ist nicht so einfach. Noch fehlt die verbindliche Relevanz, bspw. die Verknüpfung mit der CSR-RUG (nicht finanzielle Erklärung). Hinzu kommt: Nicht alle Banken haben einen vergleichbar starken Fokus auf nachhaltige Projektfinanzierungen wie die DKB. Das sehen häufig die Geschäftsmodelle der Banken nicht vor oder ihre Kreditportfolien beinhalten noch „Altlasten" aus einer weniger nachhaltigen Vergangenheit. 
Banken können darüber hinaus nur finanzieren, was in der Realwirtschaft an Projekten verfügbar ist. Wenn niemand Windräder baut, können Banken auch keine finanzieren. Hier ist unter anderem auch die Politik gefragt, über verlässliche Rahmenbedingungen und finanzielle Anreize die richtigen Weichen für eine gut gefüllte Projekt-Pipeline zu stellen.
 
Wie könnte das Thema Nachhaltigkeit das Geschäftsmodell von Banken verändern?
Das Thema Nachhaltigkeit schärft den Blick, welche Kredite den globalen Entwicklungszielen Rechnung tragen. Nachhaltigkeit wird daher viel stärker das Kreditportfolio von Banken determinieren. Megatrends wie Automatisierung, Demografie, Smart Cities, Elektromobilität, erneuerbare Energien werden eine größere Rolle spielen. Nur Banken, die diese Märkte kennen und einschätzen können, werden hier klug investieren und von relevanten, nachhaltigkeitsorientierten Markt-Akteuren wahrgenommen.
 
Zudem wird sich Nachhaltigkeit noch viel stärker in den internen Prozessen von Banken niederschlagen. Banken werden immer mehr nachhaltige Produkte auf den Markt bringen: Vom grünen Immobilienkredit bis hin zum sozialen Pfandbrief. Die DKB hat Green Bonds bereits sehr erfolgreich am Markt platziert und im letzten Jahr sogar ihren ersten Social Bond emittiert. Damit stehen wir allerdings erst am Anfang: Wir erwarten, dass die Nachfrage unserer Kunden nach nachhaltigen Produkten weiter steigt – und wir werden dafür die passenden Lösungen haben.
 
Womit und in welchen Investitionsbereichen können Banken wirklich guten Gewissens gutes Geld verdienen?
Alles, was man als Bank finanziert und was zum Erreichen der SDGs beiträgt, trägt zum Umsatz der Bank bei und hilft gleichzeitig der nachhaltigen Entwicklung. Zentral sind und bleiben die Projektfinanzierungen in allen Bereichen der ESG-Welt – vom Windrad bis zur Kita.
 
Wo und wie will die Deutsche Kreditbank AG (DKB) hier weiter Trendsetter sein?
Wir sind die nachhaltigste Bank mit dem höchsten Anteil an ESG-konformen Krediten unter den Top20 in Deutschland. Diesen Platz wollen wir verteidigen. Die DKB hat die Größe und Expertise, um Nachhaltigkeit noch mehr aus der Nische zu holen und für alle Kunden erfahrbar und erlebbar zu machen.

Gemeinsam mit unseren Geschäftskunden werden wir die Erneuerbaren Energien voranbringen und die soziale Infrastruktur stärken. Zudem sollen unsere vier Millionen Privatkunden viele nachhaltige Produkte bei uns finden, beispielweise über spezielle Nachhaltigkeitsfonds oder Anlagemöglichkeiten bei nachhaltigen Projektfinanzierungen. Wir haben uns auch zum Ziel gesetzt, dass all unsere Bonds und Fonds zu 100 Prozent nachhaltig sein sollen. Daran arbeiten wir aktuell.
 
Welche persönliche Zukunftsvision verfolgen Sie?
Als Leiter Nachhaltigkeit der DKB ist es mein Ziel, dass die DKB ein Unternehmen ist, dass Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil der DNA und vor allem des Geschäftsmodells begreift. Der Bankensektor kann jetzt die Chance ergreifen, sich selbst neu zu erfinden, wieder mehr Vertrauen aufzubauen und mit seinem Handeln einen Beitrag zur positiven Entwicklung unserer globalen Wirtschaft und Gesellschaft zu leisten. 

Das treibt mich an – die ethisch-moralische Verantwortung, aber auch den Beweis zu erbringen, dass Banken mit nachhaltigem Handeln auch ökonomisch erfolgreich sein können. Oder anders formuliert: Ich will mit gutem Gewissen sagen können „Ja, ich bin Manager in einer Bank. Und ich unterstütze gemeinsam mit meinem Team die Transformation zu einer nachhaltigeren Wirtschaft."
 
Andreas Gruber ist seit 2016 Leiter Public Affairs & Nachhaltigkeit bei der Deutschen Kreditbank AG. Hier verantwortet er das Querschnittsthema Nachhaltigkeit sowie die strategische Interessenvertretung der DKB bei politischen Entscheidungsträgern und die gesamte Positionierung der DKB im politischen Raum. Von 2008-2016 war er als Director in der Bernstein Publicy GmbH. Dort übernahm er die strategische Beratung und Interessenvertretung von Unternehmen (von größeren Mittelständlern bis zu DAX-Konzernen) gegenüber Politik und Verwaltung. Andreas Gruber studierte bis 2003 Diplom-Politikwissenschaft an der Otto-Friedrich Universität Bamberg. Bis zu seiner Promotion zum Dr. rer. pol. 2008, arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent in der Professur für Politikwissenschaft an der Universität Bamberg.


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