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Wenn Events, dann green

Können Veranstaltungen nachhaltig sein?

Events werden mit Attributen wie kurzfristiges Erleben, Luxus, Verschwendung und Schnelllebigkeit verbunden. Nachhaltigkeit steht dagegen für langfristiges Denken und Handeln, behutsamen Umgang mit Ressourcen und Umwelt, die Übernahme von Verantwortung für Mensch und Gesellschaft. Schließt das eine das andere aus? Können wir es uns guten Gewissens erlauben, weiterhin Veranstaltungen zu inszenieren?

Schick und natürlich: Beim CIB Germany Day 2010 wurde ausschließlich Sitz- und Loungemobiliar aus Altholz genutzt (ehemalige Gerüstbohlen); Herbstlaub dekorierte die Tische, das Catering war ausschließlich saisonal und regional.
Foto: © Unikatevent
Die Forderung nach Nachhaltigkeit kann für die Eventbranche als Gefahr, aber auch als Chance gesehen werden: Events sind als Instrument in der heutigen Marketing- und Kommunikationslandschaft nicht mehr wegzudenken. Jede Veranstaltung führt jedoch dazu, dass Umwelt und Klima belastet bzw. Ressourcen und Energien zusätzlich verbraucht werden. Mit dem Ziel, Menschen an einem ausgewählten Ort zusammenzuführen, um gemeinsam zu erleben, zu lernen und miteinander zu arbeiten, werden Reisen notwendig. Hinzu kommen meist Unterkunft und Verpflegung sowie alle Mittel, die eingesetzt werden, um die Veranstaltung möglichst wirksam und effektvoll zu gestalten. Je größer die Veranstaltung, desto weniger lässt sie sich zudem im Rahmen vorhandener Gegebenheiten bewältigen. So erfordern z.B. Großveranstaltungen im Vorfeld häufig einen massiven Aus- und Umbau vorhandener Infrastruktur.


Handlungsfelder nachhaltigen Eventmanagements

Mobilität, Ort & Unterbringung
  • Transportaufwand gering halten

  • Prinzip der kurzen Wege

  • Distanzen bei der Auswahl des Veranstaltungsortes berücksichtigen

  • Optimale Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz

  • Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten

  • Hinweise für eine umweltfreundliche An- und Abreise der Teilnehmer

  • Dokumentation der reise- und transportbezogenen Emissionen


Catering
  • Regionale, saisonale, möglichst ökologisch produzierte und fair gehandelte Lebensmittel

  • Ausreichend vegetarische Alternativen

  • Abfallvermeidung und -reduktion


Energieversorgung
  • Berücksichtigung des Aspektes Energieverbrauch bei der Auswahl von Veranstaltungsgebäuden, Hotels, Dienstleistern (z.B. Technik)

  • Beleuchtung, Heizung/Kühlung, Strom


Klima(neutralstellung)
  • Neutralstellung nur zweitbeste Lösung

  • Ermittlung, Vermeidung & Verminderung, Ausgleich


Wasser
  • Wasser sparen & sauber halten

  • Unbeabsichtigte Verluste abstellen


Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen
  • Beachtung von Nachhaltigkeitskriterien bei allen Beschaffungsvorgängen

  • Prinzip "weniger ist mehr"

  • Abfallmanagement: Reduzieren, Wiederverwenden, Recyceln


Soziales und Gesellschaft
  • Diversity, Barrierefreiheit, Geschlechtergerechtigkeit
  • Vermeidung negativer sozialer Auswirkungen

  • Förderung regionaler Spezifika


Kommunikation und Dokumentation
  • Öffentlichkeitsarbeit vorher und nachher

  • Information & Schulung aller Akteure

  • Aufgreifen von Nachhaltigkeitsthemen in der Konzeption

  • Integration in die Nachhaltigkeitsstrategie
Zwei Seiten einer Medaille
Auf der einen Seite besteht also die Gefahr für die Eventbranche, aufgrund der verursachten Belastungen für Umwelt und Gesellschaft massiv in Kritik zu geraten. Auf der anderen Seite generieren Veranstaltungen im klassischen Sinne Geschäft, sie dienen der Gewinnung von Kunden, dem Austausch mit Geschäftspartnern, der Herstellung von Handelsbeziehungen, der Gewinnung von Aufmerksamkeit und Reputation. Darüber hinaus sind sie längst ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor für Veranstalter, Verbände, Sponsoren geworden, erzeugen Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Und Sie bieten neben der positiven ökonomischen Komponente eine weitere Chance: Events können "hervorragend dazu genutzt werden, um Menschen zu aktivieren, wenn sie Nachhaltigkeits- und Umweltthemen positiv verpackt präsentieren", stellt Rainer Lucas, Projektleiter des Forschungsprojektes Eventkultur und Nachhaltigkeit (2002-2006) am Wuppertal Institut, fest.

Zum Beispiel wird Nachhaltigkeit dadurch transportiert, dass das Event umweltbewusst gestaltet und dies pro-aktiv kommuniziert wird. Oder die Veranstaltungen werden gezielt dazu genutzt, Nachhaltigkeit erlebnisreicher zu vermitteln - als Instrument in Umweltbildung und Nachhaltigkeitskommunikation. Ende der 1990er Jahre prägte Martin Lichtl bereits den Begriff Ecotainment "als neue Art der Produktwerbung, die Konsumenten über die rein emotionale Inszenierung attraktiver Lebensstile zu einem umweltgerechten Verhalten anregt." Zudem sind die Chancen, dass ein Bewusstseinswandel in Richtung Nachhaltigkeit angestoßen werden kann und ein so genannter Multiplikatoreffekt eintritt, gerade in der Eventbranche besonders groß, da sie - wie keine andere Branche - mit allen anderen Branchen vernetzt und Öffentlichkeitswirkung ein wesentlicher Bestandteil ihres Geschäfts ist.

Trend oder neue Event-Kultur?
Unter Begriffen wie Green Meetings und Events folgt die Veranstaltungsbranche dem Trend zum grünen Lifestyle, bemüht sich aber auch ernsthaft, das eigene Wirtschaften nachhaltig zu gestalten. Zusätzlich hat die Zahl der Veranstaltungen, die die unterschiedlichsten Facetten nachhaltigen Wirtschaftens zum thematischen Inhalt machen, enorm zugenommen: Konferenzen und Tagungen, Symposien und Workshops stellen zentrale Themen wie Klimawandel und Biodiversität, Energie und Ressourcen, Wachstum und Wandel, Ökologie und Soziales in den Mittelpunkt.

Im Sinne von Glaubwürdigkeit und einer zukunftsfähigen Entwicklung muss Nachhaltigkeit Teil der Eventkultur werden: Veranstaltungen, die Nachhaltigkeit zum Programm machen, sollten auch organisatorisch an deren Kriterien ausgerichtet werden. Wer seine Veranstaltungsorganisation nachhaltig ausrichtet, sollte die Chance nutzen, Teilnehmer, Geschäftspartner, Mitarbeiter und Dienstleister für das Thema zu sensibilisieren und zu begeistern. Und nicht zuletzt sollten Unternehmen, die ihre Prozesse nachhaltig gestalten, auch ihr Eventmanagement einbeziehen, insbesondere wenn Events eines ihrer wichtigsten Kommunikationswerkzeuge darstellen.

Green Meetings & Events - aber wie?
Eine gute Basis für die Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien im organisatorischen Eventalltag bieten zahlreiche Leitfäden. International anerkannte Standards und Zertifizierungsansätze können Orientierung geben und helfen, die Nachhaltigkeitsperformance von Veranstaltungen zu bewerten. Eine Vielzahl von Akteuren setzt sich dafür ein, nachhaltiges Wirtschaften in der Veranstaltungsbranche zu etablieren: Verbände und Eventagenturen, Tagungshotels und Veranstaltungszentren, Kompensationsdienstleiter und Netzwerke, Anbieter von Mobilitätskonzepten, Produkten und Event-Dienstleistungen.

Im Wesentlichen geht es darum, Ressourcen bewusst einzusetzen, das Klima zu schonen, Umweltbelastungen zu minimieren, einen positiven Mehrwert zu schaffen und die lokale Wirtschaft zu unterstützen, aber auch eine positive Außenwirkung zu erzielen, die eigene Glaubwürdigkeit zu stärken und die Reputation zu erhöhen (siehe Infokasten).

Das Spektrum an Veranstaltungsformen und Größenordnungen ist breit und viele Schritte sind notwendig, um Green Event Practices einzuführen.

Wer jedoch einige allgemein gültige Punkte berücksichtigt, ist auf einem guten Weg seine Veranstaltungen erfolgreich "grüner" zu gestalten:
  • Gute Planung: Nachhaltigkeitsziele gleich zu Beginn des Prozesses formulieren


  • Stetiger Prozess: Green Eventmanagement als kontinuierlichen Prozess begreifen und schrittweise integrieren


  • Flexibilität: Nachhaltigkeitsziele an die Erfordernisse des jeweiligen Events anpassen


  • Nicht Überfordern: mit den "low hanging fruits" beginnen und langsam die Anforderungen steigern


  • Ganzheitlicher Ansatz: Green Event Practices müssen integraler Bestandteil des Veranstaltungsmanagements werden, kein Add-on


  • Motivation: Best Practice-Beispiele schaffen und aus positiven Erfahrungen Mut für weitere Schritte schaffen


  • Weniger ist mehr: reduzieren, wieder verwenden, recyceln sind die Basis nachhaltigen Eventmanagements

Selbstverständlich im Budget
Wir werden auch zukünftig nicht auf einen lebendigen Austausch, auf ein Miteinander von Angesicht zu Angesicht, auf die Inszenierung von Erlebnissen und Events verzichten können und wollen. Doch wir können dabei aktiv unsere Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft wahrnehmen. Die Eventbranche ist auf einem guten Weg und hat die Chance, ihren eigenen, wertvollen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Die Nachfrage nach grünen Produkten und Dienstleistungen wird auch in der Eventbranche weiter steigen. Zahlreiche innovative, grüne Lösungen gibt es bereits, sie sind nur manchmal noch schwer zu finden.

Für Unternehmen bieten Green Meetings einen geeigneten Rahmen, um bestehende Nachhaltigkeitsaktivitäten glaubwürdig zu unterstützen oder aber umgekehrt das Thema Nachhaltigkeit über den Eventbereich hinaus im gesamten Unternehmen zu etablieren. Eventabteilungen in Unternehmen können dann erfolgreich nachhaltig wirtschaften, wenn nachhaltiges Eventmanagement Teil der Geschäftspolitik und der Unternehmensleitlinien und selbstverständlich in die Budgetplanung einbezogen wird.
 
 
Von Petra Husemann-Roew




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Quelle: FORUM Nachhaltig Wirtschaften Büro Süd
Wirtschaft | Green Events, 27.04.2011

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