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Social Business in Haiti

Die Initiative YY Haiti gibt ein Jahr nach dem Erdbeben Hoffnung auf wirtschaftlichen und sozialen Wandel

Prof. Muhammad Yunus promovierte in Wirtschaftswissenschaften und lehrte an der Vanderbilt University in Tennessee, USA. Er ist Gründer der Grameen Bank, die Kleinstkredite an die Ärmsten vergibt und Geschäftsführer mehrer Social Businesses, die soziale Probleme durch unternehmerisches Handeln lösen. 2006 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Für forum Nachhaltig Wirtschaften schreibt er regelmäßig eine Kolumne über Social Business.

Muhammad Yunus
Foto: © Roger Richter
Langfristiger Wiederaufbau Haitis
Am 12. Januar 2010 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,0 den Karibikstaat Haiti - eines der ärmsten Länder der Welt. Mehr als 250.000 Menschen kamen dabei ums Leben. Auch ein Jahr nach dem Beben ist Haiti stark von der Katastrophe gezeichnet: Tausende Häuser sind noch zerstört, 1,3 Millionen Haitianer wurden obdachlos, rund eine Million lebt noch immer in behelfsmäßigen Zeltstädten - viele von ihnen in den Ruinen von Port-au-Prince. Die Spendenhilfe der Nachbarländer konnte direkt nach der Katastrophe schnelle Hilfe leisten, aber der Wiederaufbau des Landes wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen.

Haitis Wirtschaftssystem ist nach wie vor am Boden. Das Bildungssystem ist leistungsschwach, nur knapp über 50 Prozent der Bevölkerung kann lesen und schreiben. Der Ernährungssektor ist instabil, die Haitianer leiden an chronischer Nahrungsmittelknappheit und bereits vor dem Erdbeben waren mehr als die Hälfte aller Kinder in Haiti unter fünf Jahren unterernährt. Auch im Umweltbereich gibt es alarmierende Zahlen: Die Waldfläche hat sich von 60 Prozent im Jahr 1925 auf unter zwei Prozent im Jahr 2010 reduziert. In der Folge gehen jedes Jahr 1.600 Hektar Land durch Erosion verloren. Gerade die langfristige Förderung kleiner und mittelgroßer Unternehmen kann hier einen Wandel herbeiführen.

YY Haiti - Social Businesses als Hoffnungsträger
Nach dem Erdbeben habe ich gemeinsam mit SAP die Initiative YY Haiti (YY steht für Yunus and You) ins Leben gerufen, um in Haiti die Infrastruktur für Social Business zu schaffen und damit das ganze wirtschaftliche Leistungspotenzial des karibischen Staates für einen tiefgreifenden wirtschaftlichen und sozialen Wandel zu nutzen.

Ein Social Business dient der Erfüllung sozialer und ökologischer Bedürfnisse. Die Zielsetzung liegt nicht darin, Profite zu maximieren oder Dividenden an Investoren auszubezahlen. Vielmehr sollen die Grundbedürfnisse der armen Bevölkerung gedeckt werden, indem günstige Produkte und Dienstleistungen angeboten werden. Ein Social Business zahlt die ursprünglichen Investitionen zurück und reinvestiert seine Profite in Innovationen oder weiteres Wachstum, um so seine sozialen Ziele voranzutreiben. Dabei bleibt die Art der Betriebsführung traditionell. Wie jedes andere Unternehmen darf es keine Verluste machen, unabhängig davon, ob es Profit erwirtschaftet oder nicht.

Durch die Einführung des ganzheitlichen Social Business Konzeptes zielt die Initiative darauf ab, den privaten Sektor Haitis nachhaltig wieder aufzubauen und dem Land langfristig zu größerer finanzieller Unabhängigkeit zu verhelfen. Damit unterscheidet sich YY Haiti von kurzfristiger Krisenunterstützung und Spendenhilfe. Im Rahmen unserer Initiative gründen wir ein Grameen Creative Lab Büro in Port-au-Prince, um vor Ort Social Business Ideen zu initiieren und zu unterstützen. Die sorgfältig geprüften Ideen werden durch den YY Haiti Social Business Fonds finanziert, der momentan in New York aufgesetzt wird, um gezielt die Gründung von Social Businesses voranzutreiben.

Die Initiative fördert Entrepreneure, die Probleme im Bildungs-, Ernährungs und Umweltssektor adressieren wollen. Der YY Haiti Social Business Fonds wird selbst als Social Business aufgesetzt. Das bedeutet, dass Investoren nach und nach Investitionen zurückerlangen, aber keine Dividenden über ihr ursprüngliches Investment hinaus erzielen. Momentan befinden sich viele verschiedene Social Business Ideen in der Pipeline. Ein Eco Hotel in Cap Haitien und eine Kakaofabrik in Camp Perrin stehen kurz vor der Umsetzung. Kakao aus der Karibik wird aufgrund seiner hohen Qualität stark nachgefragt. Durch das Beben wurde jedoch der Kakaoproduktionssektor stark beschädigt und viele Kakaobauern gerieten in Not. YY Haiti ermöglicht den Bau einer Kakaofabrik, die erstmalig auf Haiti Kakaobohnen in Kakaomasse umwandelt. Kleine Gruppen von Bauern werden dadurch beim Anbau von Kakao nach biologischen Maßstäben unterstützt. Durch den Verkauf als Fairtrade-Produkt werden sie von einem Einkommenszuwachs um 30 Prozent profitieren.

Als Investor in den YY Haiti Social Business Fonds können Sie gezielt die Gründung von Social Businesses unterstützen.

Mehr Informationen zu YY Haiti und den Projekten finden Sie unter www.grameencl.com unter "live examples".
 
 
Von Muhammad Yunus

Quelle: FORUM Nachhaltig Wirtschaften Büro Süd
Gesellschaft | Social Business, 25.05.2011

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