Der Mensch kann nur das schützen was er kennt und schätzt

Interview mit Ute Hagmaier, azv Südholstein

Saubere Gewässer, Entsorgungssicherheit für privates, gewerbliches und industrielles Schmutzwasser: Dafür steht der azv Südholstein, der im Einzugsgebiet der schleswig-holsteinischen Flüsse Krückau, Pinnau und Wedeler Au für die Abwasserentsorgung zuständig ist. Als öffentlich-rechtliches Unternehmen ist ihr Handeln an betriebswirtschaftlichen Kriterien ausgerichtet, nichts desto trotz sind sie sich ihre gesellschaftliche Verantwortung mehr als bewusst und engagieren sich stark im Bereich der Umweltbildung.

Umweltschutz basiert auf dem Wissen über die Natur
Foto: © azv Südholstein
Frau Hagmaier, Sie sind als Referentin für Umwelt und Bildung beim azv Südholstein tätig. Können Sie uns kurz beschreiben, was Ihre Aufgabe ist?
Wir sind als Kommunalunternehmen verantwortlich für die Abwasserreinigung in unserer Region. Wir produzieren also sauberes Wasser. Im Rahmen unserer Anlagentechnik spielen zudem weitere zukunftsrelevante Themen wie Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Klimaschutz eine wichtige Rolle. Meine Aufgabe ist es, diese Zusammenhänge mit Hilfe einer zielgerichteten und nachhaltigen Bildungsarbeit erlebbar zu machen und bei Kindern und Jugendlichen das Bewusstsein für einen schonenden Umgang mit Wasser und Energie zu stärken.

Warum engagiert sich der azv Südholstein gerade in der Bildungsarbeit?
Als Kommunalunternehmen verstehen wir unser Engagement als Teil der uns übertragenen Verantwortung im Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge. Grundsätzlich hat meiner Meinung nach aber jedes Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung, schließlich agiert niemand im luftleeren Raum. Da wir ein Umweltunternehmen sind, liegt es in unserem Fall nahe, dass wir uns speziell für die nachhaltige Bildungsarbeit mit Jugendlichen im Umweltbereich einsetzen.

Wie kann man sich Ihre Arbeit konkret vorstellen? Können Sie einige Beispielprojekte nennen?
Unser pädagogisches Fachkonzept orientiert sich an den Grundsätzen der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Diese geben auch den Rahmen für unsere Projektarbeit vor. Wir arbeiten in einem Netzwerk mit Stiftungen, Naturschutzorganisationen, Ministerien, Schulen, Kindergärten und Bildungsträgern auf regionaler und landesweiter Ebene zusammen. So haben wir beispielsweise mit dem Hetlinger Kindergarten das Modellprojekt KITA 21 für Schleswig-Holstein umgesetzt, arbeiten mit dem Arbeitskreis Schulen für eine lebendige Unterelbe zusammen und kooperieren mit dem NABU. Zudem sind wir in Schleswig-Holstein an den Leuchtpol-Fortbildungen für Erzieher beteiligt und arbeiten eng mit der S.O.F.- Save Our Future Umweltstiftung zusammen. Und beim schleswig-holsteinischen Pilotprojekt "Nachhaltigkeit an Schulen" von B.A.U.M. waren wir ja ebenfalls als Partnerunternehmen der Regionalschule Am Himmelsbarg in Moorrege mit dabei.

Das ist eine beeindruckende Palette von Aktivitäten, aber mal provokant gefragt: lohnt sich das für Ihr Unternehmen?
Unsere Projekte tragen maßgeblich dazu bei, dass der azv Südholstein als authentisches Umweltunternehmen wahrgenommen wird. Die UNESCO hat uns im Rahmen der UN-Dekade Bildung für Nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet, und wir konnten uns als erstes Wasserwirtschaftsunternehmen in Schleswig-Holstein als Bildungspartner für Nachhaltigkeit zertifizieren. Das unterstreicht unsere Glaubwürdigkeit nach außen und in die Fachöffentlichkeit hinein. Ein anderer Aspekt ist aber auch nicht zu unterschätzen: Wir binden natürlich auch unsere Kollegen in unsere Aktivitäten mit ein, beispielsweise bei Betriebsbesichtigungen. Die positiven Reaktionen in der Öffentlichkeit tragen sicher auch dazu bei, dass sich unsere Kollegen und Kolleginnen mit dem Unternehmen und der eigenen Tätigkeit identifizieren. Und bei der Rekrutierung von Fachkräften und Auszubildenden ist unser Engagement ebenfalls ein unterstützender Faktor. Wir heben uns dadurch positiv von anderen Unternehmen ab, das wird auch von vielen Bewerbern so wahrgenommen. Hinsichtlich des demographischen Wandels und des sich abzeichnenden Fachkräftemangels spielt das vor allem bei der Nachwuchswerbung eine Rolle.

Was würden Sie Unternehmen raten, die sich im Bereich BNE stärker engagieren wollen?
Man sollte sich klare Leitlinien für das eigene Engagement setzen und zum Unternehmen passende Schwerpunktbereiche wählen. Die Aktivitäten sollten unmittelbar an den Unternehmensalltag anknüpfen und nicht als exotisches Sponsoringprojekt nebenher laufen. Und nur wenn die Grundprinzipien nachhaltigen Lernens sich auch im Unternehmensalltag ansatzweise wieder finden, lassen sich Projekte gut und nachhaltig umsetzen. Das hat viel mit Unternehmens- und Projektkultur zu tun und damit, wie etwa intern mit Fehlern und Kritik umgegangen wird. Generell ist die Bereitschaft, dazuzulernen und sich auf Neues einzulassen, gefragt.

Vielen Dank für das Gespräch.


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Quelle: Dr. Katrin Wippich
Umwelt | Umweltschutz, 31.05.2011

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