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Neue Arbeitsklima-Studie deckt alte Missstände auf

Fragt man einen Manager nach der wichtigsten Ressource seines Unternehmens, so wird er wie aus der Pistole geschossen antworten: "Die Mitarbeiter!" - denn so hat er es im Führungs-Coaching von seinen renommierten Beratern gelernt. Doch gerade in Deutschland wird dem "menschlichen Faktor" nur geringe Beachtung geschenkt. Trotz des gegenwärtigen Börsenaufschwungs wird auf kurzfristige Einsparungen durch Personalabbau gesetzt. Konnte man diesen Maßnahmen in Krisenzeiten vielleicht noch etwas Verständnis entgegenbringen, stellen sie sich den Mitarbeitern in Zeiten wirtschaftlicher Entspannung als bedrohliches Mysterium dar, was eklatante Auswirkungen auf Arbeits- und Betriebsklima hat.

Der Mensch steht nicht im Mittelpunkt
Die auf Arbeitsklima spezialisierte Consultingfirma Sterling MacGregor belegt mit ihrer neuesten Studie, dass der an der Börse zu verzeichnende Aufwärtstrend sich noch längst nicht positiv auf das Arbeitsklima in den Unternehmen niederschlägt. Die Studie wurde im Zuge der "Initiative für besseres Arbeitsklima" unter 2.352 leitenden Angestellten oder Vorständen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt. Diese sind in ihren jeweiligen Unternehmen für Corporate Identity und Arbeitsklima, sowie Qualitätssicherung verantwortlich. Als Erhebungsinstrument diente ein standardisierter Fragebogen, welcher durch persönliche Interviews ergänzt wurde. (Bei Bedarf können die vollständigen Studienergebnisse über Lutz.dziarnowski@sterling-macgregor.de angefordert werden.)



Nur ein Fünftel der Unternehmen hat bewusst versucht die Stimmung im Unternehemn durch kulturstiftende Maßnahmen zu verändern



Deutlich kristallisierte sich heraus: Wo der Rotstift regiert und der Rückgang aktiver kulturstiftender Maßnahmen mit überproportionalem Personalabbau einhergeht, kann dem Arbeitsklima kaum Rechnung getragen werden. Durch mangelnde oder eingeschränkte interne Kommunikation und eine häufig fehlgeleitete Personalpolitik wird den Mitarbeitern suggeriert, sie seien austauschbar und unwichtig, was deren Motivation gegen Null tendieren lässt. - Mit frappanten Folgen!

Dabei gibt es schlagkräftige Argumente, weshalb Investitionen in ein positives Arbeitsklima jederzeit erstrebenswert sind. Das Verhältnis von Corporate Identity und Marketingerfolg ist inzwischen fest etabliert. Dieser Wert hat sich im Zusammenhang mit der Globalisierung sogar noch verstärkt: Mehr denn je begünstigt ein starkes Image eine starke Marktposition. Darüber hinaus kann eine gefestigte Corporate Identity, welche mit einem gesunden Arbeitsklima einhergeht, Unternehmen helfen, Krisen zu überwinden, beziehungsweise noch erfolgreicher zu werden.

So sind motivierte Mitarbeiter beispielsweise seltener im Krankheitsstand und arbeiten effizienter, was einen signifikanten Einfluss auf die Produktivität hat - und gerade in Zeiten wirtschaftlicher Flauten oder harten Konkurrenzdruckes über Wohl und Wehe eines Unternehmens entscheiden kann.

Personalabbau liegt noch immer hoch im Trend
Beim Kampf um den Unternehmenserhalt wird jedoch als erstes Mittel häufig Personalabbau eingesetzt. Dies hat den Nachteil, dass nicht nur wichtige Kräfte und kreatives Potential wegfallen, sondern auch der Druck auf die verbliebenen Mitarbeiter steigt. Unzufriedenheit, Motivationslosigkeit und Leistungsabfall sind die bekannten Folgen. Ein Klima des Misstrauens breitet sich aus.

Unter dem wachsenden Leistungsdruck leiden vor allem auch Führungskräfte in so genannten "Sandwichpositionen". Diese sind zwar einerseits einem oder mehren Chefs unterstellt, haben andererseits aber auch selbst Personalverantwortung. Ihnen obliegt die undankbare Aufgabe, den Personalverlust mit Mehrarbeit, beziehungsweise deren Verteilung auszugleichen. Gleichzeitig sind sie einer zunehmenden Einschränkung von Entscheidungskompetenzen unterworfen, was ebenfalls zu Unzufriedenheit und schlechtem Arbeitsklima führt.



Nach der neuesten Umfrage des Führungskräfteverbands (2005) gaben 39 Prozent der befragten Manager an, häufig gestresst und überfordert zu sein. Im Jahr zuvor waren es nur 28 Prozent gewesen. Ganze 71 Prozent stellten eine deutliche Verschlechterung des Arbeitsklimas fest.


Die Ergebnisse sind ernüchternd
Der Stress durch Mehrbelastung, ständiges Bangen um den eigenen Arbeitsplatz, sowie die negative Stimmung bei mehr als 5 Millionen Arbeitslosen schlagen sich negativ auf die Produktivität nieder. Die Frage, ob sich der Krankheitsstand in der Rezession auf das Unternehmen ausgewirkt habe, beantwortete weit über die Hälfte der befragten deutschen Unternehmen mit "Ja". - Allerdings hatten auch 59% von ihnen im Zuge der schlechten Konjunkturphase Einschnitte im Personalbereich gemacht.

Mittlerweile haben sich diese Zahlen ein wenig verbessert; Grund zum Frohlocken bieten sie jedoch nicht. Nach einer Untersuchung der Deutschen Angestellten Krankenkasse hat die Zahl der Krankmeldungen aufgrund psychischer Diagnosen seit 1997 um 70 Prozent zugenommen. Außerdem gehen immer mehr Arbeitnehmer aus Angst um den Arbeitsplatz auch krank zu Arbeit, oder bleiben erst zu Hause, wenn die Krankheit sehr schwerwiegend ist. Von einer optimalen Ausschöpfung des Mitarbeiterpotentials kann so natürlich keine Rede sein.

Ein weiterer wichtiger Faktor für Unmut und Demotivation der Mitarbeiter ist die eklatante Differenz zwischen der Wichtigkeit, welche der Kreativität beigemessen wird, und deren tatsächlicher Förderung. Obwohl 85% der befragten deutschen Unternehmen die aktive Förderung der Mitarbeiterkreativität für bedeutsam hielten, gaben 63% von ihnen an, Streichungen im Schulungsbudget vorgenommen zu haben.




Die Kreativität der Mitarbeiter wird als wichtig eingschätzt, aber die Schulungsmittel werden gestrichen!



Doch wer an immateriellen Werten und kreativer Förderung spart, riskiert die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter, schwächt das Unternehmensklima und wird dies auch im Betriebsergebnis zu spüren bekommen. Darüber hinaus werden die besten Mitarbeiter unter Umständen zu anderen Arbeitgebern mit speziellen Förderprogrammen abwandern. Vorbildlich im Vergleich zu Deutschland und Österreich zeigte sich die Schweiz: Hier ist bereits ein positiver Trend zu erkennen.

Arbeitsklima als wichtiger Teil von Corporate Identity wird zwar große, strategische Bedeutung beigemessen - insgesamt schätzten 33% der Manager das Arbeitsklima in ihrem Unternehmen als wichtigsten Aspekt der Corporate Identity ein -, doch bei der Umsetzung hapert es. 83% der deutschen Manager halten die bewusste Steuerung des Arbeitsklimas für bedeutsam, damit negative Stimmungen, Krankheitsstände, etc. ein Unternehmen nicht vom Markt verschwinden lassen. Doch nur 20% der Befragten geben an, tatsächlich versucht zu haben, mit kulturstiftenden Maßnahmen auf das Arbeitsklima einzuwirken. Dieses Ungleichgewicht ist vor allem darauf zurückzuführen, dass für die Implementierung solcher Maßnahmen kaum Budgets zur Verfügung stehen.

Fazit: Handlungsbedarf!
Darum soll es hier nochmals eindringlich wiederholt werden: Arbeitsklima ist ein ernstzunehmender Erfolgsfaktor im Gesamtbild eines Unternehmens. In Zukunft werden die Messung des Arbeitsklimas und ein daraus resultierendes Benchmarking ein wichtiger Schlüssel für jede Art von Geschäftsentwicklung sein. Doch obwohl das Arbeitsklima wertschöpfend alle Bezugsgruppen der Unternehmen berührt, beantworten gerade einmal 8 Prozent der deutschen Führungskräfte die Frage nach einer möglichen Inanspruchnahme von externer Hilfe (Coaches, Trainer, etc) zur Optimierung des Arbeitsklimas mit "ja". Dies sollte uns einmal mehr bedenklich stimmen!

Dass Handlungsbedarf besteht, ist nach diesen Zahlen wohl unbestritten. Doch welche Strategien zur Verbesserung des Arbeitsklimas gibt es denn überhaupt? - Hier einige einfache Tipps:

In einem Land, in welchem laut verschiedener Studien jeder fünfte Mitarbeiter seinen Chef hasst und ganze 88 Prozent aller Mitarbeiter ihren Chef für "problematisch" halten, sollten Führungskräfte sich wieder auf ihre Vorbildfunktion besinnen. Statt Beklemmung und Erbitterung auszulösen, Orientierungspunkt sein, Visionen aufzeigen. Ein optimierter Kommunikations-Prozess bietet den besten Weg, dies zu erreichen. "Seid freundlich und redet miteinander!", sollte die grundlegende Devise eines jeden Unternehmens im Umgang mit seinen Mitarbeitern sein. Denn nur wo offen und eindeutig kommuniziert wird, können Loyalität und Leistungsbereitschaft gedeihen. Wer dies erkennt, hat bereits einen entscheidenden Marktvorteil!

Weitere Maxime sollten sein:
  • Jeder Mitarbeiter hat ein Anrecht auf Respekt und das Recht, Fehler zu begehen.
  • Entscheidungen müssen sinnvoll, möglichst transparent und nachvollziehbar sein.
  • Entscheidungen von Mitarbeitern werden zugelassen und unterstützt
  • Erfolg ist kein Ziel, sondern ein Ergebnis von Handlungen.
  • Weiterbildung und Training ermöglichen Erfolg.

Am wichtigsten ist aber immer noch: "Jeder hat das Recht auf den besten Chef der Welt" - und dies kann jeder werden, der versteht, dass ein positives Betriebsklima die beste Grundlage für eine positive Jahresendbilanz ist.


Kontakt:
Sterling MacGregor
Initiative für besseres Arbeitsklima
Herr Lutz Dziarnowski
Hofmannstr. 7/A2
D-81379 München
Tel.: 089/78 74 96 80
Mobil: 0173/38 77 276
www.betriebsklima.de
Quelle: Redaktion Nachhaltig Wirtschaften
Wirtschaft | Führung & Personal, 22.07.2006

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