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Gewinn ist nicht alles

Unternehmensbefragung der Bertelsmann Stiftung zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen

Wie sieht die deutsche Wirtschaft ihre Rolle in der Gesellschaft? Offensichtlich nicht als "Heuschrecke" oder ausbeuterischer Erzkapitalist. Dies zeigt eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut TNS Emnid unter 500 Top-Entscheidern der deutschen Wirtschaft. Hiernach wird die Rolle der Unternehmen als reine Profitmaximierer sehr deutlich abgelehnt. Für die Mehrheit der Unternehmen muss unternehmerisches Wirtschaften auch soziale und ökologische Belange einbeziehen. Über 60 Prozent der Unternehmen bezeichnen sich als "aktiv", wenn es darum geht, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen, jeder vierte Manager sieht sein Unternehmen sogar als Vorreiter auf diesem Gebiet (s. Abb. 11: Grad des gesellschaftlichen Engagements)



Über 60 Prozent der Unternehmen bezeichnen sich als "aktiv", wenn es darum geht, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen, jeder vierte Manager sieht sein Unternehmen sogar als Vorreiter auf diesem Gebiet



Verantwortung für Mitarbeiter und Kunden
Eine deutliche, wenn auch eng fokussierte Stakeholder-Orientierung prägt die gesellschaftliche Verantwortung deutscher Unternehmen: Sie fühlen sich in erster Linie den Kunden (97 Prozent) und Mitarbeitern (96 Prozent) gegenüber verantwortlich. Für große Unternehmen spielen erwartungsgemäß auch die Kapitaleigner eine wichtige Rolle (88 Prozent) (s. Abb.5: Verantwortung gegenüber ausgewählten Akteuren).




Zu den wichtigsten Gründen für gesellschaftliches Engagement zählen die Motivation der Mitarbeiter (84 Prozent) oder die Reputation des Unternehmens (65 Prozent) (s. Abb.12: Gründe für gesellschaftliches Engagement). Bevorzugte Maßnahmen zur Umsetzung gesellschaftlichen Engagements sind die Förderung von Aus- und Weiterbildung (89 Prozent), das Kunden- und Beschwerdemanagement (86 Prozent) sowie die Chancengleichheit der Mitarbeiter (86 Prozent). Daneben spielen auch Spenden für Soziales (56 Prozent) sowie für Kultur (39 Prozent) und Sport (38 Prozent) eine sehr wichtige Rolle.


Aufgaben von Wirtschaft und Politik
Die Mehrheit der Befragten ist entschieden für eine veränderte Aufgabenteilung zwischen Staat und Wirtschaft: 82 Prozent der Manager befürworten eine Privatisierung staatlicher Aufgaben (s. Abb. 7: Aufgabenverteilung zwischen Staat und Wirtschaft).



Ein Grund hierfür mag in der abnehmenden Leistungsfähigkeit des Staates liegen. Hierdurch sehen mehr als die Hälfte der befragten Manager eine größere gesellschaftliche Verantwortung auf die Unternehmen zukommen. Für ihr Engagement wünschen sich knapp zwei Drittel der Unternehmen weitere Unterstützung durch die Politik beispielsweise in Form von Informationsangeboten, Wettbewerben oder Steuervorteilen. Nur 4 von 10 befragten Managern fordern, dass sich die Politik aus der Frage des gesellschaftlichen Engagements völlig heraushalten sollte.

Zuständigkeit und Ressourcen
Die Zuständigkeit für das Thema der gesellschaftlichen Verantwortung liegt primär beim Top-Management: entweder bei der Geschäftsführung (47 Prozent) oder beim Vorstand (35 Prozent). Es werden jedoch nur geringe operative Ressourcen und knappe Budgets für das gesellschaftliche Engagement aufgewendet. Immerhin weisen 57 Prozent der Manager ein eigenes Budget für Aktivitäten der gesellschaftlichen Verantwortung aus, jedoch beträgt dieses zum Teil weniger als 1 Promille des Umsatzes. Darüber hinaus verzichten über 60 Prozent der Befragten auf eine Validierung ihres Engagements durch standardisierte Management- und Evaluationsverfahren.

Mit Engagement zu mehr Wert
Dass gesellschaftliche Verantwortung und ökonomische Leistungsfähigkeit in keinem Widerspruch zueinander stehen, ist ein weiteres hervorstechendes Ergebnis der Befragung. Im Gegenteil: gerade die Unternehmen, die sich aktiv oder sogar proaktiv ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen, erwarten sowohl steigende Gewinne als auch eine positive Beschäftigungsentwicklung (s. Abb. 25: erwartete mittelfristige Gewinnentwicklung).



Für die Zukunft noch viel Spielraum
Das deutsche Profil von gesellschaftlicher Verantwortung ist geprägt durch die kulturellen und regulatorischen Rahmenbedingungen der Sozialen Marktwirtschaft. In diesem deutschen Profil spielt eine enge Stakeholderorientierung insbesondere gegenüber Kunden und Mitarbeitern eine dominante Rolle. So ist auch die Motivation, gesellschaftlich verantwortlich zu handeln, überwiegend aus der eigenen Unternehmenskultur heraus begründet und deutlich weniger durch Erwartungen von außen getrieben. Neben der ausgeprägten Mitarbeiterorientierung scheint die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen aber hauptsächlich in philanthropischen Aktivitäten wie Spenden und Sponsoring zu bestehen. Eine eher strategische Ausrichtung unternehmerischen Engagements steht dagegen noch am Anfang. Am ehesten haben größere Unternehmen erkannt, dass gesellschaftliches Engagement - als Investition verstanden - strategischen Nutzen stiften kann.
Vor dem Hintergrund, dass die Erwartungen an unternehmerisch verantwortliches Handeln etwa von Seiten des Kapitalmarktes oder durch die Herausforderungen einer globalisierten Ökonomie steigen, tun deutsche Unternehmen gut daran, ihren Fokus zu erweitern und gesellschaftliche Verantwortung als strategisches Investment zu begreifen, das der Risikominimierung und der Akzeptanzsicherung dient. Derzeit sind die deutschen Unternehmen für solche Herausforderungen jedoch noch denkbar schlecht gerüstet: Obwohl die Mehrheit der befragten Manager der gesellschaftlichen Verantwortung zukünftig eine höhere Bedeutung beimisst und einen wachsenden Druck auf die Unternehmen durch die Globalisierung erwartet, zeigen der geringe Einsatz operativer Ressourcen sowie die geringe strukturelle Implementierung des Themas im Unternehmen hier noch erhebliches Entwicklungspotenzial. Ein Potenzial, das den Unternehmen und der Gesellschaft gleichermaßen zugute kommen könnte.
Die Studie ist als Download erhältlich unter: www.bertelsmann-stiftung.de/csr


Das Projekt "Corporate Social Responsibility" der Bertelsmann Stiftung
Zentrales Ziel des Projektes Corporate Social Responsibility (CSR) ist es, bestehende und neue Ansätze von gesellschaftlicher Verantwortung in den Unternehmen zu fördern. Unternehmensverantwortung kann ihr volles Potenzial dann am besten entfalten, wenn Unternehmen mit Politik und Verwaltung sowie Non-Profit-Organisationen zusammenarbeiten. Bewährte und neue Formen solcher Partnerschaften gilt es nachhaltig zu unterstützen. Das Projekt adressiert Vertreter von Unternehmen, Politik und Verwaltung, Nichtregierungsorganisationen, Verbänden und gemeinnützigen Institutionen.

Maßnahmen


Bewusstsein für CSR fördern: motivieren statt regulieren.
Damit unternehmerisches Engagement selbstverständlicher wird - insbesondere auch in der Wahrnehmung der Politik und der Bürger - werden mit Studien und öffentlichen Veranstaltungen die Potenziale von CSR für die Gesellschaft und die Unternehmen selbst hervorgehoben. Ziel ist es, herauszuarbeiten, was ein deutsches Profil von CSR in einem hochregulierten Land wie Deutschland sein kann. Es soll die spezifische Situation etwa im Hinblick auf die bereits bestehenden rechtlichen Bestimmungen berücksichtigen, jedoch auch die Herausforderungen durch veränderte Erwartungen an Unternehmen einbeziehen.

Managementwissen für gesellschaftliche Verantwortung
Gemeinsam mit Experten aus Unternehmen und Wissenschaft erarbeitet die Bertelsmann Stiftung praxisrelevantes Managementwissen. Durch die Sammlung guter Beispiele und Modelle, durch Workshops und einen Leitfaden für erfolgreiche Kooperation zwischen Wirtschaft und Drittem Sektor wird Unternehmen praktische Unterstützung für die Umsetzung tragfähiger CSR-Lösungen angeboten.

Treibende Kräfte für Partnerschaften: Akteure der Zivilgesellschaft
Kooperationen zwischen Unternehmen, Politik und Non-Profit-Organisationen können zur effektiven Lösung von drängenden gesellschaftlichen Problemen beitragen. Ein Leitfaden für den zivilgesellschaftlichen Sektor soll die Akteure auf die professionelle Durchführung von Kooperationsprojekten mit der Wirtschaft vorbereiten und praxisnahe Hinweise für robuste Partnerschaften liefern. Innovative Vermittlungsmethoden sollen erprobt und Erfolgsfaktoren zur Anbahnung von Partnerschaften verbreitet werden.
 
 
 

Kontakt:
Bertelsmann Stiftung
Carl-Bertelsmann-Str. 256
33311 Gütersloh
Tel. 05241 / 810
Fax: 05241 / 81681396
www.bertelsmann-stiftung.de
www.bertelsmann-stiftung.de/csr


Birgit Riess
Tel. 05241/81 81 351
birgit.riess@bertelsmann.de
Anna Peters
Tel. 05241/81 81 401
anna.peters@bertelsmann.de

Quelle: Redaktion Nachhaltig Wirtschaften
Wirtschaft | CSR & Strategie, 24.07.2006

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