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Nachhaltiger Tourismus- und Wirtschaftsfaktor

Die Jugendherbergen in Deutschland

Auf dem Fachkongress der ITB Berlin 2012, der weltweit größten Tourismusmesse, diskutierten internationale Experten am "Corporate Social Responsibility (CSR) Day" vor überfüllten Tagungsräumen über aktuelle Fragen eines nachhaltigen Tourismus. Fragen der ökologischen und sozialen Verantwortung gewinnen im Tourismus zunehmend an Relevanz.

Nachhaltiger Tourismus auf Norderney begeistert nicht nur Kinder
Foto: © Jugendherbergen im Nordwesten
Zu den Vorreitern eines nachhaltigen Tourismus gehört das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH), das auf der ITB Berlin jedes Jahr seine Neuheiten präsentiert. Der Verband, mit bundesweit 540 Jugendherbergen größter gemeinnütziger Anbieter von Jugendunterkünften, verfolgt schon seit seiner Gründung vor mehr als 100 Jahren nachhaltige Ziele. Diese sind in der Satzung und in der Nachhaltigkeitserklärung des DJH festgeschrieben. Mit attraktiven preiswerten Unterkünften sowie speziellen Bildungs- und Begegnungsangeboten setzt sich das DJH für ein friedliches und faires Miteinander in der Gemeinschaft, für internationale Völkerverständigung, Toleranz, Gesundheitserziehung sowie Natur- und Umweltbewusstsein ein und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung. Gäste der Jugendherbergen sind vor allem Schulklassen, Einzelreisende, Familien und Tagungsgruppen.

"Erlebnis Nachhaltigkeit" der Jugendherbergen im Nordwesten

Künftig will sich das DJH noch stärker nachhaltig ausrichten. "Wir setzen uns kontinuierlich dafür ein, den Grundgedanken unserer Jugendherbergen 'Gemeinschaft erleben' ganz praktisch mit Leben zu füllen, die Qualitätsstandards in unseren Häusern an aktuelle Anforderungen unserer Zeit anzupassen und sie insbesondere im Bereich der Nachhaltigkeit mit innovativen Maßnahmen weiterzuentwickeln", sagt Bernd Dohn, Hauptgeschäftsführer des DJH. Auch beim Bau und Betrieb der Jugendherbergen finden ökologische und soziale Aspekte noch mehr Berücksichtigung.

"Erlebnis Nachhaltigkeit" nennt sich z.B. ein neues Modell-Projekt der Jugendherbergen im Nordwesten (www.jugendherbergen-nordwesten.de/nachhaltigkeit.html), gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). In den Häusern auf den Inseln Norderney und Borkum, in Bremen, Lingen, Bad Iburg und Alfsee wird derzeit ein neues Nachhaltigkeitskonzept erprobt, das auf Kennzahlen und detaillierten Zielvorgaben basiert. Für jedes Haus wurde ein individueller Plan zur Reduzierung der CO2-Bilanz im Bereich Energie, Verpflegung, Wasser, Abfall und Papier entwickelt. Um eine möglichst große Analyse- und Bewertungsgenauigkeit zu erzielen, werden die Fortschritte anhand von Nachhaltigkeits-Indices überprüft. Gäste können mit einer freiwilligen CO2-Ausgleichsspende z.B. den Bau von Photovoltaik-Anlagen unterstützen.

Ein reichhaltiges Angebot an Salaten lässt jedes Kind etwas finden, das ihm schmeckt.
Foto: © Jugendherbergen im Nordwesten
In den Erlebnisprogrammen der Pilot-Jugendherbergen wird ökologisches und soziales Lernen über Spaß, Spannung und Genuss vermittelt. "Frisch, fair gehandelt und wenn möglich aus der Region" lautet die Devise beim Essen. Zunehmend kommen Bio-Produkte und Produkte aus fairem Handel auf den Tisch. Zum Käseangebot des vielseitigen Frühstücksbüffets gehört laktosefreier Käse. Einmal pro Woche ist "Veggi-Day" mit leckeren vegetarischen Gerichten - die gibt es auf Wunsch auch als vegetarisches Lunchpaket. Seit Mitte 2011 sind die sechs Modell-Jugendherbergen gemäß den Kriterien des "Viabono"-Siegels und der Gesellschaft für Ressourcenschutz (GfRS) bio-zertifiziert. Nächstes Etappenziel ist die Übertragung des Konzeptes auf alle 32 Jugendherbergen in der Region. Zudem dient das Pilotprojekt als Modellversuch für das gesamte Deutsche Jugendherbergswerk mit seinen 540 Jugendherbergen.

Innovativ und naturnah: DesignIBaumhausdorf Beckerwitz mit Schlafwaben

Ein ganz neues, innovatives Nachhaltigkeitsprojekt ist das DesignIBaumhausdorf "Grüne Wiek" der Jugendherberge Beckerwitz in Mecklenburg-Vorpommern (www.gruenewiek.de). Auf dem Gelände der Jugendherberge am naturbelassenen Ostseestrand können Gäste neuerdings in wabenförmigen Holzhäusern übernachten. Die Baumhäuser mit zwei übereinanderliegenden Schlafwaben und einem Aufenthaltsbereich bieten Platz für bis zu sechs Personen. Das außergewöhnliche Design und der Baustoff Holz sollen den engen Bezug des Projektes zu Natur und Umwelt symbolisieren. Die "Grüne Wiek" ist Partner des Projektes " Waldaktie" des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Mit dem symbolischen Kauf von zehn Quadratmeter Wald für zehn Euro können Umweltbewusste ihren Urlaub CO2-neutral gestalten oder selbst gespendete Bäume pflanzen.

Jährlich eine Milliarde Euro Umsatz durch Jugendherbergsgäste

Dass Nachhaltigkeit und Ökonomie keinesfalls im Widerspruch stehen, sondern das Gegenteil bewirken können, lässt sich an den positiven Ergebnissen der Jugendherbergen ablesen. Die Übernachtungszahlen bewegen sich seit Jahren stabil auf hohem Niveau. 2011 übersprang das DJH mit rund 10,2 Millionen Über-nachtungen zum fünften Mal in Folge die 10-Millionen-Marke. Zudem waren im letzten Jahr 2.194.500 Menschen DJH-Mitglied - so viel wie nie zuvor in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte. Mit ihren hohen Übernachtungszahlen haben sich die Jugendherbergen in Deutschland zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Das belegt eine erstmals angelegte, Anfang 2012 veröffentlichte Untersuchung. Laut der Studie "Wirtschaftliche Effekte der Jugendherbergsgäste in Deutschland" des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr e.V. (dwif e.V.) an der Universität München generieren die Jugendherbergsgäste in Deutschland mit ihren jährlich 10,2 Millionen Übernachtungen pro Jahr einen Gesamtumsatz von rund 1 Milliarde Euro.

Das Design-Baumhausdorf "Grüne Wiek" auf dem Gelände der Jugendherberge Beckerwitz.
Foto: © Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern
Wachstumsmotor für die regionale Wirtschaft

Dieser Umsatz kommt nicht nur den Jugendherbergen zugute. Direkt und indirekt profitieren davon auch die Regionen und die dort ansässigen Unternehmen. 2010 gaben die Jugendherbergsgäste bei ihrem Aufenthalt pro Kopf und Tag 83 Euro aus. Davon fielen 29,80 Euro (35,9 Prozent) auf die Unterkunft in der Jugendherberge. Der Restbetrag in Höhe von 53,20 Euro (64,1 Prozent) wurde in Verpflegung, den Einkauf von Lebensmitteln und anderen Waren, Freizeit und Unterhaltung, den lokalen Transport sowie sonstige Dienstleistungen investiert.

Hochgerechnet auf 10,2 Mio. Übernachtungen bedeutet dies einen Bruttoumsatz von insgesamt 845,8 Millionen Euro (303,7 Mio. Euro in den Jugendherbergen, 542,1 Mio. Euro in regionalen Wirtschaftsunternehmen). Daraus entstehen 61,2 Millionen Mehrwertsteuer. Hinzu kommen Umsätze von 164 Mio. Euro für Fahrtkos-ten für die An- und Rückreise. In der Summe bewirken Jugendherbergen in Deutschland somit einen jährlichen Umsatz auf allen Umsatzstufen von mehr als 1 Milliarde Euro. Das hat positive Effekte für den deutschen Arbeitsmarkt: Laut dwif-Studie sichert ein Arbeitsplatz in der Jugendherberge 2,6 zusätzliche Arbeitsplätze bei "profitierenden Wirtschaftszweigen" in der Region.

Jugendherbergen setzen also nicht nur touristische Impulse, sie beschäftigen touristische Dienstleister und den Einzelhandel und fördern indirekt kulturelle Einrichtungen. Oft sind sie in ihrer Region größter Übernachtungsanbieter und wichtiger Arbeitgeber. 446 Jugendherbergen befinden sich in Klein- und Mittelstädten mit bis zu 100.000 Einwohnern. Bei seiner Preispolitik orientiert sich das DJH im Interesse seiner Gäste nicht am Prinzip der Gewinnorientierung, sondern an den entstehenden Kosten, und bietet seine Leistungen zu vertretbaren Preisen an. Als eine der wenigen Einrichtungen der Jugendhilfe ist das DJH in der Lage, seine Kosten des laufenden Betriebes aus eigener Kraft zu erarbeiten. Darüber hinaus erwirtschaftet der Verband auch einen Teil der notwendigen finanziellen Mittel für Investitionen. Einzelne Projekte des als gemeinnützig anerkannten Vereins werden mit Mitteln der öffentlichen Hand gefördert.

Nachhaltigkeitserklärung des DJH zum Download:
http://www.jugendherberge.de/imperia/md/djhmdb/100949/Nachhaltigkeitserklaerung.pdf
 
 
Von Katrin Speer

Quelle: DJH
Technik | Mobilität & Transport, 30.05.2012

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  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • VDMA Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence
  • Deutsche Telekom AG
  • SÜDWIND e.V. - Institut für Ökonomie und Ökumene
  • Global Nature Fund (GNF)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen


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