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Ein Experiment

...ist es, alle Menschen ins Wirtschaftsleben einzubeziehen

Prof. Muhammad Yunus promovierte in Wirtschaftswissenschaften und lehrte an der Vanderbilt University in Tennessee, USA. Er ist Gründer der Grameen Bank, die Kleinstkredite an die Ärmsten vergibt, und initiierte mehrere Social Businesses, die soziale Probleme durch unternehmerisches Handeln lösen. 2006 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Für forum Nachhaltig Wirtschaften schreibt er regelmäßig eine Kolumne über Social Business.

"Muhammad Yunus erhielt für die Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung im Jahr 2006 den Friedensnobelpreis"
Pragmatismus, Offenheit, Experimentierfreudigkeit - das waren stets wichtige Elemente meiner allgemeinen Einstellung zum Social Business. Die glasklare Definition des Zwecks ist der wichtigste Teil bei der Gründung eines Social Business. Mit den Mitteln kann man experimentieren, wenn man einen bestimmten Zweck erreichen will. Das Ziel des Social Business ist es, die Probleme dieser Welt zu lösen und den Menschen zu einem besseren, erfüllteren Leben zu verhelfen. Das Social Business sollte dieses Ziel fest im Blick behalten, dann ist auch damit zu rechnen, dass sich die Methoden, mit denen es angestrebt wird, im Lauf der Zeit weiterentwickeln und verändern. Denn auch die Begleitumstände ändern sich und bessere Ideen nehmen Gestalt an.

Die Geschichte von Grameen Veolia Water ist ein sehr interessantes Beispiel für diese Neigung zum Pragmatismus. Dieses Unternehmen ist das zweite Experiment in Sachen Social Business, das von einem bedeutenden Unternehmen angepackt wurde, unmittelbar nach der Gründung von Grameen Danone. Das Ziel von Grameen Veolia Water ist die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser für arme Menschen in Bangladesch.

Eric Lesueur, Spitzenmanager des französischen Unternehmens Veolia Water, kam 2007 mit der Frage zu mir: Gibt es eine Möglichkeit für ein Social Business, das wir gemeinsam ins Leben rufen können, um die Qualität des Trinkwassers, das den Armen von Bangladesch zugänglich ist, zu verbessern? Ich verwarf die Idee sofort. Ich dachte, dass er von in Flaschen abgefülltem Wasser spricht, das in Bangladesch bereits beliebt, aber auch sehr teuer war. Schließlich ließ ich Lesueur über mein Büro ausrichten, dass ich zu einer Unterredung mit ihm bereit wäre, wenn er die Dörfer mit Wasser beliefern könnte, das nicht mehr als einen Taka (entspricht 1 Euro-Cent) pro zehn Liter kosten würde. "Ja", sagte er, "ich schaffe das". Ich war angenehm überrascht und hatte enormes Interesse an einem Gespräch mit ihm. Auf diese Weise entstand Grameen Veolia Water. Das Pilotprojekt wurde im Dorf Goalmari gestartet. Dort versorgen zwei Wasserpumpen aktuell 40.000 Menschen. Eine weitere Vertriebsstelle wurde Ende letzten Jahres in Dhaka in Betrieb genommen, mit deren Gewinn die Ausweitung des Projekts im ländlichen Bereich subventioniert werden soll. Das Business Model ist skalierbar und kann in anderen Ländern repliziert werden.

Mit Technologie allein sind die großen Aufgaben, mit denen die Welt heute zu kämpfen hat, nicht zu lösen. Genauso wichtig ist die Auswahl der sozialen Probleme und der geeigneten Technologien zu deren Bekämpfung. Social Business kann bei der Arbeit an diesen Herausforderungen eine wichtige Rolle spielen. Der wichtigste mit Social Business verbundene Gedanke ist, alle Menschen ins Wirtschaftsleben einzubeziehen. Das gilt auch für die armen Menschen ganz unten an der Basis der sozialen Pyramide, an die zumeist niemand denkt.
 
 
Von Muhammad Yunus

Quelle: FORUM Nachhaltig Wirtschaften Büro Süd
Gesellschaft | Social Business, 05.10.2012

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