Saarbrücker Wirtschaftswissenschaftler untersucht Stromanbieter

Wirtschaftliche Nachhaltigkeit von 1.000 Unternehmen verglichen

Das Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Universität des Saarlandes hat deutsche Energieanbieter auf ihre wirtschaftliche Nachhaltigkeit hin untersucht. Bisher hatten die Kunden auf dem liberalisierten Energiemarkt zwar die Möglichkeit, die Preise der über 1.000 Anbieter zu vergleichen. Ein Vergleich von deren wirtschaftlicher Solidität jedoch war bisher schwierig. Insolvenzen und fragwürdiges Geschäftsgebaren verunsichern viele Kunden. Sie scheuen daher den Wechsel des Anbieters, obwohl sie so Geld sparen könnten. Der Saarbrücker Professor für Wirtschaftsprüfung, Michael Olbrich, hat diese Lücke mit der Studie "Energieanbieter und Nachhaltigkeit" nun wissenschaftlich geschlossen.

Verbraucher können sich ab jetzt in der neuen Studie über den individuell optimalsten Stromanbieter informieren.
Foto by pixabay.com
Die Veröffentlichung der Umlage für Erneuerbare Energien (EEG-Umlage) 2014 zeigt, dass die Strompreise für die Verbraucher weiter steigen. Dabei könnten sie auf dem liberalisierten Energiemarkt in Deutschland viel Geld sparen. Die Wahl des Anbieters ist schließlich frei. Doch die Möglichkeit der Wahl bedeutet auch eine Qual: Auf dem Markt tummeln sich mehr als 1.000 Anbieter, unter denen eine Auswahl schwerfällt. Die Insolvenzen einiger Anbieter in der Vergangenheit haben viele Verbraucher bisher von einem Wechsel ihres Energieversorgers abgeschreckt. "Bislang werden die einzelnen Anbieter meist nur nach ihren Preisen verglichen. Unsere Untersuchung geht einen neuen Weg und vergleicht die Energieunternehmen anhand von betriebswirtschaftlichen Nachhaltigkeitsmerkmalen. Die Verbraucher wollen zu soliden Energieanbietern wechseln, und wir geben hierfür eine Hilfestellung", erklärt Michael Olbrich, der Direktor des IWP.

Olbrichs Studie nahm dafür 15 Unternehmen genauer unter die Lupe: Die "Großen Fünf" des Strommarktes, die Konzerne E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW und EWE, sowie zehn freie Anbieter, die im vergangenen Jahr besonders häufig in den Medien waren und die in Vergleichsportalen besonders präsent sind. Professor Olbrich untersuchte diese 15 Unternehmen anhand mehrerer Kriterien: Publikationspolitik, kurzfristige Liquidität, Eigenkapitalquote, Wirtschaftlichkeit bezüglich des Personals, Kundenzahlen sowie den Anteil erneuerbarer Energie am Stromangebot. Die Wirtschaftswissenschaftler werteten zum Beispiel die Bereitschaft, die Öffentlichkeit über die Geschäftstätigkeit etwa mit einem Jahresabschluss zu informieren, als positives Indiz. Auch die Geschwindigkeit, mit der dies geschieht, ergab Pluspunkte auf der Nachhaltigkeitsskala.

Michael Olbrich, Professor für Wirtschaftsprüfung, hat in einer Studie die wirtschaftliche Solidität von Stromanbietern untersucht.
Foto: © Universität des Saarlandes
"Die nach diesen Kriterien nachhaltigsten unabhängigen Stromanbieter Deutschlands sind ExtraEnergie und Naturstrom sowie von den 'Großen Fünf' auch EWE", fasst Michael Olbrich zusammen. Am Ende der Nachhaltigkeitsskala der Saarbrücker Wirtschaftswissenschaftler liegen Care-Energy, Energy2Day sowie Goldpower.

"Wir möchten mit dieser Untersuchung natürlich keineswegs eine Empfehlung abgeben, welches Unternehmen die Kunden bevorzugen sollten", schränkt Professor Olbrich ein. "Angesichts über 1.000 am Strommarkt tätigen Unternehmen möchten wir mit dieser Studie vielmehr ein Werkzeug und eine Orientierung bieten, mit deren Hilfe Verbraucher wirtschaftlich nachhaltig arbeitende Stromanbieter identifizieren können", so der Wirtschaftsprofessor weiter.

Laut Medienberichten soll die Stromrechnung ab 2014 wegen der steigenden EEG-Umlage für einen durchschnittlichen Haushalt, der 3500 kWh im Jahr verbraucht, um rund 3,30 Euro pro Monat steigen. Die Saarbrücker Studie könnte Verbrauchern in ganz Deutschland helfen, mit einem Anbieterwechsel diese Verteuerung nachhaltig wieder aufzufangen.

Die Studie im PDF-Format finden Sie hier.
Quelle: Universität des Saarlandes, Prof. Dr. Michael Olbrich
Technik | Energie, 05.11.2013

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