B.A.U.M.-Jahrbuch: Jetzt kostenlos reinlesen

Die Mischung macht's

Freiwilliger Klimaschutz ist eine Frage des Informations- und Bildungsstandes

Was bestimmt die Bereitschaft der Bürger in Deutschland, freiwillig etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen? Von großer Bedeutung ist dabei eine Mischung aus Faktenwissen, subjektiven Annahmen und Hörensagen. Das zeigen Untersuchungen mit 2.000 Bundesbürgern, die Umweltökonomen der Universität Heidelberg durchgeführt haben. Sie sind in einem Forschungsprojekt am Alfred-Weber-Institut für Wirtschaftswissenschaften der Frage nachgegangen, welche Einflussgrößen die sogenannte Zahlungsbereitschaft beim individuellen Schutz des Klimas bestimmen.

Der Öko-Wissensmix bestimmt bei den Bürgern in Deutschland die Bereitschaft zum Klimaschutz entscheidend mit. © Andreas Hermsdorf/pixelio.de Was bestimmt die Bereitschaft der Bürger in Deutschland, freiwillig etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen? Von großer Bedeutung ist dabei eine Mischung aus Faktenwissen, subjektiven Annahmen und Hörensagen. Das zeigen Untersuchungen mit 2.000 Bundesbürgern, die Umweltökonomen der Universität Heidelberg durchgeführt haben. Sie sind in einem Forschungsprojekt am Alfred-Weber-Institut für Wirtschaftswissenschaften der Frage nachgegangen, welche Einflussgrößen die sogenannte Zahlungsbereitschaft beim individuellen Schutz des Klimas bestimmen.

Wie der Leiter des Forschungsprojektes, Prof. Timo Goeschl, Ph.D., erläutert, sind Zahlungsbereitschaften in der Ökonomik ein gängiges Instrument, um Präferenzen und Wertigkeiten auszudrücken. "Dieser Begriff sollte allerdings nicht zu eng, etwa rein monetär, verstanden werden. Für Ökonomen beschreibt eine Zahlungsbereitschaft den Einsatz von Ressourcen, die eine Person auch anderweitig hätte verwenden können. Das kann Geld, Zeit oder Arbeitskraft sein", betont Dr. Johannes Diederich, der als Forscher in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt mitgewirkt hat.

Um die Zahlungsbereitschaft beim individuellen Schutz des Klimas zu untersuchen, haben die Heidelberger Wissenschaftler ein verhaltensökonomisches Experiment durchgeführt. Deutschlandweit waren daran mehr als 2.000 Probandinnen und Probanden aus allen Gruppen der Bevölkerung beteiligt. Die Teilnehmer hatten die Wahl zwischen einem monetären Verdienst und einer realen Einsparung von Kohlendioxid-Emissionen. Die Emissionssenkungen realisierten die Forscher über das Emissionshandelssystem der Europäischen Union. Zugleich fragten sie nach dem Wissensstand und den Erwartungen der Probanden, etwa über die Auswirkungen von Emissionssenkungen oder den persönlichen Anteil am Kohlendioxid-Ausstoß.

"Zahlungsbereitschaften für Umweltgüter, wie zum Beispiel den Klimaschutz, sind alles andere als festgefügt", sagt Prof. Goeschl. "Sie werden zum Beispiel stark durch den individuellen Informationsstand beeinflusst. Dieser speist sich aber nicht nur aus realen Fakten, sondern auch aus subjektiven Annahmen und vermeintlichem Wissen." Wer besser Bescheid weiß oder auch nur glaubt, präziser informiert zu sein, beispielsweise über den eigenen Beitrag zum Klimawandel, hat eine höhere Zahlungsbereitschaft.

Ein weiterer entscheidender Einflussfaktor der Zahlungsbereitschaft für den individuellen Klimaschutz ist der Bildungsstand, wie die Heidelberger Forscher berichten. "Menschen aus höheren Bildungsschichten sind eher bereit, auf Geld zugunsten einer Emissionssenkung zu verzichten, unabhängig von ihrem Einkommen und auch von ihrem Wissen über den Klimawandel und die damit verbundenen Zusammenhänge", so Prof. Goeschl.

Auf einen unerwarteten Effekt stießen die Wissenschaftler, als sie die Entscheidungen der Probanden mit regionalen Wetterdaten verbanden: Bei höheren Außentemperaturen am Wohnort waren die jeweiligen Teilnehmer eher bereit, sich für die Emissionssenkung zu entscheiden und auf das Geld zu verzichten. "Dieser Effekt wird noch Gegenstand weiterer Untersuchungen sein", betont Prof. Goeschl.

Weitere Informationen im Internet unter
www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/wiso/awi/professuren/umwelt/index.html

Originalpublikation:
J. Diederich, T. Goeschl: Willingness to Pay for Voluntary Climate Action and Its Determinants: Field-Experimental Evidence. Environmental and Resource Economics (March 2014), 57:405-429, doi: 10.1007/s10640-013-9686-3
  
 
Kontakt:
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Prof. Timo Goeschl, Ph.D.
goeschl@eco.uni-heidelberg.de | http://www.eco.uni-heidelberg.de

Umwelt | Klima, 07.04.2014

Cover des aktuellen Hefts

Time to eat the dog

forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2019

  • Kein Müll!
  • Fridays for the Future
  • Nachhaltigkeit kleidet!
  • Die Insel der Träume
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
24
MAI
2019
Globaler Klimastreik zur Europawahl
Mach die Europawahl zur Klimawahl!
europaweit


21
JUN
2019
ERDFEST 2019
Auf dem Weg zu einer neuen kulturellen Allmende
deutschlandweit


13
SEP
2019
WAVE Germany
World Advanced Vehicle Expedition
deutschlandweit


Alle Veranstaltungen...

Gemeinsam ist es Klimaschutz

natureOffice nimmt Sie mit auf die Reise durch den Klimakosmos - gleich YouTube-Kanal abonnieren und Baum pflanzen!


Philosoph aus Leidenschaft

Angedacht...
Kunstgriff der Natur. Warum wir unsere Endlichkeit bejahen sollen




  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • SÜDWIND e.V. - Institut für Ökonomie und Ökumene
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • VDMA Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence
  • Deutsche Telekom AG
  • PEFC Deutschland e. V.
  • Bayer Aktiengesellschaft
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Alfred Ritter GmbH & Co. KG


Bundesweiter Pflanz-Wettbewerb. 1. April bis 31. Juli 2019. Jederzeit anmelden: Alle Flächen, alle Menschen können mitmachen!