Gegner und Befürworter liefern sich Duelle auf allen
Ebenen. Daneben entwickelt sich still und leise eine Alternative: das
Fahren mit Wasserstoff. forum hat den Stand der Entwicklung unter die Lupe genommen.
2014 ging die Nachricht durch die
Österreichische Motorpresse: Der Autohersteller Hyundai schickte mit
einem Fuel Cell Electro Vehicle, also einem Fahrzeug, das mit
Wasserstoff betrieben wird, vier Frauen von München nach Wien. Sie
schafften es ohne Zwischenfälle oder Tankstopp und der Aha-Effekt
spiegelte sich in vielen Publikationen wider. Hatte man endlich für das
Problem der bis dato geringen Reichweite von batteriebetriebenen
Elektromotoren eine Lösung gefunden? Technisch gesehen sind auch
Wasserstoffautos Elektrofahrzeuge, nur wird der Motor nicht über einen
Akku, sondern über eine Brennstoffzelle mit Strom versorgt. Dieser wird
aus Wasserstoff gewonnen, der durch die chemische Reaktion mit dem
Sauerstoff aus der Umgebungsluft verbrennt, wobei Strom und reiner
Wasserdampf als einziges Abfallprodukt entstehen.
Ein Green Corridor für Wasserstoff
OMV engagiert sich für abgasfreie Schwerverkehrsrouten und entwickelt die dafür nötige Infrastruktur. Foto: © OMV In heutiger Zeit kann Wasserstoff bei der
Befüllung eines Tanks bereits mit einem Druck von 700 bar verdichtet
werden, was eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern bedeutet – wie der
oben erwähnte Praxistest eindrucksvoll bewiesen hat. Warum also hört
man trotzdem nur noch selten von dieser vielversprechenden Technologie?
Die Eröffnung des Green Energy Centers in Innsbruck vor wenigen Wochen
ließ wieder aufhorchen: Sie fand anlässlich der ersten Langstreckenfahrt
von Bergen in Norwegen nach Bozen in Italien mit fünfzehn Hyundai ix35
FCEV Serienfahrzeugen (das Modell soll in den nächsten Jahren rund 1.000
Mal vom Band rollen) statt und unterstrich, dass sich nun doch auch auf
diesem Sektor etwas tut. Basisproblem ist ja nicht die Brennstoffzelle,
die eindeutig Marktreife erreicht hat, sondern die Infrastruktur. Die
Errichtung einer Wasserstoff-Tankstelle kostet rund 100.000 Euro und
naturgemäß waren die großen Mineralölfirmen bisher nicht übermäßig an
einer Investition in ihre eigene Konkurrenz interessiert.
Nur die OMV
reagierte vorausschauend und beteiligte sich zusammen mit Linde Gas am
internationalen EU-Projekt HyFIVE (Hydrogen For Innovative VEhicles) als
Erbauer von vier Wasserstofftankstellen entlang eines „Green Corridor".
Dieser reicht nun von Stuttgart über München, Innsbruck und Verona bis
Carpi in Italien. Die letzte Station soll noch in diesem Jahr in Betrieb
genommen werden. Die Route des Green Corridor ist natürlich mit Bedacht
gewählt: Eine der größten Umweltbelastungen quer durch Europa ist
unbestritten der Schwerverkehr – und der ist durch das Gewicht der
Fahrzeuge nicht auf batteriegespeiste Elektroantriebe umstellbar.
Großflächig angelegte Versuche mit städtischem Busverkehr haben jedoch
bestätigt, dass Lastkraftwagen sehr wohl mit wasserstoffbetriebenen
Elektromotoren auch weite Strecken zurücklegen können. Und eine der
frequentiertesten Strecken für LKW-Transporte ist eben jene, die jetzt
zum Green Corridor geworden ist. Doch nicht nur der Schwerverkehr kann
demnächst mit Energie aus der Brennstoffzelle umweltschonend durch
Europa rollen. Bis 2018 sollen im Rahmen des HyFIVE-Projektes insgesamt
185 neue Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge der Marken Hyundai, BMW,
Daimler, Honda und Toyota am europäischen Automobilmarkt eingeführt
werden und neue Wasserstofftankstellen in Wiener Neudorf und Graz werden
auch im Osten Österreichs für eine Basisinfrastruktur sorgen.
E-Kooperation statt E-Konkurrenz
Die Brennstoffzellentechnologie: Bis 2018 sollen bereits 200 neue Fahrzeugmodelle nur mit Wasserstoff fahren. Foto: © Hyundai Wird sich also zwischen Batterie- und
Brennstoffzellen-Technologie eine ähnliche Konkurrenzsituation
entwickeln wie einst zwischen Benzin und Diesel? „Es ist falsch und
kontraproduktiv, die Batterie- und Wasserstoffautos gegeneinander
auszuspielen", bekräftigt Mag. Roland Punzengruber von der Hyundai
Import GmbH Österreich, Dr. Erwin Fleischhacker, Initiator des neu
eröffneten Green Energy Center in Innsbruck, ergänzt: „In Zukunft wird
es sogar Hybridsysteme geben, die die Vorteile des aufladbaren Akkus und
der Brennstoffzelle gleichzeitig nutzen. Die reinen Wasserstoffantriebe
hingegen werden vor allem dort ihren Einsatzbereich finden, wo weite
Strecken zurückgelegt, große Lasten transportiert und schnelle
Betankungen vorgenommen werden müssen, denn ein Betanken mit Wasserstoff
ist in nur wenigen Minuten erledigt."
Foto: © H-Tec EducationWer ein Wasserstoffauto selbst ausprobieren
möchte, wird im Green Energy Center fündig: Das privatwirtschaftlich
geführte Zentrum – übrigens das einzige seiner Art in Europa – sieht
sich als Projektbüro für den Brückenbau in eine energieeffiziente und CO
2-freie
Zukunft. Darüber hinaus ist es ein offenes Informationszentrum, das
Kraftfahrzeugtechniker, Händler und Kunden von Morgen auf den Umgang mit
den Elektromobilitäts- und Wasserstofftechnologien vorbereitet. In
Kooperation mit Hyundai und dem Land Tirol stellt das Zentrum auch
Fahrzeuge zum Testen zur Verfügung. Ist damit der Durchbruch des
Wasserstoffautos auch als Alltagsfahrzeug in greifbare Nähe gerückt?
Solange das Kilo Wasserstoff im Schnitt noch neun Euro kostet (wobei
Individualfahrzeuge derzeit je nach Fahrstil noch zumindest ein
Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer benötigen), bezeichnen dies auch
Fachleute noch als Wunschvorstellung, aber die Zukunftsmöglichkeiten
werden heftig diskutiert: Am 28. August findet dazu beim Forum Alpbach
eine Arbeitsgruppe zum Thema „Wasserstoff und Brennstoffzelle: Kommt
der Marktdurchbruch?" statt.
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