Voneinander lernen - Projekte für die Zukunft
Ein Kommentar von Jakob von Uexküll

Umweltzerstörung, Klimawandel, Kriege und Krisen haben unseren Planeten und unsere Gesellschaften nachhaltig erschüttert. Wir können uns jetzt selbst die Schuld geben oder mit dem Finger auf andere zeigen. Aber besser machen – das zeigen die Erfahrungen der letzten Jahre – werden wir es trotzdem nicht. Unser größtes Versagen besteht daher nicht im Klimawandel oder anderen globalen Krisen. Vielmehr reagieren wir nicht angemessen auf diese Herausforderungen, obwohl viele Lösungen vorhanden sind.
Woran das liegt? Häufige Antworten sind entweder Pessimismus („Es ist doch alles zu spät") oder Optimismus („Die da oben oder irgendeine technische Erfindung werden uns noch retten") – beides bequem, aber unverantwortlich. Denn man braucht in beiden Fällen nicht aktiv zu werden.
Ich bezeichne mich als einen „Possibilisten". Ich weiß, dass Lösungen sich sehr schnell verbreiten können. Seit 35 Jahren zeigt der Alternative Nobelpreis, was einzelne Menschen und Initiativen erreichen können, wenn sie eine Weltordnung mit der Natur statt gegen sie vorantreiben. Der Schweizer Dr. Hans Herren zum Beispiel, Träger des Alternativen Nobelpreises 2013, hat nach UN-Schätzungen mit seiner biologischen Schädlingsbekämpfung zur Rettung der Maniok-Wurzel in Afrika mindestens 20 Millionen Menschen vor dem Hungertod gerettet. Die Unterstützung von solchen einzelnen „Projekten der Hoffnung" reicht jedoch für eine rechtzeitige Wende nicht aus. Denn Innovationen entwickeln sich nicht in einem Vakuum. Sie reagieren auf sie umgebende Anreize – und zwar besonders schnell auf gesetzliche und regulatorische Rahmenbedingungen. Schon Aristoteles sagte: „Eine gute Gesellschaft ist auf guten Gesetzen gebaut."
Wenn dieser Gedanke global weitergedacht wird, kommen wir zu einem logischen Schluss: Länder, Regionen, Städte und Gemeinden können – ja, müssen – voneinander lernen, damit die gesamte Menschheit einen nachhaltigen Wandel vollziehen kann. Ein Beispiel: Großbritannien hatte vor zehn Jahren, trotz besserer Bedingungen für die Nutzung von Windkraft, nur einen Bruchteil der deutschen Windenergie-Leistung. Hierzulande hatte man zuvor das Erneuerbare-Energien-Einspeisegesetz (EEG) entwickelt. Daraus hat Großbritannien gelernt und ebenfalls ein EEG eingeführt. Alleine die aus den damit geförderten Photovoltaik-Anlagen gewonnene Energie entspricht der Leistung von fünf größeren Atom- oder Kohlekraftwerken.
Solche Möglichkeiten inspirierten mich, den World Future Council (WFC) zu gründen. Dieser internationale Rat informiert Gesetzgeber weltweit, wo es schon erfolgreiche Gesetze gibt und hilft ihnen dabei, diese bei sich umzusetzen. Der WFC hat so eine entscheidende Rolle bei der Einführung von EEGs in Japan, Südafrika und eben in Großbritannien gespielt.
Wenn wir es schaffen, durch diese Multiplikator-Effekte Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger zu überzeugen, gute und nachhaltige Gesetze einzuführen, können wir den Wandel nicht nur schneller vollziehen, sondern deutlich wirksamer und in viel größerem Maßstab.
Beim Wandel hin zu einer gerechten, fairen und nachhaltigen Welt sehen wir uns als die Stimme zukünftiger Generationen: Wenn wir jetzt nicht handeln, dann steuert diese Welt auf Krisen ungeahnten Ausmaßes zu. Der Klimawandel erzeugt Naturkatastrophen. Diese wiederum erzeugen Hungerkrisen und die führen unweigerlich zu Kriegen und Konflikten. Unsere Kinder vertrauen darauf, dass wir jetzt ernst machen, sonst werden sie in einer Welt aufwachsen, die nicht (mehr) lebenswert ist.
Quelle: World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
Gesellschaft | Pioniere & Visionen, 30.09.2017
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2017 - Tierische Geschäfte erschienen.

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