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Grüne Modemessen - nicht so nachhaltig wie erhofft

Nachhaltigkeit war hier mehr ein Lippenbekenntnis

Vom 3.-5. Juli 2018 fanden die grünen Modemessen im Rahmen der Berlin Fashion Week statt. Flankiert von Konferenzen, Vorträgen, Workshops und Side-Events, um die Nachhaltigkeit in der Modebranche voranzutreiben.  forum war für Sie vor Ort, um während und nach der Messe zu berichten.  
Auch forum-Leser Rudolf Voller besuchte die Messen und beschreibt in einem Leserbrief seinen Eindruck - er warnt vor einer ungerechtfertigten Euphorie.

Sehr geehrter Herr Lietsch,
 
ich bin gestern Abend aus Berlin zurück gekommen und muss vor einer Euphorie zum Thema Nachhaltigkeit bei Bekleidungsherstellern und –Händlern warnen. Aus meiner Sicht stellt sich das alles nicht nur positiv dar.
 
Xoom © Muveo GmbHXoom © Muveo GmbH
Positiv ist das Wachstum der demnächst zu Neonyt fusionierenden Messen Greenshowroom und Ethicalfashionshow. Neue Impulse aus den Kreisen der NGOs und Zertifizierer konnte ich nicht feststellen. Auch das Bündnis für Nachhaltige Textilien hielt sich bedeckt. Mit dem Kraftwerk hatte man im Januar bereits einen attraktiven zentralen Standort gefunden. Dort fanden auch die Veranstaltungen FashionSustain und FashionTech statt sowie begleitend Thinkaton und Masterclasses und eine innovative Ausstellung.
 
Im Fokus standen diesmal zwei Themen: Lederverarbeitung und Schuhherstellung (hier engagierte sich insbesondere Inkota für Nachhaltigkeit) und Digitalisierung. Auch wenn mehrere Vortragende auf der Fashiontech von Sustainability sprachen, so wirkte das doch weitgehend substanzlos, die Technik und ihre Anwendungen standen im Vordergrund. Diese Themen sind auch wichtig, weil die Modebranche, vor allem KMUs, dort sehr viel Nachholbedarf haben und mit Ideen und Anwendungsmöglichkeiten gefüttert werden müssen. Nachhaltigkeit war hier mehr ein Lippenbekenntnis.

Nachholbedarf bzgl. Corporate Social Responsibility (CSR) gibt es insbesondere bei der Schuhindustrie, darauf machte INKOTA mit seine Kampagne zurecht aufmerksam. Dazu gab es mehrere interessante Vorträge bei FashionSustain (VEJA, ECOALF), wobei letztere Firma auch auf die Belastung der Weltmeere durch Plastik Bezug nahm. Leider enden die angebotenen Schuhgrößen bei 46, für mich persönlich also kein Angebot. Der Besuch der Messen war gut, aber nicht euphorisch stimmend, die Nachfrage nach „grüner Mode" steigt ja auch nur sehr langsam an.
 
Enttäuscht war ich von Innatex/Xoom, der Ökoinsel auf der Panorama in Halle 7b/c. Viele Firmen, die zuvor auf der Ethicalfashionshow waren, stellten dort aus, der Besucherandrang in dieser abgelegenen Halle war spärlich. Ich glaube, das Konzept ist falsch, die Ökoinsel der Fashion Week ist ab 2019 die Neonyt, wer als Aussteller zur Panorama (oder Premium) geht, sollte sich produktbezogen unter die allgemeinen Aussteller mischen, um die entsprechende Aufmerksamkeit zu bekommen.
 
Insgesamt konnte ich auch in Gesprächen mit Ausstellern, NGOs und anderen Messebesucher bzgl. Nachhaltigkeit einen gewissen Stillstand – vor allem hinsichtlich nachhaltiger Lieferketten und dem Konsumentenverhalten - konstatieren, auch wenn öffentliche (und manchmal oberflächliche) Berichterstattung etwas Anderes suggerieren.
 
Mit freundlichen Grüßen
Rudolf Voller
 
Prof. Dr. Rudolf Voller lehrt an der Hochschule Niederrhein CSR Management und Mathematik im Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik. Seit 6 Jahren begleitet er die Entwicklung dieser Themen an der Hochschule im EthNa-Kompetenzzentrum

Lifestyle | Mode & Kosmetik, 05.07.2018

     
        
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