Sustainability Mainstreaming:

So wird der Finanzsektor zukunftsfähig

Diesen Beitrag von Prof. Dr. Harald J. Bolsinger, Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, finden Sie im B.A.U.M.-Jahrbuch 2018 – Nachhaltiges Investieren.
 
Nachhaltigkeitswirkungen im Geschäftsmodell von Finanzdienstleistern: Die große Transformation braucht den Hebel des Geldes: Im Kreislauf von Kapitalgewährung und Kapitalverwendung liegt der wahre Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit unseres Wirtschaftssystems.Nachhaltigkeitswirkungen im Geschäftsmodell von Finanzdienstleistern: Die große Transformation braucht den Hebel des Geldes: Im Kreislauf von Kapitalgewährung und Kapitalverwendung liegt der wahre Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit unseres Wirtschaftssystems.
Von allen Akteuren der Wirtschaft wird erwartet, dass sie einen positiven Beitrag zur Sicherung und Gestaltung der Gesellschaft leisten und negative Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit kennen und aktiv vermeiden. Die Finanzbranche steht hier noch vor großen strukturellen und kulturellen Herausforderungen, denn sie orientiert sich traditionell an Rendite, Risiko, Liquidität und pekuniärem Ertrag. Absichtserklärungen, öffentlichkeitswirksame Bekenntnisse, Hochglanzbroschüren und philanthropisches Engagement zum Nachweis eines Wandels hin zu einem nachhaltigen Finanzsektor sind zwar zu vermelden, doch sie reichen bei Weitem nicht aus, um notwendige Veränderungen wirklich herbeizuführen. Entschlossene Taten im gesamten Kerngeschäft sind nötig, ein Sustainability Mainstreaming ist angesagt.
 
Die große Transformation
Sustainability Mainstreaming im Finanzdienstleistungsbereich bedeutet, das gesamte Geschäftsgebaren hinsichtlich seiner Nachhaltigkeitswirkungen präventiv zu bewerten, gegebenenfalls Maßnahmen zur Beseitigung oder Kompensation negativer Wirkungen zu ergreifen und sein Handeln transparent zu kommunizieren. Volker Hauff hat es auf der Jahreskonferenz des Rats für Nachhaltige Entwicklung 2017 auf den Punkt gebracht: Die Transformation der Finanzwirtschaft ist die Schlüssellösung im Jahre 30 des Brundtland-Berichts. Es gilt, die aktuell „härtesten Gegner der Nachhaltigkeit” und gleichzeitig finanziell einflussreichsten Akteure der Wirtschaft als handelnde Mitstreiter für eine nachhaltige Zukunft ins Boot zu bekommen. Dabei geht es um nicht weniger als einen weltweiten Kulturwandel in einer der wichtigsten Wirtschaftsinfrastrukturen.
 
Das rasante Wachstum von Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus weist zwar in die richtige Richtung, kann aber alleine nicht die Kraft entfalten, die notwendig ist, um den gesamten Finanzsektor zum Umsteuern zu bewegen. Das Ziel ist erst dann erreicht, wenn Nachhaltigkeit zur Normalität auch beim letzten und kleinsten Finanzdienstleister geworden ist, wenn alle Beteiligten Nachhaltigkeitswirkungen zusammen mit Rendite, Risiko und Liquidität betrachten, diskutieren und aktiv managen.
 
Der Hebel des Geldes
Finanzdienstleistungen und die Finanzindustrie haben durch ihre Tätigkeiten langfristige Auswirkungen auf die Gesellschaft – weit über ihren eigenen Sektor hinaus. Diese hohe Gestaltungsrelevanz erfordert zwingend die Prüfung jeden Handelns auf Passung zur gesellschaftlich anerkannten normativen Basis. Erstmals liegt dafür eine weltweit anerkannte und operationalisiert projektierte Vision einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Welt in Form der Sustainable Development Goals (SDG) bzw. der Agenda 2030 vor, die auch die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung prägt. In einer freiheitlichen Demokratie sind damit auch Verbraucherinnen und Verbraucher aufgefordert, informierte Entscheidungen gemäß ihrer Wertevorstellungen zu treffen. Finanzdienstleistungen und Finanzmarktprodukte müssen dafür zukünftig zwingend mit relevanten und glaubwürdigen Nachhaltigkeitsbewertungen ausgestattet werden. Dann entsteht ein Kreislauf der zunehmenden Sensibilisierung von Nachfragenden und einer zunehmenden Differenzierung von Anbietenden über positive Nachhaltigkeitsaspekte.
 
Worauf warten wir noch?
Das Instrumentarium für Sustainability Mainstreaming im Finanzdienstleistungsbereich ist bereits entwickelt und erfolgreich im Einsatz erprobt, immense Ertragseinbrüche durch nachhaltiges Investieren sind empirisch dem Bereich der Horrormärchen zuzuordnen. Entscheider im Finanzdienstleistungsbereich haben keine Argumente mehr, Nichtwissen über die Nachhaltigkeitsleistung und die Auswirkungen ihres Handelns im Kerngeschäft zu entschuldigen, so dass die Optionen zur Neugestaltung eines nachhaltigen Finanzsystems unmittelbar in Umsetzungsstrategien münden und ein normativer Rahmen nun verpflichtend zur Anwendung gebracht werden können. Ein noch immer fehlender, wesentlicher Baustein hierzu ist die flächendeckende und vergleichbare Transparenz durch die erweiterte Berichtspflicht aller Finanzdienstleister.
 
Für mich ist Sustainability Mainstreaming im Finanzdienstleistungsbereich die wichtigste Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Paradigmenwechsel von der zerstörerischen und rücksichtlosen Gewinnmaximierung hin zur Menschenorientierung. Es gilt, die normativen Errungenschaften der Gesellschaft zwingend einzuhalten (transparente MUSS-Prüfung: Negativkriterien) und freiwillige Beiträge zur Vision einer nachhaltigen Welt zu leisten (transparente KANN-Prüfung: Positivkriterien). Finanzdienstleistungen werden sich dann unter Wettbewerb von ganz allein so ausrichten, dass langfristig unerwünschte Effekte beschränkt und Nachhaltigkeit gefördert werden.
 
Sustainability Mainstreaming im Finanzdienstleistungsbereich bedeutet, das Kerngeschäft transparent auf Nachhaltigkeit auszurichten und damit einen Paradigmenwechsel in der Wirtschaft – von der zerstörerischen und rücksichtlosen Gewinnmaximierung hin zur Menschenorientierung – einzuleiten.
 
Prof. Dr. Harald Bolsinger ist Dekan der Fakultät Wirtschaftswissenschaften an der FHWS Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt. Der Wirtschaftsethiker ist im Umweltrat einer Nachhaltigkeitsbank und hat den Umsteuerungsprozess einer Universalbank zu nachhaltigem Bankgeschäft maßgeblich mitgestaltet.

Quelle: BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften

Lifestyle | Geld & Investment, 01.01.2018

     
        
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