Alexa, geh für mich zur Arbeit
Digitalisierung ist kein Monster
Falls Sie, liebe Leserin, lieber Leser, zu dem Teil der erwerbstätigen Bevölkerung gehören, der heute noch kein vertrauensvolles Gespräch mit dem Feelgood-Manager im Büro geführt hat, oder falls es diese Funktion in Ihrem Unternehmen vielleicht (noch) gar nicht gibt – bitte verzweifeln Sie nicht. Greifen Sie einfach in den nächsten Obstkorb oder lassen Sie Ihrem Unmut am Fußball-Kicker kurz freien Lauf. Auch diese arbeitnehmerfreundlichen Maßnahmen sind in Ihrem Büro nicht vorhanden? Keine Panik! Es kann dennoch sein, dass sich Ihr Unternehmen auf dem richtigen Kurs in Richtung New Work befindet.

Das nötige Tempo können nur die Unternehmen halten, die ihren Mitarbeitenden mehr Entscheidungsfreiheiten zusichern. In hierarchischen Strukturen ist dies kaum möglich. Arbeit muss also neu organisiert werden. Statt von oben nach unten zu denken, bietet eine Organisation in Kreisstrukturen deutlich schnellere und innovative Lösungsansätze.
Die Realität sieht heute jedoch häufig anders aus: Führungskräfte sind stark in operative Prozesse eingebunden. Ihnen fehlt die Zeit, sich um die tatsächliche Führung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die strategische Ausrichtung des Unternehmens zu kümmern.
Als Allheilmittel gilt häufig die Digitalisierung. Und so wird vieles, was digitalisiert oder automatisiert werden kann, ohne eine nachhaltige Folgenabschätzung auf diesen Weg gebracht. Klar ist: Maschinen und Computer werden künftig einen großen Teil der bisher von Menschen verrichteten Arbeiten übernehmen. Dies bietet sowohl Gefahren als auch Chancen für Nachhaltigkeit. Gleichzeitig müssen wir uns die Gretchen-Frage stellen: Wenn Maschinen künftig so manche Tätigkeit besser ausüben können als wir, braucht Arbeit uns streng genommen nicht mehr. Brauchen wir überhaupt Arbeit?

Carl-Ernst Müller ist Koordinator von nachhaltig.digital, einem 2018 ins Leben gerufenen gemeinsamen Projekt von B.A.U.M. e.V. und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Unter dem Claim „alle antworten" werden auf der Kompetenzplattform für Nachhaltigkeit und Digitalisierung im Mittelstand Lösungen für technische, ökonomische, ökologische, soziale, ethische und kulturelle Fragen vorgestellt, die das Potenzial haben, Digitalisierung zum besten Instrument für eine lebenswerte Zukunft zu machen.
Der Jahreskongress am 20. März 2019 stand unter den Leitthemen „Künstliche Intelligenz", „Messbarkeit" und „New Work" und der Frage, wie diese in den drei unternehmerischen Dimensionen „Personen", „Produkte" und „Prozesse" für eine nachhaltig.digitale Transformation genutzt werden können.
Ein Kommentar von Carl-Ernst Müller, B.A.U.M. e.V.
Wirtschaft | Führung & Personal, 01.03.2019
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2019 - Time to eat the dog erschienen.

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