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Das Fahrrad als Treiber der öko-sozialen Transformation
Auto oder Fahrrad? Nach Jahrzehnten beinahe zügelloser Hingabe an das Automobil steht die Gesellschaft jetzt vor der Wahl, ihre täglichen Fahrten mit einem nicht minder emotionalen, aber sehr viel nachhaltigeren Fortbewegungsmittel zu absolvieren – dem Fahrrad. Es vereint Lebensqualität, flexible Mobilität und Nachhaltigkeit auf perfekte Weise.

Die wirtschaftliche Dimension des Fahrradfahrens – das Rad als Säule der ökonomischen Nachhaltigkeit
Die European Cycling Federation (ECF) berechnet den derzeitigen globalen Nutzen des Radfahrens auf 150 Milliarden Euro pro Jahr. Davon sind mehr als 90 Milliarden Euro positive externe Effekte für die Umwelt, die öffentliche Gesundheit und das Mobilitätssystem. Dazu gehören die Stauentlastung und Kraftstoffeinsparung ebenso wie die Reduktion von CO2-Emissionen, Luftverschmutzung, Bodenversiegelung und Lärmbelästigung. Dagegen schätzt eine aktuelle Studie der Europäischen Kommission die negativen Externalitäten des motorisierten Straßenverkehrs, also die Kosten für Umwelt, Gesundheit und Mobilität, auf 800 Milliarden Euro pro Jahr. Der Umsatz des Fahrradmarktes in Europa wurde 2016 auf 13,2 Milliarden Euro geschätzt und sollte bis 2022 mit einer jährlichen Rate von 5,5 Prozent wachsen. Doch die neuesten Daten der Branchendienste zeigen, dass der Umsatz allein im Laufe des Jahres 2020 um satte 40 Prozent auf ein 20-Jahreshoch von 18,3 Milliarden Euro beziehungsweise 22 Millionen verkauften Einheiten (unmotorisierte Fahrräder und Elektroräder) in den 27 EU-Staaten und Großbritannien gestiegen ist. Auch in Deutschland lag der Fahrrad- und E-Bike-Mengenabsatz 2020 mit 5,04 Millionen Einheiten gegenüber dem Vorjahr mit 16,9 Prozent im Plus.

Last but not least ist jetzt aber auch der Transportsektor „auf das Rad gekommen": Lastenräder haben der ECF zufolge das Potenzial, 23 bis 25 Prozent der gewerblichen Lieferungen in Städten, 50 Prozent der gewerblichen Service- und Wartungsfahrten und 77 Prozent der privaten motorisierten Logistikfahrten (Shopping, Freizeit, Kindertransport) im urbanen Raum zu ersetzen. Und das ist noch nicht alles in Sachen Ökonomie: Laut Studien sind Fahrradfahrer*innen auch kaufkräftig, denn sie geben sowohl als Kund*innen wie auch als Tourist*innen mehr aus als diejenigen, die mit dem Auto anreisen. Und letztendlich zahlen sich die Radfahrer*innen auch für Kommunen aus: Das Fahrradparken ist flächenbezogen fünfmal profitabler als Autoparkplätze.
Die soziale Dimension des Radfahrens – das Rad als Gleichheitsstifter

Die ökologische Dimension des Radfahrens – das Rad als umweltfreundliches Verkehrsmittel
Radfahren ist Mobilität ohne schädigende Klimagase. Um die Treibhausgasemissionen zu senken, ist es daher sinnvoll, Fahrten des Pkw-Verkehrs auf den Umweltverbund zu verlagern. Der Verkehrsträgervergleich des Umweltbundesamtes zeigt, dass durch Rad- und Fußverkehr rund 140 Gramm Treibhausgasemissionen pro Personenkilometer gegenüber dem Pkw eingespart werden können.
In der Praxis bedeutet das beispielsweise, dass Berufspendler*innen, die je fünf Kilometer mit dem Rad zur Arbeit hin- und zurückfahren, durch Verzicht auf die Autonutzung im Jahr rund 300 Kilogramm CO2-Emissionen einsparen können. Auch bei Luftschadstoffen wie Feinstaub (PM10), Stickoxiden (NOx) etc. gilt der Straßenverkehr als einer der Hauptverursacher. Eine Möglichkeit, die Luftschadstoffe zu verringern, ist neben der Verkehrsvermeidung ebenfalls die Verkehrsverlagerung vom motorisierten Individualverkehr hin zum Rad- und Fußverkehr. Der Ressourcen- und Flächenverbrauch für das Fahrrad ist um ein Vielfaches geringer als der des Pkws. Das reduziert, wie bereits erwähnt, die Kosten für die Allgemeinheit, schont die Umwelt und steigert die Lebensqualität der Menschen, vor allem in den größeren Städten.
Die Gretchenfrage: Wie kann man mehr Menschen für die Verkehrswende begeistern?

Martin Blum, Chef der Mobilitätsagentur Wien und Vorreiter der Idee, Radmobilität mit öffentlicher Unterstützung zu fördern, startete die beeindruckende Kampagne Fahrrad-Wien. Dabei wurden sowohl bewährte Aktionen eingesetzt als auch neue Initiativen entwickelt, wie etwa die bunte RADpaRADe, eine karnevaleske Fahrradparade mit über 10.000 Teilnehmer*innen.
Förderung der Fahrradmobilität als kultureller Prozess
Der Mensch verhält sich gemäß seinen Werten, gemäß dem, was ihm wichtig ist. Initiativen wie die in München oder Wien sind Leuchtturmprojekte für die Beschleunigung einer fahrradfreundlichen Mobilitätskultur, die die Bedingungen für Radfahrer*innen verbessern und die Akzeptanz des Radverkehrs fördern. Kunst, Unterhaltung, Arbeit, Freizeit, Zusammenleben, die Nutzung des öffentlichen Raums, Bildung, Wirtschaft und Wissenschaft – sie alle können nicht nur vom Fahrrad profitieren, sondern auch in die Fahrradkultur einbezogen werden. Das Fahrrad erlebt damit in modernen, postfossilen Gesellschaften ein Revival und wird in seiner Vielfalt Teil der urbanen Kultur. Nicht anders verhält es sich mit der Nachhaltigkeit: Auch sie muss Teil unserer Kultur, unseres Alltags und unserer schönsten Träume werden.
Günther Innerebner und Patrick Kofler entwickeln und kommunizieren nachhaltige Mobilitäts- und Tourismuskonzepte. Sie wollen das Fahrrad zum coolsten Ding auf Erden machen und betreuen Rad-Projekte von den Abruzzen bis nach Berlin. In Deutschland haben sie unter anderem das Land Baden-Württemberg sowie die Städte München, Hannover und Berlin begleitet.
Technik | Mobilität & Transport, 01.09.2021
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2021 mit Heft im Heft zur IAA Mobility - KRISE... die größte Chance aller Zeiten erschienen.

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