Chancen der neuen Nachhaltigkeitsberichterstattung nutzen

CSRD in Bundestag und Bundesrat

Germanwatch fordert faktenbasierte und konstruktive Debatte über neue Berichtspflichten für Unternehmen und das Sichtbarmachen bereits erzielter Wirkungen.

© clker-free vector imageskreatikar, pixabay.comVor der heutigen Bundestagsanhörung und der morgigen Bundesratssitzung zur Neuregelung der Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD) fordert die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch die politischen Entscheidungsträger:innen zu einer faktenbasierten und konstruktiven Debatte darüber auf. Aktuell befindet sich der Regierungsentwurf zur Umsetzung der EU-Richtlinie CSRD in deutsches Recht im parlamentarischen Verfahren. In Zukunft werden schätzungsweise rund 13.000 deutsche Unternehmen entsprechend der Richtlinie Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen.

„Die politische Debatte um die Umsetzung der europäischen Neuregelung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) für Unternehmen in Deutschland ist in Teilen besorgniserregend. Die Einführung der neuen Regelungen führt nicht zu einem Übermaß an Bürokratie. Im Gegenteil: Die neuen Regelungen werden dazu beitragen und haben schon dazu beigetragen, dass die sozial-ökologische Transformation an Fahrt gewinnt", sagt Silvie Kreibiehl, Vorstandsvorsitzende von Germanwatch. „Die von der Bundesregierung verschleppte Umsetzung und die wenig bestärkende Debatte um die CSRD sorgt für Unsicherheit und Frust bei der Anwendung der CSRD-Richtlinie. Daher sollte die Bundesregierung das Gesetz nun schnell auf den Weg bringen", so Kreibiehl weiter.

Das neue Prinzip der doppelten Wesentlichkeit sorgt schon jetzt zu einer viel engeren Verzahnung von Nachhaltigkeits- und Controllingteams in Unternehmen und damit auch zu vorausschauenderen und besseren Investitionsentscheidungen. Es geht darum, dass sowohl die Auswirkungen von Umwelt- und Sozialfaktoren auf das Unternehmen als auch die Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft als wesentlich berücksichtigt werden müssen.

Kreibiehl: „Investoren werden in Zukunft durch die vereinheitlichten Nachhaltigkeitsberichte einen vergleichbaren Überblick erhalten, wie Geschäfte die Umwelt, das Klima, den Artenschutz oder Menschen in der Umgebung beeinflussen. Somit werden die neuen Regeln sowohl in den Unternehmen als auch im Finanzsektor für einen großen Schub sorgen und die Finanzierung der Transformation erleichtern. Richtig ist, dass die Umsetzung der neuen Regeln Geld kostet. Richtig ist aber auch, dass es sich dabei um eine gute Investition in die Zukunft handelt. Zudem ist unstrittig, dass sich die Kosten für die Unternehmen nach den ersten Anwendungsjahren stark reduzieren werden. Eine Transformation unter enormem Zeitdruck ist anstrengend – die Folgen von „Business-as-Usual" aber wären fatal."

Silvie Kreibiehl weiter: „Unser großer Respekt gilt den Menschen, die in den Unternehmen mit viel Engagement und Energie die Nachhaltigkeitsberichterstattung auf ein neues Level heben und gehoben haben. Von ihnen hören wir aktuell viele inspirierende Einblicke in bereits veränderte Denkweisen in Unternehmen. Es ist schade, dass die öffentliche und vor allem auch politische Debatte dies wenig reflektiert. Politik in Zeiten großer Veränderung muss Mut machen, positive Wirkungen sichtbar machen und mit einer neuen Fehlerkultur Anfangsfehler korrigieren anstatt schwarz zu malen."

Berichterstattung wird Risiken früher erkennbar machen
David Ryfisch, Bereichsleiter für Zukunftsfähige Finanzflüsse bei Germanwatch, ergänzt: „Die in den Unternehmen neu aufgebauten Strukturen können sich positiv auf die Resilienz sowie die Standort- und Kundenattraktivität der Unternehmen in Deutschland und Europa auswirken. Im Sinne von „Man kann nur gut managen, was man auch misst", werden  Unternehmen ihre Geschäftsmodelle vor dem Hintergrund von Transitions- und weiteren Risiken viel effizienter anpassen und notwendige Transformationsfinanzierung erhalten können."

Erst diese Woche hat Paul Polman, Wirtschaftsexperte und ehemaliger CEO von Unilever, auf der Climate Week in New York hervorgehoben, wie die CSRD bereits jetzt Zehntausende von Unternehmen in den USA dazu veranlasst, sich tiefergehend mit dem Klimawandel und den damit verbundenen Risiken zu befassen. „Die CSRD entfaltet bereits über die EU hinaus eine positive Wirkung. Die frühzeitige Erhebung von Nachhaltigkeitsdaten ist zunehmend ein internationaler Wettbewerbsvorteil. Die politischen Entscheidungsträger sollten sich für einen Schulterschluss von Politik, Unternehmen und Wirtschaftsprüfern einsetzen, um die Herausforderung, Unsicherheiten und Komplexität der ersten Berichtsjahre gemeinsam zu bewältigen", so Christoph Hoffmann, Referent für klimakompatible Finanzflüsse bei Germanwatch.

Kontakt: Germanwatch e.V., Christoph Hoffmann | hoffmann@germanwatch.org | www.germanwatch.org


Wirtschaft | Recht & Normen, 25.09.2024

     
        
Cover des aktuellen Hefts

Pioniere der Hoffnung

forum 01/2025 ist erschienen

  • Bodendegradation
  • ESG-Ratings
  • Nachhaltige Awards
  • Next-Gen Materialien
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
22
DEZ
2024
Ein leuchtendes Zeichen für Demokratie und Gemeinschaft
Tollwood Winterfestival unter dem Motto "Wir braucht Dich!", bis 23. Dezember
80336 München
03
JAN
2025
48. Naturschutztage am Bodensee
Vorträge, Diskussionen, Exkursionen mit Fokus: Arten-, Klima- und Naturschutz
78315 Radolfzell
17
JAN
2025
Systemische Aufstellungen von Familienunternehmen und Unternehmerfamilien
Constellations machen Dynamiken sichtbar - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
online
Alle Veranstaltungen...
NatuVision Forum

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Megatrends

Deutsche (Männer) lesen immer weniger
Christoph Quarch wünscht sich eine Kampagne von Buchhandel und Politik, um Leser zurückzugewinnen
B.A.U.M. Insights
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Fotoausstellung Klimagerecht leben

Ohne Vertrauen ist alles nichts

Zeit für Regeneration

The Custodian Plastic Race 2025

Niedriger Blutdruck: Wie bleibt man aktiv, ohne sich schwindlig zu fühlen?

Hacker vs. Host: Wie man Angreifer überlistet

Auf der Überholspur: Förderpolitik hat E-Busse wettbewerbsfähig gemacht.

TARGOBANK spendet 200.000 Euro für Herzensprojekte von Mitarbeitenden

  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • ECOFLOW EUROPE S.R.O.
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • NOW Partners Foundation
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Kärnten Standortmarketing
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • circulee GmbH
  • Engagement Global gGmbH