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Kommunen brauchen bessere Finanzierung für Nachhaltigkeitsaufgaben

Kurzstudie im Auftrag des Rates für Nachhaltige Entwicklung liefert Beispiele für eine gelingende Transformation

Kostenfreier ÖPNV, Autostilllegungsprämie oder kommunale Verpackungssteuer: Nachhaltige Projekte sind angesichts mangelnder finanzieller Spielräume oft herausfordernd für Kommunen. Aber mit den passenden politischen Maßnahmen und dem nötigen Gestaltungswillen sind sie durchaus umsetzbar, wie eine neue Kurzstudie des Wuppertal Instituts im Auftrag des RNE zeigt. Sie stellt konkrete Beispiele für Transformationsprozesse vor und skizziert, an welchen Stellen die künftige Bundesregierung ansetzen kann, damit gute Beispiele Verbreitung finden.

Ein kommunaler Reparaturbonus hilft dabei, Ressourcen zu sparen. © Blaz Erzetich, pexels.comEin kommunaler Reparaturbonus hilft dabei, Ressourcen zu sparen. © Blaz Erzetich, pexels.com
„Unsere Beispiele gelungener Transformation zeigen: Gut gemachte Nachhaltigkeit führt die Gesellschaft zusammen, beteiligt die Bürger*innen und ist an ihren Alltag anschlussfähig. Es braucht Mut, dann zeigt sich: Nachhaltigkeit wirkt. Politik wirkt", sagt RNE-Mitglied Kai Niebert zur Studie.

„Ein nachhaltiger, zukunftsfähiger Umbau von Städten und Gemeinden erfordert visionäre politische Konzepte vor Ort aber auch konkrete finanzielle Unterstützung", erläutert Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts. Er betont in diesem Kontext: „Kommunen sind die zentrale Umsetzungsebene, auf der die für eine nachhaltige Transformation notwendigen Prozesse konkret gestaltet werden müssen. Da sich jedoch Veränderungen oftmals auf die Lebensgewohnheiten der Menschen auswirken, geht dies nur im engen Austausch mit den Menschen und eines konsistenten und richtungssicheren Instrumentenmixes, der auf eine hohe Akzeptanz vor Ort stößt und zum Mitmachen anregt."

Nachhaltigkeit in der Praxis: erfolgreiche Beispiele aus Kommunen
Vor diesem Hintergrund beauftragte der RNE das Wuppertal Institut, Beispiele von gelungenen Transformationen vorzustellen, deren Gelingensfaktoren zu identifizieren sowie politische, regulatorische und fiskalische Maßnahmen auf Bundesebene abzuleiten. Die Autor*innen identifizierten aus sechs verschiedenen Transformationsbereichen insgesamt 14 Beispiele. Sie untersuchten sie anhand eines eigens entwickelten Analyserasters und bereiteten sie in Factsheets kompakt auf. Die Beispiele umfassen unter anderem einen kostenfreien ÖPNV, Mitmachwettbewerbe zur Flächenentsiegelung, eine Autostillegungsprämie sowie kommunale Verpackungssteuern und einen Reparaturbonus. Dies zeigt die Vielschichtigkeit der erfolgreich vor Ort umgesetzten Maßnahmen.

Zentrale Erfolgsfaktoren: ganzheitlicher Ansatz und gesellschaftliche Akzeptanz
Die Kurzstudie hebt hervor, dass Transformationsprozesse insbesondere dann gelingen, wenn sie ganzheitlich angelegt sind und eine breite gesellschaftliche Akzeptanz genießen. Entscheidend für den Erfolg sei unter anderem, dass lokale Akteur*innen aus Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft eingebunden, langfristig tragfähige Finanzierungsmodelle entwickelt und Bürger*innen die Möglichkeit der Mitgestaltung gegeben werden. 

Politische Handlungsempfehlungen?
Die Beispiele der Kurzstudie sind die Basis für weitere Vertiefungsanalysen und die Erarbeitung konsistenter Politikpakete. Die Autor*innen machen dabei deutlich, dass erfolgreiche kommunale Projekte mithilfe gezielter Maßnahmen auf Bundesebene unterstützt und skaliert werden können. Dazu gehört, entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen sowie Anreize für nachhaltige Stadtentwicklungsprojekte zu schaffen, aber auch den Wissensaustausch zwischen Kommunen zu fördern. 

„Nachhaltige Lebenswelten sind möglich", sagt dazu Niebert: „Klar wird jedoch: Nachhaltigkeit als Add-on für eine Business-as-usual-Politik wird nicht gelingen. Wenn Politik und Verwaltung jedoch von nachhaltiger Beschaffung bis nachhaltigem ÖPNV umsteuern, lassen sich echte Fortschritte erzielen – für die Menschen und für den Planeten." 

Die Kurzstudie ist das Ergebnis des Projekts „Gute Beispiele für eine gelingende Transformation – Impulse für nachhaltige Lebenswelten”. Das zugrunde liegende Forschungsvorhaben wurde im Auftrag der Geschäftsstelle des RNE bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH durchgeführt.

Weitere Informationen
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH 
Das Wuppertal Institut ist ein umsetzungsorientiertes Forschungsinstitut für Nachhaltigkeits- und Transformationsforschung. Kernauftrag des 1991 gegründeten Wuppertal Instituts ist es, auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse einen Beitrag dafür zu leisten, die globalen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Transformationspfaden in eine klimagerechte und ressourcenschonende Zukunft. Dafür entwickeln die Wissenschaftler*innen System-, Ziel- und Transformationswissen und erforschen praxisnahe Leitbilder und Strategien für die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – auf lokaler Ebene, in Deutschland, in Europa und auf der ganzen Welt. 
 
Kontakt: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH, Luisa Lucas | luisa.lucas@wupperinst.orgwww.wupperinst.org
 
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) berät die Bundesregierung zur Nachhaltigkeitspolitik. Er ist in seiner Tätigkeit unabhängig und wird seit 2001 alle drei Jahre von der Bundesregierung berufen. Ihm gehören 15 Personen des öffentlichen Lebens aus der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Politik an. Der Rat führt auch eigene Projekte durch, mit denen die Nachhaltigkeit praktisch vorangebracht wird. Zudem setzt er Impulse für den politischen und gesellschaftlichen Dialog. Der Rat wird von einer Geschäftsstelle mit Sitz in Berlin unterstützt.

Kontakt: Rat für Nachhaltige Entwicklung, Jenni Roth | jenni.roth@nachhaltigkeitsrat.de | www.nachhaltigkeitsrat.de

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