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Yes they can!

Visionäre für ein neues Energiezeitalter machen dezentrale Energieversorgung zur Wirklichkeit

Schon der Survival-Experte Rüdiger Nehberg hat es bewiesen: Jede große Idee, jede Veränderung in der Gesellschaft beginnt zunächst im Kopf eines Einzelnen. Das gilt heute vielleicht mehr denn je. forum stellt Ihnen mutige Energievisionäre vor, die Ihre Ideen konsequent realisieren - einen Unternehmer, einen Oberbürgermeister und eine engagierte Bürgerinitiative.


Von Tina Teucher

Blasius Gerg - Visionär einer nachhaltigen Energieversorgung

Als die Firma Modell- und Formenbau Blasius Gerg GmbH mit Sitz in Hohenthann im Jahre 1985 in einer Garage gegründet wurde, waren regenerative Energieversorgung und umweltorientierte Unternehmenspolitik kein Thema. Der steigende Energieverbrauch seiner wachsenden Firma - aber auch die Diskussion um schwindende Erdölvorräte, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und nicht zuletzt die Klimadebatte animierten Gerg, den Energieverbrauch seines Unternehmens näher unter die Lupe zu nehmen. Bei einem Jahresstrombedarf von fast zwei Millionen kWh machte sich der bayrische Vollblut-Unternehmer zunächst an die eigenständige Energieversorgung seiner Firma. Eines der ersten Projekte war die Installation einer Photovoltaikanlage. Mit 24.000 kWh pro Jahr deckt diese jedoch nur 1,2 Prozent des derzeitigen Energiebedarfes. Deutlich effektiver zeigte sich die nächste Anschaffung, das firmeneigene Blockheizkraftwerk (BHKW). Mit einem 6-Zylinder-Turbo-Diesel-Motor von Scania liefert es bei 210 kW eine Gesamtleistung von 700.000 kWh pro Jahr und dies mit nahezu perfekten Emissionswerten. Das BHKW deckt damit einen Anteil von etwa 35 Prozent des Strombedarfs und liefert aufgrund seiner Kraft-Wärme-Koppelung die Heizenergie für das Unternehmen quasi als "Abfall". Dies ist effizient und umweltverträglich.

Um auch beim Treibstoff weitgehend unabhängig zu sein, wird der Motor nach Möglichkeit mit Rapsöl gespeist. Blasius Gerg legt dabei großen Wert darauf, dass dieser aus landwirtschaftlichen Betrieben aus der Region bezogen wird. Auch bei den Transportfahrzeugen wird teilweise Rapsöl als Kraftstoff genutzt.

Von der Idee zur neuen Firma

Von den eigenen Erfolgen beflügelt und um dem steigenden Aufwand des Energiemanagements der Firma Gerg gerecht zu werden, wurde 2006 die NEAG - Neue Energie AG gegründet. Sie fertigt und produziert heute innovative Pflanzenöl-BHKW im Leistungsbereich von 200 kW für Gewerbebetriebe aus Industrie und Handwerk sowie Krankenhäuser und Kommunen. Um die Aggregate überwiegend mit Rapsöl aus der Region zu versorgen, betreibt die NEAG eine eigene Rapsölmühle. Und weil man die Kunden rund um das gesamte Thema Energie betreuen möchte, wurden die Bereiche Heizungstechnik, Solarthermie und Photovoltaik ins Firmenportfolio aufgenommen.

Ein bayrischer Querdenker: Energie-Unternehmer Blasius Gerg.
Energiemanagement auch für die Region

Doch das Thema Energie lässt den Visionär nicht ruhen. Mit den Kernkompetenzen seiner Unternehmen widmet er sich nun seinem Traum, dem Aufbau einer energieautarken Ortschaft. Die Versorgung der kleinen Ortschaft Piusheim erfolgt bereits heute durch zwei BHKW, zwei Wasserkraftwerke und eine Hackgutheizanlage, um den Bedarf von ca. 50 Familien und neun Betrieben zu decken. Dazu gehören unter anderem eine Bio-Back-Kultur-Bäckerei und die Freie Schule Glonntal mit mehr als 250 Schülern.

Basierend auf den bisherigen Erfahrungen der Gerg-Gruppe hat sich ein schlüssiges Energie-Gesamtportfolio herauskristallisiert, dessen Grenzen noch nicht erreicht sind. "Ich kann Unternehmen, die ihre Existenz und Rentabilität langfristig sichern wollen, nur raten, umwelt- und energieorientiert zu handeln" empfiehlt Gerg. "Die Auswirkungen auf das Bewusstsein der Mitarbeiter und der Imagegewinn sind wesentlich höher als man es zunächst glauben möchte. Nachhaltiges Agieren wirkt sich positiv auf die Produktqualität, den Ressourceneinsatz und die Mitarbeitermotivation aus".

www.gerg.de

www.neag.de

Bürgerstiftung Oberland - Aus eigener Kraft zur Energiewende

Zwei Koordinatoren der Lokalen Agenda 21 in Oberland wollten alle Elemente ihres Arbeitskreises - Energie, Ökologie, Soziales und Wirtschaft - verbinden. Gemeinsam mit anderen engagierten Bürgern ihrer zwei Landkreise erkannten sie: Wenn wir uns energetisch autark versorgen, schützen wir damit das Klima, fördern die Wertschöpfung in der Region und schaffen neue Arbeitsplätze.

Da Geld für dezentrale Energieprojekte knapp ist, gründeten die Initiatoren der Kampagne eine Bürgerstiftung. Nachdem die beiden Landkreise Gründungsstifter geworden waren, konnten die engagierten Bürger auch 35 Kommunen ihres Landkreises als Stifterkommunen gewinnen. Die Bürgerstiftung Energiewende Oberland organisiert und initiiert seitdem Projekte und Maßnahmen, die zur vollständigen Energieversorgung der Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach durch erneuerbare Energien beitragen. Damit ist die angestrebte Energieautarkie bis 2035 in mehr als greifbare Nähe gerückt. Mit Geothermie, Photovoltaik sowie Biomasse und Hackschnitzel aus der Umgebung machen sich die Bürger zunehmend unabhängig von zentraler Energieversorgung. Durch die Bürgerinitiative entwickeln sich neue Strukturen - aus einem Kern von etwa fünf Engagierten hat sich ein ganzes Netzwerk mit einer Vielzahl von Projekten gebildet. Eines der Projekte wurde Gewinnerin des bundesweiten Wettbewerbs "Bioenergieregionen" des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Im Zentrum des Projekts steht die Förderung des Einsatzes von Biomasse für energetische Zwecke. Während der Projektlaufzeit bis Ende Mai 2012 sollen Akteure im Bereich Bioenergie vernetzt, sowie Informationen rund um das Thema Bioenergie aufbereitet und zielgruppenspezifisch für andere Regionen zur Verfügung gestellt werden.

Berufsoffensive Energiewende

Das Projekt Berufsoffensive zeigt jungen Menschen die zukunftsfähigen Berufschancen im Bereich der Energiewende. Es bietet Information zu Ausbildungsmöglichkeiten und klärt über die Zukunftsaussichten auf. Außerdem werden Praktikumsplätze an Interessierte in der Region vermittelt, um ihnen einen direkten Zugang zu Unternehmen im Landkreis zu geben. Gefördert wird das Projekt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und durch das LEADER-Programm.

Energieschule Oberbayern

Bei der "Energieschule Oberbayern" führen Fachkräfte der Stiftung und weiterer Partnerorganisationen in enger Zusammenarbeit mit Lehrerinnen und Lehrern Projektwochen mit Grundschulen durch. Ziel ist es, den Kindern die Chancen einer verantwortungsvollen Energienutzung als wichtigen Baustein einer nachhaltigen Entwicklung bewusst zu machen. In den nächsten Jahren ist ein Ausbau des Bildungsangebotes für weiterführende Schulen geplant.

Neumarkt - Die Stadt, die sich neu erfindet

"Neumarkt ist anders" - so titelte vor vielen Jahren ein Imageprospekt der Stadt Neumarkt. Dies war mehr als nur ein Werbespruch für die 40.000-Einwohner-Stadt. Oberbürgermeister Thomas Thumann präsentiert die aktuellen Entwicklungen der Stadt hin zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Mit dem Beitritt zum Klimabündnis im Jahr 2007, der Gründung des Klimaforums im Jahr 2008 und der Unterzeichnung des Konvents der Bürgermeister haben wir deutlich gemacht, dass wir es in Neumarkt mit den Klimaschutzzielen mehr als ernst meinen. Auch die jährliche Neumarkter Nachhaltigkeitskonferenz mit hochkarätigen Referenten soll das Verantwortungsbewusstsein in der Region fördern.

Zugleich haben wir zahlreiche Maßnahmen in Gang gesetzt, wie etwa das 100-Dächer-Plus-Programm zur Förderung der Nutzung von Photovoltaik auf Privathäusern, die Einführung der intelligenten Gebäudeleittechnik für städtische Gebäude, die Nutzung von Abwärme aus der Kläranlage, der Einsatz von zahlreichen Erdgasfahrzeugen und die Unterstützung einer Bürgersolaranlage.

Bürger und Unternehmer einbeziehen

Erfolgreich können wir im Bereich Nachhaltigkeit nur sein, wenn die Bürgerinnen und Bürger genauso wie die Unternehmen vor Ort mitmachen. Erfreulicherweise gibt es schon zahlreiche positive Ansätze dazu: Private Heizanlagen mit nachwachsenden Rohstoffen, Photovoltaikanlagen, Passivhäuser und vieles mehr. Als wichtiges Instrument zur Ankurbelung der Neuausrichtung im Bereich Klimaschutz haben wir Ende 2009 ein Förderprogramm beschlossen. Im Zentrum steht die energetische Gebäudesanierung, wobei Beratungsleistungen dazu genauso gefördert werden sollen, wie der Einstieg in neue Heizungsanlagen, in Solarthermie, Wärmepumpen, der Anschluss an ein Nah- bzw. Fernwärmenetz oder BHKW. Aber auch Bereiche wie Lüftung oder die Gebäudehülle, hier insbesondere Dämmmaßnahmen, Fenster oder Außentüren, sind in diesen Förderrichtlinien enthalten. Mit einem Volumen von mehreren Millionen Euro in den nächsten Jahren stellt dies nicht nur ein enormes Klimaschutzprogramm besonderer Art dar, sondern wirkt auch als Neumarkter Konjunkturprogramm, wenn man bedenkt, dass durch die städtische Förderung rund das zehnfache an privaten Investitionen ausgelöst wird und so Aufträge vor allem für die heimische Wirtschaft und das örtliche Handwerk entstehen.

Strom, Dampf und Wärme gemeinsam produzieren

Darüber hinaus hat der Stadtrat beschlossen, ein kommunales Biomasseheizkraftwerk zu errichten, bei dem mit Abfall- und Wipfelholz Wärme, Dampf und Strom erzeugt werden sollen. Angeschlossen werden an diese Kraft-Wärme-Kopplungsanlage Wohnungen und Gebäude entlang der Fernwärmetrasse sowie visionäre Neumarkter Firmen wie beispielsweise Lammsbräu, die Ritter Immobilienverwaltung und das Kloster St. Josef. Die Anlage wird dazu beitragen, die CO2-Bilanz in unserer Stadt weiter zu verbessern. So werden durch den Anschluss an das Wärmenetz viele ältere Heizanlagen abgeschaltet und durch eine CO2-neutrale Anlage ersetzt.

In Folge plant die Stadt den Ausbau des Fernwärmenetzes und die Errichtung weiterer dezentraler kleinerer BHKW, alleine für 2010 sind sechs geplant. Das ist Stromerzeugung mit maximalem Wirkungsgrad, denn der Gesamtnutzungsgrad eines dezentralen BHKWs liegt, dank der Wärme-Stromnutzung bei circa 90 Prozent der Primärenergie. Die Umwandlungs- und Leitungsverluste normaler Stromkraftwerke belaufen sich auf schwindelerregende 60 Prozent der ursprünglichen Energie.

Für diesen Einsatz hat Neumarkt von der UNESCO als erste Stadt Deutschlands den Titel "Stadt der Weltdekade für nachhaltige Bildung" erhalten. Auch, dass wir im September 2009 die erste Fairtraide-Stadt Bayerns wurden, beweist, dass Neumarkt bereit ist, neue Wege zu beschreiten. Dies zeigt auch unsere aktive Mitwirkung im Netzwerk Nachhaltige Bürgerkommunen. Wir meinen, dass Klimaschutz und Nachhaltigkeit gerade vor Ort verankert und umgesetzt werden müssen. Dabei sehen wir auch Anregungen für neue Techniken, neue Lebensweisen, neue Unternehmen und neue Arbeitsplätze. Nachhaltigkeit ist somit nicht nur Zukunftsaufgabe, sondern auch Zukunftschance.

"Forum Netzintegration Erneuerbare Energien" gegründet

Ein ungewöhnliches Bündnis aus Stromnetzbetreibern, Verbänden, Umweltorganisationen, Bürgerinitiativen und wissenschaftlichen Institutionen will den "Flaschenhals" beim weiteren Zubau Erneuerbarer Energien überwinden.

Durch den wachsenden Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung in Deutschland wird es immer schwieriger, die schnell zunehmenden und unstet anfallenden Strommengen zu jeder Zeit vom Erzeuger zum Verbraucher zu transportieren. Zudem sind neue Stromleitungen vor Ort nicht selten umkämpft, ihre Realisierung dauert teilweise mehr als zehn Jahre. Der Um- und der Ausbau der Stromnetze droht so zum Flaschenhals einer Entwicklung zu werden, die grundsätzlich unumstritten ist und die Politik und Gesellschaft aus Gründen des Klima- und Ressourcenschutzes vorantreiben wollen. In dieser Situation hat sich im "Forum Netzintegration Erneuerbare Energien" der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH) ein ungewöhnlich breites Spektrum aus Stromnetzbetreibern, Unternehmen, Verbänden der Elektrizitätswirtschaft, Vertretern der Erneuerbaren Energien, Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen gegen neue Überlandleitungen mit dem Ziel zusammengeschlossen, den notwendigen Um- und Ausbau der Stromnetze für Mensch und Umwelt möglichst konfliktarm zu gestalten. Das Forum steht unter dem Vorsitz des Leiters Erneuerbare Energien der DUH, Dr. Peter Ahmels. Ziel des Forums ist es, mit Fachsymposien und Workshops eine gemeinsame Wissensbasis zu schaffen und darauf aufbauend, bis Ende 2010 der Politik Handlungsempfehlungen für eine optimierte Netzintegration Erneuerbarer Energien zu unterbreiten. Das Forum wird vom Bundesumweltministerium gefördert.
Quelle: Tina Teucher
Technik | Energie, 03.03.2010

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