Zukunft - Made in Germany?
Sabine Braun zieht Bilanz aus dem Monat Oktober
Irgendwie trauen wir uns wohl nicht recht: Einerseits gelten die deutschen Unternehmen, allen voran die Mittelständler, als so innovativ, dass sie weltweit den Takt für zukunftsfähige Lösungen in den Bereichen Energie, Kreislaufwirtschaft, Wasser und Abwasser sowie neue Werkstoffe vorgeben. Andererseits haben wir beziehungsweise unsere Regierung dann doch nicht den Mut, einen konsequenten Schwenk zu vollziehen und machen deshalb "weiter so", aber ein bisschen anders und ein bisschen netter.
Am 6. Oktober beschloss die Bundesregierung den "Aktionsplan CSR", der verstärkt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) für CSR gewinnen sowie die Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit von CSR erhöhen soll. CSR versteht die Bundesregierung korrekt als "verantwortliches unternehmerisches Handeln im eigenen Kerngeschäft". Zu den Maßnahmen gehören unter anderem ein mit 20 Mio. Euro ausgestattetes Beratungs- und Coachingprogramm für kleine und mittlere Unternehmen zu CSR, wofür sich die Unternehmen direkt bewerben können, sowie die Entwicklung eines Konzepts "CSR - Made in Germany". Drei Wochen später, am 28. Oktober, hat die Bundesregierung aber auch ein Energiekonzept beschlossen, dessen wesentliche Säule die Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken ist und das die großen Energieversorger mehr begünstigt als die KMU, die in Erwartung einer Energiewende entsprechende Innovationen entwickelt haben.
Wenn CSR aber darauf abzielen soll, dass Unternehmen zukunftsfähige Lösungen im Kerngeschäft entwickeln, dann muss man ihnen zuallererst verlässliche politische Rahmenbedingungen bieten. Und da Energie bzw. Energieumwandlung ein zentrales Thema der deutschen Wirtschaft ist, bedarf es gerade hier klarer Unterstützung. Nicht umsonst ist Green Tech zu einem Wahrzeichen Deutschlands geworden. Und für eine weltweit nachhaltige Entwicklung leisten die Innovationen, die hierzulande entwickelt wurden, mehr als die unter CSR Gesichtspunkten freilich auch zu begrüßenden Programme zu Sozialstandards in der Lieferkette oder zum freiwilligen Mitarbeiterengagement. So zeigte das Expertenforum Mittelstand der HypoVereinsbank und der Süddeutschen Zeitung am 28. Oktober unter dem Motto "Grünes Wachstum" eindrucksvoll, wie deutsche Unternehmen als Vorreiter von Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz einen weltweiten Trend mit angestoßen haben und nun davon profitieren. Neben Unternehmern wie Martin Schoeller von der Schoeller Holding GmbH, Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell oder Dr. Kurt-Ludwig Gutberlet von der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH waren auf dem Podium unter anderem Klaus Töpfer und Jürgen Trittin. Dieser beklagte den Kabinettsbeschluss zum Energiekonzept und nannte es einen "schwarzen Tag für verlässliche und stabile Rahmenbedingungen". Wie wichtig diese sind, um neue Konzepte auf den Weg zu bringen, wurde bei zahlreichen der vorgestellten Geschäftsmodelle deutlich. So konnte Töpfer sich freuen, dass einige seiner Weichenstellungen als Umweltminister von den anwesenden Unternehmern als Ausgangspunkt für ihre Erfolge genannt wurden.
Wenn "CSR - Made in Germany" ein internationales Erfolgsmodell wird bzw. bleibt, hat das vor allem zu tun mit unternehmerischen Leistungen im Kerngeschäft, die die Welt verbessern - die aus Abfall Rohstoffe machen, aus Wind Energie und aus ungelernten Arbeitern qualifizierte Fachkräfte. So wurde auch aus dem Dualen Ausbildungssystem inzwischen ein erfolgreiches Exportgut deutscher Unternehmen. Die Politik kann all dies fördern, aber am meisten trägt sie dazu mit verlässlichen Rahmenbedingungen und klaren Ansagen bei. Ansonsten weiß der deutsche Mittelstand selbst, was gut und wichtig für ihn ist und verlässt sich - anders als manche großen Konzerne - nur ungern auf staatliche Förderung. Das CSR-Aktionsprogramm sollte dies berücksichtigen und wirklich am Kerngeschäft und an den Bedürfnissen der Unternehmen ansetzen. Denn für den Erfolg von CSR ist entscheidend, dass es nicht zum Schmusekurs wird, sondern zu einem Geschäftsmodell der Zukunft, von dem Unternehmen und Gesellschaft weltweit gleichermaßen profitieren.
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Sabine Braun |
Wenn CSR aber darauf abzielen soll, dass Unternehmen zukunftsfähige Lösungen im Kerngeschäft entwickeln, dann muss man ihnen zuallererst verlässliche politische Rahmenbedingungen bieten. Und da Energie bzw. Energieumwandlung ein zentrales Thema der deutschen Wirtschaft ist, bedarf es gerade hier klarer Unterstützung. Nicht umsonst ist Green Tech zu einem Wahrzeichen Deutschlands geworden. Und für eine weltweit nachhaltige Entwicklung leisten die Innovationen, die hierzulande entwickelt wurden, mehr als die unter CSR Gesichtspunkten freilich auch zu begrüßenden Programme zu Sozialstandards in der Lieferkette oder zum freiwilligen Mitarbeiterengagement. So zeigte das Expertenforum Mittelstand der HypoVereinsbank und der Süddeutschen Zeitung am 28. Oktober unter dem Motto "Grünes Wachstum" eindrucksvoll, wie deutsche Unternehmen als Vorreiter von Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz einen weltweiten Trend mit angestoßen haben und nun davon profitieren. Neben Unternehmern wie Martin Schoeller von der Schoeller Holding GmbH, Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell oder Dr. Kurt-Ludwig Gutberlet von der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH waren auf dem Podium unter anderem Klaus Töpfer und Jürgen Trittin. Dieser beklagte den Kabinettsbeschluss zum Energiekonzept und nannte es einen "schwarzen Tag für verlässliche und stabile Rahmenbedingungen". Wie wichtig diese sind, um neue Konzepte auf den Weg zu bringen, wurde bei zahlreichen der vorgestellten Geschäftsmodelle deutlich. So konnte Töpfer sich freuen, dass einige seiner Weichenstellungen als Umweltminister von den anwesenden Unternehmern als Ausgangspunkt für ihre Erfolge genannt wurden.
Wenn "CSR - Made in Germany" ein internationales Erfolgsmodell wird bzw. bleibt, hat das vor allem zu tun mit unternehmerischen Leistungen im Kerngeschäft, die die Welt verbessern - die aus Abfall Rohstoffe machen, aus Wind Energie und aus ungelernten Arbeitern qualifizierte Fachkräfte. So wurde auch aus dem Dualen Ausbildungssystem inzwischen ein erfolgreiches Exportgut deutscher Unternehmen. Die Politik kann all dies fördern, aber am meisten trägt sie dazu mit verlässlichen Rahmenbedingungen und klaren Ansagen bei. Ansonsten weiß der deutsche Mittelstand selbst, was gut und wichtig für ihn ist und verlässt sich - anders als manche großen Konzerne - nur ungern auf staatliche Förderung. Das CSR-Aktionsprogramm sollte dies berücksichtigen und wirklich am Kerngeschäft und an den Bedürfnissen der Unternehmen ansetzen. Denn für den Erfolg von CSR ist entscheidend, dass es nicht zum Schmusekurs wird, sondern zu einem Geschäftsmodell der Zukunft, von dem Unternehmen und Gesellschaft weltweit gleichermaßen profitieren.
Quelle:
Gesellschaft | Politik, 02.11.2010

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