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Energie- und Ressourceneffizienz

Nicht nur für das Klima von Vorteil

Vor gut vierzig Jahren (1970) mussten für ein Barrel Rohöl (159 Liter) knapp drei US Dollar, für einen Liter Heizöl 12 Pfennig bezahlt werden. Der Durchschnittspreis für eine Kilowattstunde Haushaltsstrom schlug mit umgerechnet 0,06 Euro zu Buche, Normalbenzin kostete ca. 0,29 Euro pro Liter. Damals lebten 3,7 Milliarden Menschen auf der Erde.


Der Einsatz erneuerbarer Energien ist ein Schritt zur immer wichtiger werdenden Energie- und Ressourceneffizienz.
Foto: © Rainer Sturm, pixelio.de
Heute - im Frühjahr 2011 - kostet das Barrel Rohöl rund 113 US Dollar (Stand 24.3.2011), also circa 37 mal so viel, der Liter Heizöl liegt bei circa 80 Cent, also 13 Mal so hoch, für eine Kilowattstunde Haushaltsstrom sind circa 25 Cent zu bezahlen und das Normalbenzin kostet fast 1,50 Euro, also fast sechs Mal so viel wie 1970.

Die atomare Katastrophe in Japan hat uns deutlich vor Augen geführt, dass die Kernenergie immer mit einem "Restrisiko" verbunden ist. Neben den sowieso schon vorhandenen Risiken wie der langfristigen Verfügbarkeit von Uran und vor allem der ungeklärten Entsorgung des strahlenden Mülls oder auch terroristischen Anschlägen kann menschliches/technisches Versagen nie ausgeschlossen werden. Auch in Deutschland stehen Atommeiler in erdbebengefährdeten Gebieten. Wir haben schon immer darauf hingewiesen, solche Risiken wenn irgend möglich zu vermeiden und in den Einsatz erneuerbarer Energien, das Energiesparen und Energieeffizienzmaßnahmen zu intensivieren, um damit die Produktion von Atomstrom zu kompensieren. Die jetzt abgeschalteten 7 Atommeiler lieferten ca. 7 Prozent des Stroms in Deutschland, alle 17 ca. 23 Prozent. Aussagen, wonach jetzt höhere Preise wegen der Abschaltung befürchtet werden oder auch ein Zubau von Kohle- oder Gaskraftwerken notwendig wird, halten wir nicht für zielorientiert. Entscheidend ist jetzt, endlich alle Einsparpotenziale durch Energiesparen, Einsatz der erneuerbaren Energien und Energieeffizienzmaßnahmen konsequent und umfassend zu nutzen.

Im Jahr 2011 wird die Weltbevölkerung die Sieben-Milliarden-Marke überschreiten. Die Ölvorräte neigen sich dem Ende zu. Dies belegt unter anderem Matthew R. Simmons in seinem aufrüttelnden Buch "Wenn der Wüste das Öl ausgeht". Dabei nimmt die weltweite Nachfrage nach Öl weiter zu. Dramatische Preissteigerungen sind die Konsequenz. Schon in einem "Current Policies Scenario", das heißt "bei gleichbleibenden Gegebenheiten", prognostiziert die Internationale Energieagentur Ölpreissteigerungen bis 2035 um 126,4 Prozent. Die Weltbevölkerung wird bis 2050 auf über neun Milliarden Menschen zunehmen, mit einer massiven Nachfrage nach Energie, Rohstoffen, Wasser, Flächen, Nahrungsmitteln etc. Auch die Preise für Gas, Wasser, Nahrungsmittel, Rohstoffe, seltene Erden werden durch diese massive Nachfrage enorm steigen. Ob bei der erwarteten Zunahme der Weltbevölkerung auf neun Milliarden Menschen bis 2050 und der damit verbundenen extrem steigenden Nachfrage nach Öl, Gas, Rohstoffen etc. das Zwei-Grad-Ziel der maximalen Klimaerwärmung erreicht werden kann, ist mehr als fraglich.

Zahlreiche Studien sprechen eine klare Sprache. Auch die 1109 von B.A.U.M. im Rahmen von "Öko-profit" untersuchten Unternehmen zeigten Einsparpotenziale von durchschnittlich 47.000 Euro und 180 Tonnen CO2 p.a. sowie 518.000 kWh beim Stromverbrauch. Und dies bei Investitionen von durchschnittlich 135.000 Euro. Eine Rentabilität von rund 35 Prozent pro Jahr - bei gleichzeitigem Klimaschutz. Dabei handelt es sich nicht um Großunternehmen, sondern um Betriebe mit durchschnittlich 270 Mitarbeitern. Wenn das keine Win-win-Strategie ist?

Aber auch in kleinen Unternehmen mit bis zu 50 oder mittleren Unternehmen mit bis zu 100-250 und mehr Mitarbeitern lohnt sich die Einführung eines gezielten Energie- und Ressourcenmanagements. Genauso wie bei den öffentlichen Einrichtungen. Ansonsten verschenken wir Jahr für Jahr insgesamt, das heißt auch unter Berücksichtigung der rund 40 Millionen privaten Haushalte, 30 bis 50 Milliarden Euro und die gleichzeitig wirklich massive Reduktion der CO2-Belastungen.

Zur schnellen Realisierung benötigen wir:
  • das konkrete Wissen um die Chancen der Energie-Ressourcen-Effizienz,
  • die organisatorischen Voraussetzungen, das heißt den "Kümmerer" im Unternehmen (Fachpromoter), der von oben (dem Machtpromoter) entsprechend gestützt wird, und
  • das erforderliche Kapital zur Durchführung der Investitionen. Dieses Kapital kann auch durch das neue Konzept des Zukunftsfonds bereitgestellt werden.

Warum sollte nicht verstärkt privates Kapital genau für diese Maßnahmen eingesetzt werden? Bei den relativ sicheren und hohen Energiekosteneinsparungen kann dieser Zukunftsfonds problemlos eine Rendite von fünf Prozent ausschütten und eine professionelle Beratung mitfinanzieren. Günstige staatliche Rahmenbedingungen, zum Beispiel Teilfinanzierung durch ein gezieltes Fördermittelprogramm, zum Beispiel bei der energetischen Sanierung oder steuerliche Sonderabschreibungen/Zuschüsse bei Investitionen in Effizienzmaßnahmen würden die massive Nutzung von Energie-Ressourcen-Effizienz in allen Bereichen der Gesellschaft beschleunigen. Und auch der Staat wäre, neben den Unternehmen, den privaten Haushalten und öffentlichen Einrichtungen und natürlich dem Klima, der klare Gewinner.
Allein der schnelle Austausch von zum Beispiel fünf Millionen alten, völlig ineffizienten und klimabelastenden Heizkesseln durch effiziente Heizsysteme in Verbindung mit erneuerbaren Energien würde - bei zum Beispiel einem durchschnittlichen Anschaffungspreis von 12.000 Euro - rund 11,4 Milliarden Euro als zusätzliche Mehrwertsteuer in die Kassen spülen, neben den positiven Effekten für Arbeitsplätze, Umsätze für Industrie und Handwerk und damit verbundenen Erträgen und zusätzlichen Einkommens- und Gewerbesteuern. Dieselben Effekte ergeben sich beim Austausch von Millionen alter Pumpen, Elektromotoren, Waschmaschinen, Kühlschränken, Geschirrspülern, Thermostatventilen, Beleuchtungskörpern, Druckluftanlagen, IT, bei der energetischen Sanierung von Gebäuden oder dem verstärkten Einsatz von Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik.


Foto: © Thorben Wengert, pixelio.de
Es funktioniert, wir müssen es nur wollen.

Wie sonst sollen die auch unter Klimaaspekten zwingend wichtigen Ziele einer CO2-Reduktion von 40 Prozent bis 2020 und 80-95 Prozent bis 2050 überhaupt erfolgreich realisiert werden?
Und wie wollen wir die Sicherung und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland gewährleisten?
Wir haben keine Rohstoffe und sind deshalb primär auf Importe angewiesen - egal zu welchen Preisen! Eine Strategie der Energie- und Ressourceneffizienz und letztlich der Kreislaufwirtschaft mit einer umfassenden Weiterverwertung/Nutzung der eingesetzten Rohstoffe nach Gebrauch ist der Schlüssel zu langfristigem Erfolg. Auch Konzepte wie "Cradle to Cradle®", von Michael Braungart entwickelt und von zahlreichen internationalen Unternehmen bereits genutzt, sind hier absolut hilfreich und wegweisend.
Aber letztendlich kommt es auf den Willen zur Veränderung an. "Alles was wir heute tun, wird entscheiden, wie die Welt morgen aussehen wird" (Boris Pasternak). Deshalb: Lassen Sie uns starten und die Riesenpotenziale nutzen! Zum Wohle der Unternehmen, der Mitarbeiter, der Gesellschaft und des Klimas!
 
Von Prof. Dr. Maximilian Gege, B.A.U.M. e.V.

Quelle: B.A.U.M.-Jahrbuch
Umwelt | Ressourcen, 01.09.2011

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