Umweltfreundlichkeit neuer Qualität

Elektromobilität steht im Zentrum klimaschonender Effizienzsteigerung

Deutschland ist seit Carl Benz Autonation Nummer Eins. Das Auto wurde in Deutschland erfunden und ist seitdem das Vorzeigeprodukt der deutschen Industrie. Was aber, wenn sich die Koordinaten schneller und dramatischer verschöben, als wir das heute wahrhaben wollen? Was, wenn Asien an die Spitze der Automobilindustrie rückte? Wenn dort ein Know-how versammelt wäre, das einen Sprung in ein neues Zeitalter ermöglichte?

Wolfgang Tiefensee, MdB
Bundesminister a. D.
In die Epoche der Elektromobilität? Was wir erleben ist keine krude Vision, sondern eine Revolution. Wer nun - wie die schwarz-gelbe Bundesregierung - glaubt, in zaghaften Schritten mithalten zu können, wird im Wettbewerb dramatisch an Boden verlieren. Umgekehrt, wer die Zeichen der Zeit erkennt, wer kraftvoll investiert, kann riesige Potenziale heben. Im Zentrum von klimaschonenden Effizienzsteigerungen steht die Elektromobilität. Sie führt nicht nur zu einem Paradigmenwechsel in der Mobilität selbst. Sie ermöglicht Umweltfreundlichkeit neuer Qualität. Sie generiert neuartige Werkstoffe, die Einfluss auf Gewicht und Design haben werden. Es entwickelt sich eine Verschränkung von Kraftfahrzeug und Energiewirtschaft. Denn mit den Batterien gibt es plötzlich ein Medium, das die dezentrale Speicherung von Strom aus Wind und Sonne in völlig neuer Weise zulässt. Skeptiker werfen ein, das zentrale Problem der Batterie sei in naher Zukunft nicht lösbar. Zu schwach, zu schwer, zu teuer, zu gefährlich, mit ewigen Ladezeiten, nicht recycelbar.
Deren Fazit: Macht mal halblang. Die Asiaten sind da ehrgeiziger. Dort peilt man derweil mit deutschen Batterieexperten an, in wenigen Jahren den Elektroantriebsstrang für 7.000 Euro anzubieten. Vergleichbar dem herkömmlichen Motor- und Getriebepaket, Reichweite über 300 Kilometer, kurze Ladezeiten und höchste Sicherheit. Deutsche Automobilhersteller warnen zu Recht: Drosselt nicht den Kauf herkömmlicher Autos durch das Gerede vom verfügbaren Elektroauto. Investieren: in den nächsten vier Jahren rund zehn Milliarden Euro. Beklagen: 4,5 Milliarden Euro fehlen bis 2014 zur Entwicklung marktfähiger Elektroautos. Und fordern: unterstützt unsere Forschung und Entwicklung.

Die jetzige Bundesregierung aber tut alles, die Erwartung tief zu hängen und die Förderung mit einer Milliarde Euro überschaubar klein zu halten. Sie hat sich klammheimlich von ihrem eigenen Ziel verabschiedet, eine Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 auf deutsche Straßen zu bekommen. In ihrer Geschäftsstelle Elektromobilität mühen ein paar wenige Mitarbeiter um die Koordinierung komplizierter Projekte. Vier Ministerien streiten um Kompetenzen. Die Asiaten sind da ehrgeiziger. Hier werden ambitionierte Ziele gesetzt, mit Milliardenbeträgen die Grundlagenforschung angetrieben, die öffentliche Hand zum Kauf animiert, der Kunde mit Prämien geködert. Ihr Credo: "Die Europäer sind bei den herkömmlichen Technologien nicht zu toppen, also schlagen wir sie durch einen Paradigmenwechsel." Das wollen und müssen wir verhindern. Aber wie?

Lohnenswerte Herkulesaufgabe
Deutschland muss Technologieführer in der Elektroenergie und Schaufenster der Elektromobilität werden, das sollte das große Ziel sein. Statt des x-ten deutschen Gipfels aller ohnehin Überzeugten ist ein europäischer Pakt Elektromobilität vonnöten. Er zielt auf klare Arbeitsteilung, kluge Standardisierung der wesentlichen Komponenten. Und auf beherzte öffentliche Förderung der Grundlagenforschung, die sich an den außereuropäischen Wettbewerbern misst, ohne im Brüsseler Notifizierungsdschungel stecken zu bleiben. Bündelung der industriellen, wissenschaftlichen und öffentlichen Ressourcen zu einem Gesamtpaket. Unterstützung der Kommunen beim Aufbau der Strominfrastruktur durch gesetzliche Flankierung, Standards und Finanzen. Ausbau der Bildungszweige auf dem Felde der Elektrochemie. Verschränkung der Energiewirtschaft, Automobilindustrie und Kommunen zu einem schlagkräftigen Ganzen. Eine Herkulesaufgabe, aber lohnenswert.

Die Autorin Angela Elis beschreibt in ihrem Buch "Mein Traum ist länger als die Nacht", wie Bertha Benz trotz aller Tiefschläge und Widerstände unbeirrbar an ihrer Vision und der ihres Mannes festhält: Der Motorwagen ist die Zukunft. Sie lebt in einer Zeit, als Kaiser Wilhelm II. stellvertretend für die Politik sinngemäß urteilt: Das Fortbewegungsmittel des 20. Jahrhunderts ist das Pferd. Noch wäre Zeit für Frau Merkel, von der Visionslosigkeit ins Lager einer Bertha Benz zu wechseln. Deutschland ist längst reif für eine mittelfristige, meint erreichbare Vision. Auch wenn unser Platz auf der Weltkarte selbst dann noch unsicher bliebe.
 
 
Von Wolfgang Tiefensee

Quelle:
Technik | Mobilität & Transport, 23.01.2012

     
        
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