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Irreführungsvorwürfe gegen Zertifizierungsgesellschaft für nachhaltigen Fischfang

MSC-Siegel nimmt Stellung zur TV-Sendung Frontal21

Jeder Deutsche isst 15kg Fisch pro Jahr. Doch 75 Prozent der europäischen Bestände sind bereits überfischt. Seit 15 Jahren gibt das MSC-Siegel Verbrauchern ein Nachhaltigkeitsversprechen. Die TV-Sendung Frontal21 sendete am 8. Mai 2012 einen Beitrag, in dem Institutionen wie das CEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung zu dem Schluss kommen, dass das Siegel nicht oder zu schwach zum nachhaltigen Fischfang beiträgt. Der MSC nimmt nun Stellung zu den Vorwürfen.

STELLUNGNAHME des MSC zum Beitrag über das MSC-Siegel in der TV-Sendung Frontal21

Alle MSC-zertifizierten Fischereien haben in einer unabhängigen Bewertung gezeigt, dass ihre Bestände groß genug sind, um die fischereilichen Aktivitäten zu stützen und dass ihre Tätigkeiten der Meeresumwelt keine irreparablen Schäden zufügen. Über die Lizenzerträge, die der gemeinnützige MSC aus dem Verkauf von Fisch mit seinem Siegel erhält, finanziert er zum Beispiel die Weiterentwicklung seiner Standards, damit das MSC-Siegel auch weiterhin das weltweit anerkannteste Programm zur Zertifizierung nachhaltiger Fischereien bleibt. Verbraucher können deshalb dem MSC-Siegel vertrauen und der MSC widerspricht den Aussagen der TV-Sendung Frontal21 am 08. Mai 2012.

Der MSC wurde 1997 gegründet. Heute, 15 Jahre später, sind 154 Fischereien weltweit nach dem MSC-Standard für nachhaltige Fischereien zertifiziert. Dies entspricht etwa sechs Prozent der jährlich weltweit gefangenen Menge an Fisch. Die zertifizierten Fischereien haben gezielt darauf hingearbeitet, die Anforderungen des MSC-Standards zu erfüllen. Auch nach erfolgter Zertifizierung müssen die Fischereien weiterhin an sich arbeiten und kontinuierlich ihre gute Leistung unter Beweis stellen. So hat etwa die Hoki-Fischerei in Neuseeland ihre Bestände vollständig wieder aufgebaut, die Seehecht-Fischerei in Südafrika hat den Beifang an Seevögeln drastisch reduziert und die Schollen-Fischerei in Holland hat freiwillig Gebiete für ihre Fischerei gesperrt. "Diese Beispiele belegen den positiven Beitrag des MSC-Programms und zeigen, dass Verbraucher beim Kauf von Fisch mit MSC-Siegel den Fischbeständen und der Meeresumwelt helfen", sagt Marnie Bammert, Leiterin des MSC-Büros für den deutschsprachigen Raum in Berlin.

Der MSC ist eine gemeinnützige Einrichtung, die aus der Zertifizierung von Fischereien keine Gelder erhält. Der größte Teil des MSC-Budgets stammt aus Fördermitteln und aus Lizenzgebühren, die Produzenten und Händler für die Nutzung des MSC-Logos an den MSC abführen. Die Lizenzgebühren werden vollständig in das MSC-Programm reinvestiert und beispielsweise für die Weiterentwicklung der Standards und für Forschungsarbeiten ausgegeben. So stellt der MSC sicher, dass neue, wissenschaftlich anerkannte Erkenntnisse in seinen Anforderungen Berücksichtigung finden und die MSC-Kriterien weltweiter Best Practice entsprechen.

Der MSC widerspricht der Aussage in Frontal21, dass etwa ein Drittel der Fischbestände, die von MSC-zertifizierten Fischereien befischt werden, zu klein sind und zu hart befischt werden. Zertifizierungen nach MSC-Standard erfolgen auf Basis der Definitionen für 'überfischt' und 'Überfischung' wie sie von der Welternährungsorganisation (FAO) niedergeschrieben sind. Dies sind beides internationale, wissenschaftlich abgestimmte und anerkannte Definitionen. Folgend der Referenzwerte, die sich aus diesen Definitionen ergeben, sind die Bestände nicht überfischt und Fischereien, die nach dem MSC-Standard zertifiziert sind, nutzen ihre Zielartbestände nachhaltig.

In Frontal21 wurde der Seelachs-Bestand in der Nordsee als Beispiel angeführt und behauptet, dass dieser Bestand kurz vor dem Zusammenbruch stehe. Diese Aussage ist nicht richtig. Der Seelachsbestand in der Nordsee hat in den letzten Jahren sehr schwache Nachwuchsjahrgänge produziert und der Bestand ist in der Folge zurückgegangen. Es gibt jedoch noch immer genug Elterntiere, um sicherzustellen, dass die Nachwuchsproduktion deshalb nicht eingeschränkt ist. Das Fischereimanagement hat auf die Abnahme mit einer Senkung der Fangmengen reagiert. Diese Maßnahme greift bereits, der Bestand entwickelt sich wieder positiv und so besteht keine Notwendigkeit, der Fischerei das MSC-Siegel zu entziehen. Nachhaltige Fischereien zeichnen sich dadurch aus, dass sie verantwortungsbewusst auf veränderte Bedingungen reagieren. Dies hat die Seelachs-Fischerei getan und Verbraucher sollten dies unterstützen, indem sie weiterhin Seelachs mit MSC-Siegel kaufen.

Auch die kürzlich zertifizierte Schwertfisch-Fischerei wurde in Frontal21 aufgegriffen. Es ist richtig, dass diese Fischerei Haie und Schildkröten beifängt, doch die Bewertung nach MSC-Standard hat gezeigt, dass dies die Bestände nicht an ihrer Erholung hindert, da diese Fischerei nicht der größte Einflussfaktor auf die Tiere ist. Trotzdem hielten die Prüfer fest, dass die Leistung der Fischerei in diesem Bereich verbessert werden kann und definierten sechs Auflagen, welche die Fischerei innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens erfüllen muss, um weiterhin zu zeigen, dass ihre Einwirkungen auf diese Arten akzeptabel sind.

Über den südafrikanischen Seehecht wurde in der Sendung gesagt, dass er bedroht sei. In den Gewässern vor Südafrika sind zwei Seehechtarten zu finden. Der Bestand des in seichteren Gewässern lebenden Kap-Seehechts wird nachhaltig befischt und ist auf einem gesunden Niveau. Der Bestand des Tiefenwasser-Kap-Seehechts ist hingegen niedriger. Daher hat die südafrikanische Seehecht-Fischerei einen Erholungsplan eingeführt, der den Bestand wieder stärken soll. Auch diese Maßnahme war Folge einer Zertifizierungsauflage. Die neueste Bestandsbewertung zeigt, dass der Erholungsplan erste positive Auswirkungen hat.

Die MSC-Kriterien wurden von über 200 Wissenschaftlern, Umweltschützern und anderen Interessengruppen während eines zweijährigen Prozesses definiert und stellen einen breiten wissenschaftlichen Konsens dar. Die Kriterien schreiben nicht vor, welche Fanggeräte eingesetzt werden dürfen oder wofür der gefangene Fisch verwendet werden darf. Vielmehr geben sie vor, wie das Ergebnis der Fischerei auszusehen hat. Das MSC-Programm hilft dabei, notwendige Änderungen im Management von Fischereien voranzubringen und hat bereits zu beachtlichen Verbesserungen für die marine Umwelt geführt. Diesen überaus wichtigen Aspekt des MSC-Programms haben die Macher des Frontal21-Beitrages leider außer Acht gelassen. "Es sind gerade diese Veränderungen, die dabei helfen, die weltweite Fischerei zu einem nachhaltigeren Sektor zu machen. Verbraucher können sich darauf verlassen, dass nur nachhaltig arbeitende Fischereien mit dem MSC-Siegel ausgezeichnet werden. Über den Kauf von Fisch mit unserem blauen Siegel unterstützen sie diese Fischereien und geben ihnen Anerkennung", sagt Marnie Bammert.

Hintergrund:
Der MSC (Marine Stewardship Council) ist eine internationale gemeinnützige Einrichtung, die hilft, den Markt für Fisch und Meeresfrüchte nachhaltig zu gestalten. Der MSC verwaltet das einzige ökologische Zertifizierungs- und Kennzeichnungsprogramm für Fischereibetriebe des Wildfangs, das sowohl den "Code für vorbildliches Setzen sozialer und ökologischer Standards" von ISEAL wie auch die FAO-Kriterien für Fischereizertifizierungen erfüllt. Die "Richtlinien für die Öko-Kennzeichnung von Fisch und Fischereiprodukten aus mariner Fischerei" der FAO fordern von glaubwürdigen Zertifizierungs- und Kennzeichnungsprogrammen:
  • Objektive, unabhängige Fischereibewertungen, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen,
  • transparente Prozesse, die eine Konsultation mit Externen und die Möglichkeit zur Einspruchnahme umfassen,
  • Standards, welche die Nachhaltigkeit der Zielspezies, der Ökosysteme und der Managementpraktiken berücksichtigen.
Der MSC hat Büros in London, Seattle, Tokio, Sydney, Den Haag, Madrid, Edinburgh, Paris, Stockholm, Berlin und Kapstadt.

Insgesamt nehmen über 270 Fischereibetriebe am MSC-Programm teil. 154 sind derzeit zertifiziert und 122 befinden sich in Bewertung nach MSC-Standard. Weitere 40 bis 50 durchlaufen eine vertrauliche Vorbewertung. Zusammen fangen die Fischereibetriebe im MSC-Programm knapp neun Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte, was etwa zehn Prozent des weltweiten Fischfangs entspricht. Die bereits zertifizierten Fischereien fangen fast fünf Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte - also fast sechs Prozent der weltweiten Fangmenge an Fisch und Meeresfrüchten aus Wildfang.

Quelle: Gerlinde Geltinger, MSC Deutschland
Umwelt | Ressourcen, 09.05.2012

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