#VerantwortungJetzt! - Die Krise als Chance für den Wandel

Mrs Business und Mr Social

Gemeinsam Großes bewegen! Mit Crowdfunding die Stadt verändern.

Mrs Business und Mr Social haben seit dem letzten Heft die Geschlechterrollen getauscht. Die Genderfrage ist auch für sie nicht unwichtig. Ab jetzt kümmert sich die Mrs um das Business und der Mr um das Soziale. Beide fühlen mit ihrer neuen Aufgabe sehr wohl und freuen sich auf das nächste Social-Business-Projekt.
 
Wie Crowdfunding dabei helfen soll, lokales Engagement zu vervielfältigen und unsere Städte lebenswerter zu machen, erklärt uns das Social Start-up place2help.
 
Mrs Business und Mr Social können es nicht fassen. Schon wieder ist eine geniale Idee im Keim erstickt, schon wieder ein tolles Konzept in der Schublade gelandet. Die Schublade quillt über. Viel zu viele Projekte im lokalen Raum scheitern am Ende an der Finanzierung. Das muss nicht sein, denkt sich Mr Social. Da gibt es doch Crowdfunding, das neue Wundermittel zur Finanzierung von Projekten. In der Zeitung hat er von einem spektakulären Projekt gelesen, das durch viele Menschen finanziert wurde: eine Fußgängerbrücke in Rotterdam, die nun in ihren Planken die Namen der Unterstützer trägt. „Mensch, das wäre was für unsere Stadt", denkt er sich und gleich fallen ihm tausend Projekte ein, für die Crowdfunding eine Lösung wäre. Man könnte das alte Kino wieder fit machen oder das Verwaltungsgebäude begrünen, das so hässlich mitten in der Stadt thront. Oder die mobile Eisbahn finanzieren, für die kein Geld mehr da ist. Minuten später surft Mr Social im Netz und sucht nach einer Lösung für seine Stadt. Gibt es ein Crowdfunding-Angebot speziell für Städte? Mr Social sucht lange. Aber Pustekuchen. Das was er sucht, gibt es nicht. Schade. Er hatte da schon so eine Vision. Von einer unabhängigen Plattform, die alle vernetzt, die sich vor Ort engagieren wollen. Die Transparenz in die lokale Projektlandschaft bringt. Die sichtbar macht, was alles für die Stadt bewegt wird. Im Großen wie im Kleinen. Aber dafür wird nicht nur Technologie benötigt, sondern auch ein Plattform-Konzept, das sich für eine Stadt eignet und natürlich jemand, der sich um alles andere kümmert.

Er erzählt Mrs Business davon und die muss nicht lange überlegen. Es ist der Beginn einer sozialen Gründungsstory, über die eine der Gründerinnen, Alexandra Partale, im Folgenden berichtet.

 

Oktober 2012: Das Gründerteam trifft sich

Grafik: © place2helpNachdem die Idee geboren war, folgen viele schlaflose Nächte. Wie das eben so ist, wenn man für eine Sache glüht und tausend Fragen zu klären sind. Der Name place2help kommt mir im Morgengrauen in den Sinn. Bei meinen Recherchen im Netz stoße ich irgendwann auf meinen Mitgründer Dennis Darko. Er hat ein Online-Tool zur Förderung des lokalen Einzelhandels entwickelt, das ich interessant finde. Wir telefonieren und treffen uns. Die Chemie stimmt. Dennis ist von der place2help-Idee begeistert, er will einsteigen. Mit seinen Kompetenzen im Bereich Medien und Marketing ist er eine tolle Bereicherung im Gründungsteam. Wir besiegeln die Zusammenarbeit und machen uns gemeinsam daran, das Konzept auszuarbeiten.

November 2012: Idee trifft Technologie

Ein Treffen mit Michael Bogatzki, Macher der ersten deutschen Crowdfunding-Plattform Sellaband, ist dann eine große Inspiration. Der Crowdfunding-Pionier ist nicht nur unglaublich sympathisch, sondern sofort von der Idee angetan. Es dauert nicht lange, bis wir eine langfristige Zusammenarbeit vereinbaren. Er liefert uns die Technologie und den technischen Support, wir machen den Rest.

Januar 2013: Zwei Gründer, drei Standorte

Im Januar muss ich dann erst mal für eineinhalb Jahre nach Hanoi, Vietnam. Mein Mann arbeitet dort in einem Projekt für nachhaltigen Tourismus. Irgendjemand muss ja das Geld verdienen, während ich mich als Social Entrepreneur versuche. Alle erklären mich für verrückt, dass ich meinen Plan mit place2help weiterverfolge. Doch der lässt mich nicht mehr los. Wir organisieren uns quer über den Globus. Dennis von Duisburg aus an der „Front" und ich im Back-Office Hanoi. Zwischendurch fliege ich immer wieder nach Deutschland, um von unserer Hofheimer „Zentrale" aus Termine wahrzunehmen.

Mai 2013: Das Konzept steht soweit, doch wie geht’s weiter?

Gut Ding braucht Weile. Bis Mai brauchten wir, um die strategischen Eckpunkte von place2help auszuarbeiten, das Produktkonzept feinzuschleifen und ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das langfristig eine Grundlage für unsere Aktivitäten bildet. Je nach Möglichkeiten arbeiten wir bis zu 30 Stunden pro Woche für place2help – aus purer Leidenschaft, denn Geld ist noch keines da. Wir wollen gemeinnützig werden, hoffen auf Fördermittel und investieren sehr viel Zeit, Fördermöglichkeiten ausfindig zu machen. Wir kontaktieren Stiftungen, die unser Thema interessieren könnte. Der Erfolg hält sich in Grenzen. Erst mal müssen wir gründen und gemeinnützig werden. Außerdem brauchen wir überzeugte Multiplikatoren, die uns helfen, Vertrauen zu bilden.

Juni, Juli 2013: Networking-Marathon und ganz viel Unterstützung

Im Sommer konzentrieren sich zahlreiche Termine mit Stiftungen, Netzwerken und Verbänden. Wir finden gut vernetzte Unterstützer, die uns im Folgenden so manche Türe öffnen werden. Uwe Amrhein vom Generali Zukunftsfonds, einer der wichtigsten Player der Engagement-Szene, schreibt über uns: „place2help hat das Potenzial, eine ganz neue Beziehung zwischen engagierten Bürgern und ihren Städten und Gemeinden zu stiften. Mitverantwortung und gemeinsames Gestalten über Sektorengrenzen hinweg: Genau das ist der Treibstoff des sozialen Wandels. Deshalb finde ich das Konzept von place2help.org überzeugend."

September 2013: place2help gewinnt zwei Regionalpartner

Im Juli stellen wir place2help den ersten Städten und Regionen vor. Das positive Feedback überwältigt uns. Wir sind sehr erleichtert. Denn trotz großer Überzeugung, dass wir das Richtige tun, waren wir doch sehr gespannt, wie diejenigen reagieren werden, denen place2help nutzen soll. Im September steht fest, dass die Stadt München und der Main-Taunus-Kreis als place2help-Piloten mit uns starten wollen. Finanziert werden sollen die Plattformen durch „Enabler", also Menschen, Organisationen, Unternehmen, die die Idee von place2help fördern wollen.

Oktober 2013: place2help wird nicht gemeinnützig

Im Oktober kommt ein Tiefschlag. Drei Versuche, den Gemeinnützigkeitsstatus vom Finanzamt zu erhalten, scheitern. place2help gilt als zu privatwirtschaftlich und gemeinnützige Zwecke würden nur indirekt gefördert. Andere Crowdfunding-Plattformen sind gemeinnützig. Aber der Vergleich sei nicht zulässig. Die unerwartete Entscheidung des Finanzamtes stellt unser Finanzierungsmodell auf den Kopf. Nahezu alle Fördertöpfe, die wir im Blick hatten, werden uns nicht zur Verfügung stehen und steuerabzugsfähige Spenden an place2help sind auch nicht mehr möglich.

November 2013: Wir gründen die place2help UG

Langsam freunden wir uns mit dem Gedanken an, nicht gemeinnützig zu sein. Wir verstehen uns jetzt als soziales Unternehmen, das seine wirtschaftliche Kraft nutzt, um sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Im November gründen wir die place2help UG mit Sitz in Hofheim am Taunus.

Dezember 2013: Wir verstärken uns am Standort München

Im Dezember stößt Alka Celic als Portalmanagerin und CSR-Beauftragte ins place2help-Team. Sie sitzt in München und soll die lokale Netzwerkbildung vor Ort vorantreiben. Als gut vernetzte PR-Spezialistin und ausgebildete CSR-Beraterin ist sie eine große Bereicherung für unser Team.

Januar 2014: place2help Kick-off in München

Im Januar stellen wir place2help im Münchner Rathaus einem hochkarätigen Teilnehmerkreis vor und diskutieren Chancen und Risiken. Ziel ist es, Akteure aus unterschiedlichen Bereichen und Sektoren einzubeziehen und deren Anregungen aufzunehmen. Wir lernen wichtige Multiplikatoren aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung kennen und erhalten Einblicke in die verschiedenen Sichtweisen und Anforderungen an place2help. Gemeinsam möchten wir ein Modell für regionales Crowdfunding entwickeln, das deutschlandweit wegweisend ist.

Februar 2014: Nachtschichten für den Feinschliff

Unter dem Eindruck des Münchner Kick-offs ziehen wir uns nochmals zurück und widmen uns intensiv den Produktfeinheiten. Wir beschäftigen uns mit der Frage, inwieweit Crowdfunding geeignet ist, um komplexe Stadtentwicklungsprojekte zu finanzieren. Welche Risiken existieren? Was müssen wir beachten, um bestehende Chancen nutzen zu können? Wie lässt sich effektive Qualitätssicherung betreiben? Bei der Beantwortung dieser Fragen hilft uns Ole Brandmeyer von der TU Berlin. Er hat sich schon im Rahmen seiner Masterarbeit mit dem Thema regionales Crowdfunding beschäftigt und gehört zu den wenigen, die hierzu schon publiziert haben. Mit juristischer Unterstützung erarbeiten wir Verträge, AGBs, FAQs, Qualitätsstandards, Richtlinien, Leitfäden etc. Der Prozess zieht sich. Im Mai sind wir dann aber fast soweit zu starten.

Juni 2014: place2help wird mehrfach ausgezeichnet

Der Juni ist ein guter Monat. Mit vielen neuen Eindrücken trete ich die Heimreise aus Vietnam an. Mit einem weinenden Auge zwar, aber ich freue mich darauf, endlich vor Ort zu arbeiten und persönlich mit Partnern und Zielgruppen von place2help zu kommunizieren. Ein Termin jagt den anderen. Es kommt Dynamik ins Spiel. Auch unser Engagement in Wettbewerben wird belohnt. Wir gewinnen den Sozialunternehmer-Wettbewerb des Wirtschaftsmagazins enorm und werden für den deutschen Engagementpreis nominiert. Zuvor wurden wir vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) mit dem Label der Nationalen Stadtentwicklungspolitik (NSP) ausgezeichnet.

Juli 2014: Das Eis ist gebrochen: Die ersten „Enabler" sind an Bord!

Wer denkt, dass man mit einem innovativen Projekt und den tollsten Argumenten Sponsorengelder hinterhergeworfen bekommt, der irrt. Sponsoren zu überzeugen war und ist auch für uns harte Arbeit. Denn man muss erst mal in deren Blickwinkel rücken. Dank unserer kommunalen Partner und vielleicht auch dank unserer neuen Auszeichnungen gelingt uns das zunehmend. Nachdem die ersten Enabler in unseren Pilotregionen den Nutzen erkannt haben, den place2help nicht nur für die Region, sondern auch für das Unternehmen stiftet, scheint das Eis gebrochen zu sein. In dieser Woche erhalten wir gleich drei Anfragen potenzieller Enabler.

Wie geht es weiter?

Ende des Jahres gehen unsere Pilotplattformen in München und im Taunus an den Start. Ab sofort suchen wir nach spannenden Ideen und Projekten, die sich in der medienwirksamen Startphase auf place2help präsentieren möchten. 2015 wollen wir starke lokale Netzwerke schaffen und insgesamt 500.000 € von der Crowd sammeln. Mit verstärktem Team und entsprechender Schlagkraft werden wir ab 2015 weitere Regionen ins place2help-Boot holen. In fünf Jahren möchten wir 20 Regional-Plattformen betreiben und an 20 Standorten deutschlandweit Engagement vervielfältigen.

Mrs Business ist glücklich dass Mr Social sie auf das Projekt aufmerksam gemacht hat. Ein tolles Business hat es aus der Schublade auf den Markt geschafft. Sie wünschen dem place2help-Team viel Erfolg!

place2help: Crowdfunding für mehr Lebensqualität

© place2helpMit place2help haben die Gründer des hessischen Start-ups ein Crowdfunding-Instrument speziell für Städte und Regionen geschaffen. Über Regional-Plattformen können Projekte finanziert werden, die einen Beitrag zu mehr Lebens- und Standortqualität vor Ort leisten – von der Einrichtung einer Energietankstelle über die Rettung des Dorfladens bis hin zu Bildungsprojekten in örtlichen Schulen. Für rund 700 Städte und Regionen allein in Deutschland bietet place2help eine Chance, um neue Wege der Finanzierung lokaler Projekte zu beschreiten. „Wir wollen allerdings mehr als nur Projekte finanzieren", sagen Alexandra Partale und Dennis Darko, die Gründer von place2help. „Wir wollen lokales Engagement aktivieren, bündeln und sichtbar machen. Und wir wollen eine Lösung anbieten, die einfach und überall implementierbar ist".

Damit das funktioniert, bietet das Unternehmen nicht nur Crowd­funding-Technologie, sondern eine Komplettlösung, vom technischen Portalbetrieb über das Projekt-Coaching bis hin zur lokalen Netzwerkbildung und hilft sogar bei der Finanzierung der Plattform.

www.place2help.org


Wirtschaft | Mr Social und Mrs Business, 01.10.2014
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 04/2014 - Green Tech als Retter der Erde erschienen.
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