B.A.U.M.-Jahrbuch: Jetzt kostenlos reinlesen

Kein Bericht, keine Strategie? Nicht-finanzielles Vermögen auch im Mittelstand ausleuchten

Gastkommentar von Nicolas Kemper. Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt und Steuerberater

Kann die Pflicht zu mehr Berichterstattung für Unternehmen etwas anderes sein als eine zusätzliche bürokratische Belastung? Fast jeder mittelständische Betrieb würde diese Frage spontan mit "nein" beantworten. Und genau darin liegt das Problem.

Nicolas Kemper. Foto: LKCNach den Vorgaben der Ende 2014 verabschiedeten EU-Richtlinie besteht ab Ende 2016 für große börsennotierte Unternehmen auch in Deutschland die Pflicht, über die so genannten nicht-finanziellen Leistungsindikatoren im Rahmen des externen Rechnungswesens zu berichten. In Deutschland wird es in diesem Zusammenhang als großer Erfolg gefeiert, dass damit der Mittelstand von dieser Regelung befreit ist. Das mag nicht zuletzt an dem für manchen Unternehmer eher abwegig klingenden Begriff des "Corporate Social Responsibility-Reporting" liegen. Deshalb ist zu erwarten, dass mittelständische Unternehmen auch in Zukunft in ihren Lageberichten nicht über nicht-finanzielle Indikatoren berichten werden.

Das ist gut für die schlanke Berichterstattung, aber schlecht im Sinne der Unternehmensführung. Denn es liegt sehr wohl im Interesse gerade der mittelständischen Unternehmen, sich darüber Gedanken zu machen, über welche spezifischen internen Ressourcen sie verfügen und wie diese systematisch gepflegt und im Wettbewerb eingesetzt werden können. Das immer wieder konstatierte Strategiedefizit im Mittelstand wird nicht dadurch besser, dass er von sinnvollen Vorgaben des Gesetzgebers für die Reflexion von Unternehmens- und Geschäftsstrategien ausgeschlossen wird. Es ist in Theorie und Praxis unstreitig, dass die entscheidenden Wettbewerbsvorteile gerade des Mittelstands weniger im Kostenbereich liegen. Vielmehr sind die Stärken in den langjährigen Kundenbeziehungen, dem langfristigen unternehmerischen Denken oder dem Erfahrungswissen der Mitarbeiter zu suchen, mithin dem nicht-finanziellen Vermögen.

Wenn also jetzt die Berichtspflicht über diese nicht-finanziellen Leistungsindikatoren für KMU nicht gelten, dann sollte das nicht dazu führen, diese strategischen Überlegungen hinten an zu stellen. Wenn schon keine externe Berichtspflicht, dann wenigstens eine regelmäßige interne Bestandsaufnahme - das sollte das Motto für den Mittelstand sein. Denn die Idee hinter der Berichterstattungspflicht ist richtig: es geht um eine ganzheitliche Sichtweise der Unternehmensführung, die jenseits des reinen Zahlenwerks Chancen und Risiken bewertet. Dann kann es auch ohne formellen Bericht eine erfolgreiche strategische Aufstellung geben.

Nicolas Kemper ist Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt, Steuerberater und Gründungspartner von LKC Kemper Czarske v. Gronau Berz. Weitere Informationen unter www.lkc.de.


Wirtschaft | Marketing & Kommunikation, 18.03.2015

Cover des aktuellen Hefts

Time to eat the dog

forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2019

  • Kein Müll!
  • Fridays for the Future
  • Nachhaltigkeit kleidet!
  • Die Insel der Träume
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
21
JUN
2019
Her Abilities Award
Globaler Preis für Frauen mit Behinderungen
weltweit


21
JUN
2019
Reasons for Hope
Ein Abend mit Jane Goodall
80939 München


Alle Veranstaltungen...

Gemeinsam ist es Klimaschutz

natureOffice nimmt Sie mit auf die Reise durch den Klimakosmos - gleich YouTube-Kanal abonnieren und Baum pflanzen!


Starke Frauen

Missing Chapter Foundation
Eines von vielen Projekten, für die sich Prinzessin Laurentien der Niederlanden stark macht.




  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • SÜDWIND e.V. - Institut für Ökonomie und Ökumene
  • PEFC Deutschland e. V.
  • Alfred Ritter GmbH & Co. KG
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Bayer Aktiengesellschaft
  • Deutsche Telekom AG
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • VDMA Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence


Bundesweiter Pflanz-Wettbewerb. 1. April bis 31. Juli 2019. Jederzeit anmelden: Alle Flächen, alle Menschen können mitmachen!