Lust und Last
Lebensmittelverpackungen
Wer kennt das nicht: Man achtet beim Einkauf auf gesunde, umweltfreundliche Lebensmittel, aber am Ende des Tages zeigt der Blick in den Mülleimer: Bei der Verpackung kommt der Umweltschutz zu kurz. Der Mülltrennung stehen viele skeptisch gegenüber und so mancher würde am liebsten ganz auf die Verpackung verzichten. Doch das ist alles andere als einfach – gerade bei Lebensmitteln.
Immer mehr Menschen sind aufwändig verpackte Lebensmittel ein Dorn im Auge. „Unverpackt-Läden" sind deshalb im Kommen. Dort kann man sich die Produkte direkt in selbst mitgebrachte Dosen, Beutel oder Gläser abfüllen. Auch im Hofladen, in der Markthalle oder auf dem Wochenmarkt kann man die Ware direkt in den Korb legen. Doch ein Großteil der Konsumenten will sich beim Einkauf auch noch mit anderen Produkten eindecken, die Ware soll günstig sein und in der Verpackung möglichst lange halten. Und auch der Handel zieht viele Vorteile aus der Verpackung von Produkten: Sie hält Ware deutlich länger frisch, weil sie Obst und Gemüse ein spezielles, optimiertes Mikroklima bietet, Müsli über Monate knusprig hält oder Fleischprodukte vor dem schnellen Verfall bewahrt.

Knifflige Verpackungen für immer neue Erkenntnisse

Die gesetzlichen und Lebensmittel-relevanten Anforderungen steigen mit den Erkenntnissen über die möglichen Risiken. Hier sind noch viele Fragen offen. Die Verpackungsindustrie versucht die vielfältigen Ansprüche mit immer kniffligeren und komplexeren Verpackungen zu erfüllen. Funktionalitäten wie leichtes Öffnen und Wiederverschließen, Schutz vor Eigen- und Fremdgerüchen, Hygiene beim Einkauf oder sichere Lagerung und leichter Transport werden immer mehr nachgefragt. Gleichzeitig sollen der Verpackungsabfall und der Materialeinsatz immer geringer werden. Je leichter die Verpackung sein soll, desto schwerer wird die Aufgabe für Designer und Techniker. Ein alltägliches Beispiel: Einfache Folien für Käse oder Wurst bestehen aus zehn bis zwölf Lagen unterschiedlicher Materialen.
Recyceln statt Ressourcenverschwendung
Die steigende Komplexität dieser Verbundverpackungen macht die Wiederverwertung kompliziert, aufwändig und in vielen Bereichen heute noch unmöglich. Was nicht mehr voneinander getrennt werden kann, geht in die Verbrennung. Dort wird zumindest die Energie in Strom umgewandelt. Ein Teil wird jedoch heute schon zu neuen Rohstoffen für Verpackungen oder Produkte zurückgewonnen – wobei ein erneuter Einsatz im Lebensmittelbereich besonders schweren Restriktionen unterliegt. Grundsätzlich jedoch gilt: Je mehr wir unseren Verpackungsabfall sammeln und trennen, desto größer ist die Chance, dass wir die wertvollen Materialien für neue Anwendungen nutzen können – und somit unsere endlichen Ressourcen wie Erdöl schonen. Ein großes Vorbild ist die Marke Frosch mit ihren Reinigern in 100 Prozent Recyclat-Flaschen: Material, das aus der Abfallsammlung neu aufbereitet wurde. Ähnliche Ansätze mit teilweisem Einsatz von Recyclat gibt es u.a. auch schon bei Getränkeflaschen von VIO (Coca-Cola Konzern) oder bei Heinz Ketchup.

Wir haben einen langen Weg vor uns
Hinweis: Deshalb planen wir in forum einen
Schwerpunkt, der die einzelnen Sichtweisen und Entwicklungen vom Rohstoff über das Design, die Produktion, Nutzung und Wiederverwertung von Verpackungen eingehend beleuchten soll. Wir freuen uns hier wie immer auf Anregungen und Best Practice aus der Leserschaft von forum. |
Die Entwicklung bei Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen schreitet unaufhörlich voran. Die Materialien werden besser und haben teilweise die Funktionalitäten von fossil basierten Kunststoffen erreicht oder sogar übertroffen. Ein schönes Beispiel bietet die Firma Sonnentor aus Österreich, die schon seit Jahren schrittweise ihre Verpackungen auf nachwachsende Rohstoffe umstellt. Oder Danone, die den Activia-Joghurtbecher aus Biokunststoff produziert. Zwei Beispiele von vielen, die zeigen: Die Bemühungen zu nachhaltigeren Verpackungen schreiten voran. Dieser Weg ist aber mühsam. Die eine, einfache Lösung gibt es nicht und die Aspekte sind sehr vielschichtig. Wir stehen bei der Entwicklung einer wirklich nachhaltigen Verpackung im Sinne des Cradle2Cradle® Konzeptes oder der Circular Economy noch am Anfang. Gleichzeitig ruft gerade das Thema nachhaltige Verpackungen nach beherzten Innovationen.
Peter Désilets ist Vorstand der pacoon AG, einer führenden Designagentur für nachhaltige Verpackungslösungen. Er hat im März 2017 in München die SOLPACK 2.0 – Internationale Konferenz für nachhaltige Verpackungen ausgerichtet, um Unternehmen bei ihren Nachhaltigkeits-Bestrebungen zu unterstützen und eine Netzwerk-Plattform für mehr Austausch zu bieten.
Lifestyle | Essen & Trinken, 01.05.2017
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2017 - Wie ernähren wir uns in Zukunft? erschienen.

Save the Ocean
forum 02/2025 ist erschienen
- Regenerativ
- Coworkation
- Klimadiesel
- Kreislaufwirtschaft
Kaufen...
Abonnieren...
03
APR
2025
APR
2025
03
APR
2025
APR
2025
CSRD-Verschiebung & wirtschaftliche Unsicherheit - Was jetzt zählt
Auswirkungen verstehen, Chancen nutzen, wirtschaftlich erfolgreich handeln
Webinar
Auswirkungen verstehen, Chancen nutzen, wirtschaftlich erfolgreich handeln
Webinar
21
MAI
2025
MAI
2025
LVR-Kulturkonferenz 2025: Kultur. Nachhaltig. Wirtschaften.
Welchen Beitrag leistet Kultur zum wirtschaftlichen Wachstum?
47805 Krefeld
Welchen Beitrag leistet Kultur zum wirtschaftlichen Wachstum?
47805 Krefeld
Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol
Digitalisierung

Christoph Quarch empfiehlt allen seriösen Kräften den Rückzug von X