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MSC-Siegel für positive Veränderung auf unseren Meeren

Mexikanische Thunfischfischerei nach zweijährigem Bewertungsprozess nun MSC-zertifiziert

Die mexikanische Thunfischfischerei steht beispielhaft für Fischereien, die Schritt für Schritt tiefgreifende positive Veränderungen für unsere Meere bewirken.
Jahrzehnte lang war die mexikanische Thunfischfischerei aus Umweltperspektive eine der umstrittensten Fischereien überhaupt. Grund: ihre extrem hohen Delfinbeifänge. Im schlimmsten Jahr, 1989, waren es 132.000 Tiere. Ein Umdenken in der Fischerei war dringend notwendig.
 
Jährliche Kontrollen stellen sicher, dass zertifizierte Fischereien den MSC-Standard weiterhin erfüllen und eventuelle Auflagen effektiv umsetzen. © Pacific Alliance for Sustainable Tuna (PAST)Dieses Umdenken hat stattgefunden. Die Fischerei ist nach und nach verschiedene Verpflichtungen und Vereinbarungen eingegangen, u.a. ein strenges internationales Delfinschutzprogramm (Agreement on the International Dolphin Conservation Program/ AIDCP), welches auch von Umweltorganisationen wie Greenpeace und dem WWF unterstützt wird und von der UN-Welternährungsorganisation FAO nicht nur für seinen Erfolg beim Schutz der Thunfischbestände, sondern auch der mit dem Thunfisch assoziierten Delfine ausgezeichnet wurde.
 
Durch tiefgreifende Maßnahmen – von speziellen Sicherheitsnetzen bis hin zu ausgebildeten Tauchern, welche heute jede Fangfahrt der Fischerei begleiten um im Netz befindliche Delfine lebend in die Freiheit zu leiten – hat sich die Fischerei zu einer nachhaltigen Fischerei verändert. Es ist ihr gelungen, die Anzahl der tödlichen Delfinbeifänge um mehr als 99 Prozent zu senken, bei 95,5 Prozent aller Fangfahrten wird heute nicht ein einziger Delfin getötet oder schwer verletzt. Das unabhängige AIDCP-Beobachterprogramm, welches zu den strengsten der Welt zählt, begleitet jede Fangfahrt, überwacht und dokumentiert die Einhaltung der Schutzmaßnahmen und sorgt dafür, dass hochwertige Daten erhoben werden.
 
Die ehrgeizigen Maßnahmen der mexikanischen Thunfischfischerei berücksichtigen komplexe ökologische Herausforderungen und haben tiefgreifende positive Veränderungen im Ostpazifik eingeleitet. Der MSC wurde gegründet, um genau solche Entwicklungen zu fördern. Wir wollen, dass Fischereien besser werden – und wir möchten anerkennen, wenn sie dies tatsächlich tun", sagt Stefanie Kirse, Leiterin des MSC in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Auf der Spur von Delfinen
Gelbflossenthunfisch-Schwärme im mexikanischen Ostpazifik haben die Besonderheit, dass sie meist mit Delfinschulen vergesellschaftet sind: Die Delfine schwimmen an der Wasseroberfläche, der Thunfischschwarm bis zu 150 Meter darunter. Ein Phänomen welches dazu führt, dass Delfinbeifang zwar minimiert werden kann, dass jedoch das von Dolphin Safe proklamierte Ziel „Null Delfinbeifang" in dieser Region der Erde schlicht nicht realisierbar ist. So ist die Realität. Doch Realität ist auch, dass die Anzahl der tödlichen Delfinbeifänge in der mexikanischen Fischerei heute bereits weit unter den international festgelegten Grenzwerten liegt, und dass alle örtlichen Delfinpopulationen sich nach neuestem wissenschaftlichen Kenntnisstand in einem guten Zustand befinden. Realität ist auch, dass die Fischerei sich verpflichtet hat, innerhalb des MSC-Programms weiter an ihrer Beifangminimierung zu arbeiten. Und Realität ist nicht zuletzt ebenso, dass die Fischerei größter legaler Arbeitgeber im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa ist und dort über 30.000 Arbeitsplätze sowie jährliche Einnahmen in Höhe von mehr als 750 Mio. US-Dollar sichert.
 
Um großflächig positive Veränderungen auf unseren Meeren zu bewirken, müssen wir gute, nachhaltige Fischereien, auch dann, wenn sie noch Verbesserungspotential haben, für ihre Anstrengungen und Erfolge belohnen. So motivieren wir sie, auch langfristig nachhaltig zu arbeiten. Innerhalb des kontrollierten MSC-Systems können sie dann zu weiteren Verbesserungen verpflichtet werden", so Stefanie Kirse weiter.

Umfassendes Zertifizierungsverfahren mit Auflagen
Die mexikanische Thunfischfischerei hat ein fast zweijähriges Bewertungsverfahren durch unabhängige Gutachter durchlaufen. Das Verfahren umfasste eine eingehende Untersuchung der Fischerei durch wissenschaftliche Experten, Kreuzgutachter, mehrere öffentliche Stakeholder-Konsultationen sowie eine schiedsgerichtliche Beurteilung eines abschließenden Einspruchs durch den WWF. Gutachter und Schiedsrichter sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Fischerei die strengen Kriterien des MSC-Umweltstandards erfüllt und nachhaltig arbeitet. Sie darf daher das blaue MSC-Siegel tragen.
Nachhaltig nach MSC-Standard bedeutet, dass Fischbestände nur so stark befischt werden, dass sie eine reproduktionsfähige Größe behalten. Nachhaltig bedeutet auch, dass unbeabsichtigter Beifang – egal ob Delfine, Schildkröten, Haie oder andere Fischarten jenseits der Zielfischart – weitestgehend vermieden wird, dass der Lebensraum Meer nicht irreversibel geschädigt wird und dass die zertifizierte Fischerei über ein effektives Fischereimanagement verfügt.

Die MSC-Zertifizierung wurde unter folgenden Auflagen erteilt:
  • Weitere Verbesserungen bei der Datenerhebung.
  • Weitere Maßnahmen zum Schutz von Haien und Rochen.
  • Investition in weitere Forschungstätigkeiten zu den Auswirkungen der Ringwadenfischerei auf die Delfinpopulationen im Ostpazifik.
Jährliche Kontrollen stellen sicher, dass zertifizierte Fischereien den MSC-Standard weiterhin erfüllen und eventuelle Auflagen effektiv umsetzen. Sollte eine Fischerei dies nicht tun, wird ihr das MSC-Siegel wieder entzogen.
 
Kontakt: Marine Stewardship Council | www.msc.org/de

Lesen Sie dazu auch die Einschätzung der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V. (GRD).


Umwelt | Naturschutz, 27.09.2017

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