Aus deutschen Hähnen

Vom Grundwasser zum Trinkwasser

Sauberes Trinkwasser ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Doch die Kosten dafür könnten schon bald dramatisch steigen. Unter Wassermangel leidet Deutschland zwar nicht, aber völlig unproblematisch ist die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung auch hierzulande nicht. Zu viel Nitrat im Grundwasser lautet der Vorwurf, weshalb die EU im November vorigen Jahres vor dem Europäischen Gerichtshof Klage gegen die Bundesrepublik einreichte.

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Laut EU-Richtlinie 91/676/EWG sind die Mitgliedstaaten zum Gewässerschutz verpflichtet. 50 mg Nitrat, mehr darf ein Liter Grundwasser nicht enthalten. Doch dieser Grenzwert wird vielerorts überschritten. Denn Deutschland ist nicht nur eine der führenden Industrienationen, sondern nach den USA und den Niederlanden auch der drittgrößte Agrarexporteur der Welt.

Gut 200 Millionen Rinder, Schweine und Geflügel werden in den landwirtschaftlichen Betrieben zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen gehalten Und erzeugen dort nicht nur Eier, Milch und Schnitzel, sondern auch jede Menge Gülle. Eigentlich ein wertvoller Wirtschaftsdünger mit hohen Gehalten an Stickstoff, Phosphor und Kalium, aber in der ausgebrachten Menge sehr viel mehr, als die Pflanzen auf den Feldern zum Wachsen brauchen und aufnehmen können. Die Folge: Die Rückstände sickern ins Erdreich und verunreinigen das Grundwasser.

Laut aktuellem Nitratbericht der Bundesministerien für Umwelt und Landwirtschaft weisen 50 Prozent der Messstellen eine erhöhte Konzentration auf, bei fast einem Drittel lag sie sogar über dem zulässigen Grenzwert. „Übermäßiges Düngen bedroht seit Jahren die Ressourcen für unser Trinkwasser", sagt Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW). „Es besteht größter Handlungsbedarf, um unser Lebensmittel Nummer eins endlich ausreichend zu schützen."

Gesundheitliche Bedenken, das Wasser aus dem Hahn zu trinken, muss kein Bundesbürger haben. Wasser ist in Deutschland eines der am besten kontrollierten Lebensmittel überhaupt. Aber der Aufwand, den die Wasserversorger treiben müssen, um sauberes Trinkwasser anzuliefern, steigt von Jahr zu Jahr. Zum Beispiel bei Gelsenwasser, einem der großen Versorger im Land. Musste das Unternehmen 2015 nur 124 Tonnen Aktivkohle einsetzen, um das Grundwasser zu reinigen, waren es 2016 schon 514 Tonnen. Ein Kostenfaktor, der alle Wasserversorger zunehmend und gleichermaßen schmerzt.

Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes (UBA) beziffert die Kosten für die Reinigung des mit Nitrat belasteten Grundwassers auf 580 bis 767 Millionen Euro pro Jahr. Wer im niedersächsischen Schweinegürtel wohnt, zwischen Meppen und Oldenburg, wo vergleichsweise wenige Menschen leben, aber mindestens acht Millionen Schweine, spürt das bereits im eigenen Portemonnaie. Und auch andernorts könnten die Wasserpreise bald deutlich steigen – nach Einschätzung des UBA um bis zu 45 Prozent oder 76 Cent pro Kubikmeter. Es sei denn, die Kehrtwende gelingt und auch die Landwirtschaft trägt ihren Teil zum Gewässerschutz bei.
 
Unmöglich ist das nicht. Das beweist eine Initiative der Stadtwerke München (SWM), die bereits 1992 unter dem Titel „Öko-Bauern" ins Leben gerufen wurde. Weil wichtige Quellen für die Trinkwasserversorgung der Isar-Metropole im Voralpenland liegen, haben die Stadtwerke dort frühzeitig Land aufgekauft, das sie heute an ökologisch wirtschaftende Landwirte verpachten. Mehr als 165 Landwirte haben sich dem Programm seit Start angeschlossen. Gemeinsam beackern sie eine Fläche von rund 3.900 Hektar und damit eines der größten ökologisch bewirtschafte­ten Gebiete Deutschlands. Bis zu 310 Euro Prämie pro Hektar und Jahr stellt das Förderprogramm dafür bereit. Mit Erfolg: Die Qualität des Münchner Trinkwassers zählt zu den besten in ganz Deutschland – bei vergleichsweise moderaten Preisen. „Unser Förderprogramm verteuert den Trinkwasserpreis um rund 0,9 Cent pro Kubikmeter", sagt Helge-Uve Braun, Geschäftsführer Technik der SWM. „Viel ist das nicht. Denn als Alternative bliebe früher oder später nur die Wasseraufbereitung, die mit weitaus höheren Kosten verbunden wäre. Unsere Devise lautet deshalb: Vorausschauende Wasserschutz-Politik ist sinnvoller und günstiger als teure Aufbereitung."


Umwelt | Wasser & Boden, 01.09.2018
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/03 2018 - Wasser - Grundlage des Lebens | Bildung erschienen.
     
        
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