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Der Wassermann

Interview mit dem Innova­tionsspezialisten Stefan Rummel.

Die IFAT ist die größte internationale Messe im Bereich Wasser und Abwasser. forum sprach am Rande der Veranstaltung mit dem Geschäftsführer der Messe München GmbH, dem Innova­tionsspezialisten Stefan Rummel. 

© Messe München© Messe München
Stefan Rummel arbeitet seit Januar 2015 innerhalb der Geschäftsführung der Messe München GmbH an den Themen Strategie, Innovation und Internationalisierung.
Er verantwortet die Investitionsgüter­messen bauma, IFAT, EXPO REAL, transport logistic, und ceramitec. Außerdem leitet er das Auslandsgeschäft, die Abteilung Mergers & Acquisitions und den Zentralbereich IT.
Herr Rummel, wo sind aus Ihrer Sicht die größten Probleme in der Wasserwirtschaft?
Weltweit zählen der steigende Wasserbedarf und die zurückgehende Verfügbarkeit von Wasser – bedingt durch den Klimawandel – zu den größten Herausforderungen in der Wasserwirtschaft. Auch die Urbanisierung spielt eine Rolle: Der Ausbau der Wasserinfrastruktur konnte mit dem raschen Bevölkerungswachstum in den Millionenstädten nicht mithalten. Hier besteht dringender Nachholbedarf.

Beginnen wir beim Trinkwasser. Woher kommt es, dass es so große Leitungsverluste gibt und woher kommen diese?
Wasserverluste kommen zum Beispiel durch Rohrbrüche und Undichtigkeiten zustande – oft bedingt durch veraltete Leitungen. Es ist wichtig, diese regelmäßig zu kontrollieren und gegebenenfalls zu sanieren. Durch die Anstrengungen der öffentlichen Wasserversorger ist die Verlustrate in Deutschland in den letzten Jahrzehnten jedoch bereits deutlich gesunken.

Wie hat sich die Qualität von Trinkwasser in Deutschland verändert?
Die Qualität unseres Trinkwassers ist nach wie vor sehr gut, das haben Untersuchungen jüngst bestätigt. Nitrate aus der Landwirtschaft – aus Gülle und Düngemitteln – entwickeln sich jedoch zunehmend zum Problem. Es braucht zum Teil teure, aufwendige Reinigungsstufen, damit sich die Belastung des Grundwassers nicht auf das Trinkwasser überträgt. Dasselbe gilt für andere Stoffe wie Arzneimittel oder Chemikalien.

Warum verwenden wir in Deutschland noch immer wertvolles Trinkwasser für Brauchwasser, als Kühlwasser und für die Toiletten­spülung?
Oft ist der Anschluss an die bereits bestehende Trinkwasserversorgung einfacher und erspart den Aufbau einer zweiten Infrastruktur. Beispielsweise müssen Zisternen, Rohr- und Filtersysteme und Pumpen installiert werden. Das Wasser muss kontrolliert, gesteuert und geregelt werden. Für viele eine zu kosten- und wartungsintensive Maßnahme, besonders für private Haushalte. In der industriellen Produktion dagegen lohnt sich der Ausbau viel mehr. Hier wird Wasser in großen Mengen zur Fertigung und Verarbeitung, für Waschvorgänge, zur Verdünnung oder zur Kühlung genutzt.

Sie sammeln in den neuen Messehallen das Wasser in Rigolen. Verwenden Sie es auch für die Toilettenspülung – und wenn nein ­warum nicht?
Rigolen sind unterirdische Pufferspeicher, die Regenwasser aufnehmen und im Untergrund versickern lassen. Das Regenwasser wird also natürlich in die Erde abgeleitet und nicht zum weiteren Gebrauch gespeichert. Genauso verhält es sich bei den Rigolen, die wir beim Bau der zwei neuen Messehallen installiert haben. Unabhängig davon verfügt unser Messegelände auch über Regenwasserzwischenspeicher. Das gesammelte Wasser nutzen wir auch und speisen damit unsere Messeseen.

Kommen wir zum Abwasser: Wo sind hier die großen Problemfelder?
Ähnlich wie beim Trinkwasser liegen die großen Problemfelder des Abwassers bei den Spurenstoffen, die vom Menschen gemacht sind. Besonders diskutiert wird aktuell der Umgang mit multiresistenten Keimen und mit Mikroplastik, also unter 5 mm kleinen Kunststoffteilchen. Auf welchen Wegen gelangen diese in unser Abwasser? Mit welchen Messmethoden können sie zuverlässig nachgewiesen werden? Und wie kann verhindert werden, dass sie unbeeinflusst die Abwasserbehandlung passieren? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Abwasserwirtschaft.

Setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass sich im Abwasser Schätze befinden, die es zu heben gilt?
Definitiv. Unternehmen und Kommunen zeigen immer größeres Interesse daran, Ressourcen stärker zu nutzen. Dem Abwasser kommt eine wichtige Rolle zu, daraus lassen sich viele Rohstoffe zurückgewinnen, die wieder in den Produktionskreislauf eingespeist werden können.

Wenn ja: Welche Schätze gilt es zu heben?
Da wären Rohstoffe wie Phosphor und Stickstoff, die zur Herstellung von Dünger genutzt werden. Abwasser dient zudem als Energiequelle: Aus Klärschlamm lässt sich Klärgas gewinnen, aus dem organischen Material in Kläranlagen Biomasse. Auch die Wärmerückgewinnung aus Abwasser ist in vielen Industrien bereits ein nachhaltiger und kostenschonender Energielieferant.

Was war auf der diesjährigen IFAT für Sie der spannendste Trend?
Mich hat besonders beeindruckt, wie viele Aussteller sich bereits dem Thema Mikroplastik angenommen und gar erste technologische Lösungsansätze präsentiert haben: Zum Beispiel einen Straßenablauffilter, der direkt am Gully angebracht wird. Der Filter verhindert, dass Reifenabriebe – die übrigens den größten Anteil am Mikroplastik haben – in den Wasserkreislauf gelangen. Das unterstreicht, wie vorausschauend die Umwelttechnologiebranche ist.

Was ist Ihnen persönlich das wichtigste Anliegen, wenn Sie an Wasser denken?
Dass Wasser nicht als Selbstverständlichkeit betrachtet wird. Gerade in Mitteleuropa neigen wir dazu, das zu vergessen. Aber noch immer leidet knapp ein Drittel der Weltbevölkerung an permanenter Wasserarmut.

Herr Rummel, wir danken für das Gespräch.
 
Ein Interview von Fritz Lietsch

Umwelt | Wasser & Boden, 01.09.2018
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/03 2018 - Wasser - Grundlage des Lebens | Bildung erschienen.
     
        
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