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IPCC-Report

Dringender Aufruf an Regierungen, das Ruder bei Investitionen herumzureißen

Synthesebericht des Weltklimarats IPCC betont: Die schon jetzt getätigten und geplanten Investitionen in Öl- und Gasfeldern sowie Kohlegruben sprengen das 1,5 Grad-Limit / Germanwatch fordert von Bundesregierung Vorreiter-Rolle: Entschlossene Emissionsminderung in allen Sektoren und deutlich höhere Finanzmittel für internationale Klimakooperationen
 
 
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Die Kluft könnte kaum größer sein: Während Öl- und Gasunternehmen sowie -staaten 2022 Rekordgewinne eingefahren haben und diese großteils wieder in neue Öl- und Gasfelder investieren wollen, warnt der heute veröffentlichte Synthesebericht des 6. Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC genau davor. Investitionen in neue fossile Lagerstätten seien nicht mit dem 1,5 Grad-Limit vereinbar.
 
Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch: "Der IPCC warnt vor einem sich rapide schließenden Zeitfenster, eine die Lebensgrundlagen bewahrende Zukunft für alle zu ermöglichen. Die derzeitigen Rekordeinnahmen der Öl- und Gasbranche wollen die Konzerne überwiegend in neue Öl- und Gasfelder investieren. Der Synthesebericht des IPCC unterstreicht hingegen, dass die schon jetzt getätigten und geplanten Investitionen zu einer Überschreitung der Großgefahrenschwelle von 1,5 Grad Erderhitzung führen würden. Verantwortungsbewusste Regierungen sollten alles versuchen, um dies noch abzuwenden." 

Rechtsbruch der Bundesregierung beim Klimaschutzgesetz beenden 
Germanwatch fordert auch in Deutschland eine sofortige massive Beschleunigung der Investitionen in Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Elektrifizierung von Verkehr und Heizungen. Bals: "Für die Bundesregierung bedeutet dies, dass sie keine weitere Zeit verlieren darf. Sie muss jetzt die notwendigen Beschlüsse für den Umbau des Verkehrs- und Gebäudesystems, für die Beschleunigung des Ausbaus Erneuerbarer und der Energieeffizienz fassen. Es gilt, das Klimaschutzgesetz umzusetzen und ein Klimasofortprogramm zu verabschieden, das den Rechtsbruch insbesondere im Verkehrs-, aber auch im Gebäudesektor beendet. Ganz schnell muss sie nach dem Vertrauensverlust durch die Blockade des Verbrenner-Aus von Verkehrsminister Wissing auch in der EU wieder zu einem verlässlichen Partner für den Klimaschutz werden. Die Grundlagen dafür muss der Koalitionsgipfel am kommenden Sonntag legen." 

Zugleich zeigt der IPCC-Bericht auf, wie notwendig internationale Kooperation ist. Er legt dar, dass die globalen Finanzflüsse für Klimamaßnahmen vervielfacht werden müssen. Insbesondere für die ärmeren Länder, die am stärksten gefährdet sind, aber am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, ist massive Unterstützung notwendig. "Bisher ist noch nicht mal sicher, dass die von der Bundesregierung international zugesagte Klimafinanzierung auch im neuen Bundeshaushalt hinterlegt wird. Solche Unsicherheiten sind verheerend für die Kooperation mit Ländern, die ihre Transformation für Klimaschutz und -anpassung ernsthaft voran bringen wollen, denn die sind auf längerfristige Finanzzusagen angewiesen. Aber die dafür notwendigen Verpflichtungsermächtigungen reichen in Deutschlands Haushaltsplänen nicht aus." 

Keine zu großen Hoffnungen in "negative Emissionen" setzen 
Germanwatch warnt davor, zu große Hoffnungen in Technologien für sogenannte negative Emissionen zu setzen. "Jede Tonne CO2, die dazu führt, dass die Erderhitzung um mehr als 1,5 Grad steigt, muss mit immensem Aufwand über sogenannte negative Emissionen wieder aus der Atmosphäre geholt werden. Dies müsste mit Techniken geschehen, die zum Teil noch unbekannt oder kaum erprobt sind und deren Einsatz auch nach Aussage des IPCC weit höhere Kosten verursachen würde als eine direkte Emissionsminderung", warnt Dr. Manfred Treber, IPCC-Experte bei Germanwatch. "Zudem kann selbst ein nur zeitweises Überschießen von 1,5 Grad zu irreversiblen Folgen führen, etwa beim Artensterben." 

Kontakt: Germanwatch e.V., Petter Lydén | lyden@germanwatch.org | www.germanwatch.org

Gesellschaft | Politik, 16.03.2023

     
        
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