Wie gelingt wirksamer Dialog?
Ein Leitfaden für Unternehmen der BOHNEN Public Affairs
In einer pluralistischen Gesellschaft ist Dialog essenziell – doch wie gelingt er wirklich? Dieser Leitfaden der BOHNEN Public Affairs zeigt, wie Unternehmen offene, konstruktive Gespräche über gesellschaftspolitische Themen fördern und damit nicht nur zur Demokratie, sondern auch zum eigenen Erfolg beitragen. Mit 15 praxisnahen Prinzipien bietet er konkrete Ansätze für eine wertschätzende, lösungsorientierte Kommunikation. Denn Dialogfähigkeit stärkt nicht nur den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern auch Innovationskraft und Wettbewerbsvorteile. Ein Gewinn für alle – Zeit, ihn zu nutzen!

Das freie, offene und kontroverse Gespräch ist ein zentrales Element demokratischer Willensbildung. Eine zunehmend pluralistische Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass ihre Mitglieder Widersprüche mit Gelassenheit aushalten und in Kompromisse übersetzen können.
Neben den Parlamenten braucht es auch nicht-staatliche Räume, um Verständigungsprozesse zu wichtigen gesellschaftspolitischen Themen in Gang zu setzen. Unternehmen sind prädestiniert, solche Räume zu schaffen, weil sie wie nur wenige andere gesellschaftliche Akteure täglich Menschen unterschiedlicher Herkunft, Ethnie, Religion, Altersgruppen, politischer Überzeugungen etc. zusammenbringen. Kurz: Unternehmen sind soziale Lernorte. Wenn sie Dialogformate entwickeln, leisten sie einen Beitrag zu einer robusten Demokratie, die widerstreitende Interessen nicht ausklammert, sondern produktiv bearbeitet.
Darin liegt ein Win-Win für Gesellschaft und Wirtschaft. Dialogfähigkeit kommt nicht nur der öffentlichen Auseinandersetzung, sondern auch den Unternehmenszielen zugute, weil sie Innovationsgeist und Ideenwettbewerb fördert. Damit bildet sie die Grundlage für Fortschritt, Wachstum und Zukunftsgestaltung. Im Sinne ihrer Corporate Political Responsibility (CPR) sollten Unternehmen also im wohlverstandenen Eigeninteresse in gelingenden Dialog investieren.
Die folgende Liste zeigt, welche Prinzipien die Kommunikation über gesellschaftspolitische Themen leiten können. Sie basiert auf einschlägiger Literatur zum Thema sowie mehrjähriger Erfahrung in der CPR-Beratung.
15 Prinzipien für einen wirksamen Dialog
- Wohlwollen zeigen: Das Argument des Gesprächspartners konstruktiv in seiner stärksten Variante aufgreifen und interpretieren.
- Nicht vorschnell urteilen: Offenheit für die Position des Gesprächspartners bewahren und Wertungen (zunächst) zurückhalten. Nicht moralisieren und belehren. Beides wirkt ausgrenzend und immunisiert die eigene Position gegen Kritik.
- Perspektivwechsel: In die Lage des anderen versetzen, um dessen Beweggründe und Intentionen besser zu verstehen (Empathie zeigen). Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion, um die Standortgebundenheit der eigenen Position anzuerkennen.
- Aktives Zuhören: Positionen des Gesprächspartners in eigenen Worten zusammenfassen, um Missverständnisse zu vermeiden. Bei Unklarheiten nachfragen und um Präzisierung bitten. Verbale und nonverbale Zeichen des Verstehens geben.
- Themendisziplin: Nicht von einem Punkt zum nächsten springen, sondern fokussiert bleiben, um eine angemessene Gesprächstiefe zu ermöglichen.
- Übereinstimmungen suchen: Durch gezielte Fragen gemeinsame Werte und weltanschaulichen Konsens entdecken, gerade in kontroversen Gesprächen (Wahrheit beginnt zu zweit).
- Zukunftsorientierung: Sich und andere nicht auf bestimmte Herkünfte oder vermeintliche Identitäten fixieren, sondern mit Blick nach vorn gemeinsame Handlungsoptionen formulieren.
- Um- und Nebenwege nehmen: Wenn Konsens oder Kompromiss auf einem Sachgebiet nicht möglich scheint, dann nicht weiter insistieren, sondern auf eine andere bzw. höhere Ebene geteilter Anschauungen wechseln.
- Gesichtswahrende Lösungen: Gesprächspartner nicht triumphierend in die Enge treiben, sondern beidseitig akzeptable Ergebnisse finden.
- Sachliche Kritik üben: Falsche oder pauschalisierende Aussagen des Gesprächspartners inhaltlich entkräften, persönliche Attacken und Kränkungen unterlassen (Trennung von Person und Position).
- Nicht über jedes Stöckchen springen: Bei gezielten Provokationen des Gegenübers situativ entscheiden, ob sich eine Erwiderung lohnt oder den Konflikt unnötig aufbauscht. Angriffe ins Leere laufen zu lassen, mag sich als souveräner erweisen.
- Mit Humor reagieren: In Situationen der (drohenden) emotionalen Überreizung ruhig bleiben und mit Witz und Selbstironie zur Entschärfung beitragen.
- Wiederholung: Verständigung gelingt bei polarisierten Positionen selten durch einmalige Gesprächsangebote, sondern nur mit Zeit und Geduld. Erst Verstetigung schafft Vertrauen und damit den Raum für mögliche Einstellungsänderungen.
- Lob des Stammtischs: Ist eine Gruppe zu homogen, gibt es nichts zu diskutieren; ist sie zu heterogen, gibt es keine Verständigungsgrundlage. Der Erfolg des „Stammtischs" beruht auf weitgehendem Konsens und produktivem Rest an Dissens zwischen den Diskutanten.
- Erwartungsmanagement: Ob Dialog gelingt, ist letztlich eine relative Frage. Das Maß der Enttäuschung ist eine Funktion der Erwartung. Je mehr man das Diskutieren übt, desto gelassener kann man mit Differenzen umgehen und sie als bereichernd empfinden.
Ausgewählte Literaturhinweise
- Svenja Flaßpöhler: Streiten
- Julia Reuschenbach, Korbinian Frenzel: Defekte Debatten. Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen
- Bernhard Pörksen: Zuhören. Die Kunst, sich der Welt zu öffnenRa
- inald Manthe: Demokratie fehlt Begegnung. Über Alltagsorte des sozialen Zusammenhalts
- David Bohm: Der Dialog. Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen
- Romy Jaster, David Lanius: „Zehn Regeln für die gute Debatte", ZEIT Online, 22.05.2017
Dr. Johannes Bohnen ist Inhaber der Beratung BOHNEN Public Affairs in Berlin. Er hat den Begriff und das Konzept der CPR geprägt und dazu 2020 ein Buch mit gleichnamigem Titel verfasst. Zuvor war er u. a. als Geschäftsführer von Scholz & Friends Berlin sowie in der Politik als Redenschreiber eines Bundesministers tätig.
Gesellschaft | Bildung, 03.04.2025

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