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Brauchen wir eine neue Form von Business?

Mehrdimensionalität statt Profit-Brille

Herkömmliche Businesses basieren auf dem theoretischen Gerüst, das uns die Gestalter des kapitalistischen Wirtschaftssystems zur Verfügung gestellt haben. Diesem Gerüst zufolge muss ein Business eine profitmaximierende Einheit darstellen. Je höher der Profit, umso erfolgreicher das Business und umso glücklicher die Investoren. Bei meiner Arbeit ist es mir hingegen nie in den Sinn gekommen, Profite zu maximieren.

Prof. Muhammad Yunus promovierte in Wirtschaftswissenschaften und lehrte an der Vanderbilt University in Tennessee, USA. Er baute in seiner Heimat Bangladesch die Grameen Bank auf, die Kleinstkredite an die Ärmsten vergibt. 2006 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Für forum Nachhaltig Wirtschaften schreibt er regelmäßig eine Kolumne.
Foto: © Roger Richter
Dabei ist mir klar, dass Profitmaximierung glücklich macht. Aber obwohl ich bei meinen Businesses wie z.B. bei der Grameen Bank oder bei dem Energieversorger Grameen Shakti nicht profitmaximierend arbeite, machen mich mein Businesses sehr glücklich. Und wenn Sie so arbeiten würden wie ich, dann wären Sie - da bin ich mir sicher - ebenfalls sehr glücklich! Das Wort "Business" ist meiner Meinung nach in unserem kapitalistischen Rahmenwerk einfach zu eng interpretiert worden. Diese Interpretation stützt sich auf die Annahme, der Mensch sei ein eindimensionales Wesen. Das Glück, das er aus seinem Business zieht, ist automatisch an die Höhe des Profits gekoppelt, den das Business abwirft. Man wird als Roboter, als Geldmaschine dargestellt.

Dabei wissen wir alle, dass der Mensch in Wirklichkeit mehrdimensional ist und nicht bloß ein eindimensionales Wesen, wie es die Theorie annimmt. Geld zu machen ist eine Notwendigkeit und kein Ziel. Aber für den Geschäftsmann in der existierenden Wirtschaftstheorie ist Geldverdienen sowohl Notwendigkeit als auch Ziel.

Diese begrenzte Sicht der Dinge hat uns großen Schaden zugefügt. Als Geschäftsmann ist man dazu verpflichtet, stets eine profitmaximierende Brille zu tragen. Als Ergebnis sieht man in unserer Welt nur noch Möglichkeiten der Profitmaximierung. So bleiben die Probleme unserer Welt ungelöst, weil wir sie durch die Brille des Profits nicht sehen können.

Dabei ist es gar nicht schwer, das bestehende Business-Konzept umzuformulieren und es näher an den Menschen zu bringen. Um die Mehrdimensionalität des Menschen zu berücksichtigen, sollten wir davon ausgehen, dass es zwei unterschiedliche Quellen des Glücks in der Wirtschaft gibt. Erstens Profitmaximierung und zweitens das Lösen sozialer Probleme. Da es aber zwischen diesen beiden Zielen zu Konflikten kommen muss, sollte die Business-Welt auch aus zwei verschiedenen Formen von Businesses bestehen: erstens profitmaximierende Businesses und zweitens Social Businesses.

Social Business ist eine neue Form von Business mit dem Ziel, ein soziales Problem zu lösen. Persönliche Gewinne sind dabei nicht beabsichtigt. Nutzen Sie Ihre Kreativität und entwerfen Sie ein Social Business. Zum Beispiel zur Armutsbekämpfung, oder um unsere Natur zu schützen, zur Überwindung der Ernährungskrise oder zur Implementierung erneuerbarer Energien. Legen Sie die Profit-Brille ab und schreiben Sie einen Business-Plan für ein Social Business. Und wenn Ihr Modell erfolgreich ist, können Sie es immer wieder replizieren und nach und nach den Lauf der Welt verändern!


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Quelle: FORUM Nachhaltig Wirtschaften Büro Süd
Gesellschaft | Social Business, 10.11.2010

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