SROI - Social Return on Investment

Diese Abkürzung sollten Sie sich merken!

Stellenanzeige in einer Zeitung - Auch die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen würde positiv in den SROI eines Unternehmens einfließen.
Foto: © Paul Georg Meister / pixelio.de
Gemeinnützige Organisationen suchen nach Förderern und nach Möglichkeiten, in der von Finanzkennzahlen bestimmten Welt den Mehrwert ihres Engagements für die Gesellschaft zu verdeutlichen. Nur, was ist der soziale Mehrwert eines gesellschaftlichen Engagements? Wie kann dieser gemessen werden?

Viele Unternehmen engagieren sich in der Gesellschaft, doch nur wenige messen die Wirkung ihres gesellschaftlichen Engagements. Eine Bewertung der Sinnhaftigkeit, der Effizienz und des tatsächlich geschaffenen gesellschaftlichen Mehrwerts fällt schwer. Dadurch sehen sich die Unternehmen immer wieder der Kritik ausgesetzt, mit dem gesellschaftlichen Engagement nicht genug für die geförderte Zielgruppe bewirkt zu haben. Unternehmen und Organisationen sowie deren Stakeholder wollen sehen und dokumentiert wissen, was ihr Input in Form von Zeit, Geld und Ressourcen in der Gesellschaft und der Zielgruppe ihres Engagements bewirkt.

Vier Buchstaben als Lösung

Die Kalkulation des "Social Return on Investment", SROI, setzt genau bei dieser Frage der Wirkung an: SROI misst die gesellschaftliche Rendite von Maßnahmen bzw. Investitionen, indem er die wirtschaftliche Wertschöpfung mit den Auswirkungen gesellschaftlicher Effekte über einen definierten Zeitraum in Beziehung stellt. Wie in der betriebswirtschaftlichen Investitionsrechnung werden Kosten den "Erträgen" gegenübergestellt. Den gesellschaftlichen "Erträgen" wird eine monetäre Größe zugeteilt, z.B. durch die Monetarisierung von Folgen des Klimawandels. Dies können bspw. vermiedene Kosten zur Behebung der Klimafolgen (etwa für die Bekämpfung der Wasserknappheit) oder der Erhalt von wirtschaftlicher Produktivität sein sowie die Vermeidung von Kosten durch lokale Umweltschäden (z.B. Wüstenausbreitung oder Monokulturen). Für soziale Projekte ist die Methode ebenso anwendbar: Denkt man an die Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt, kann der Ertrag m zusätzlichen Einkommen, den vermiedenen Sozialkosten und der zusätzlichen Kaufkraft gemessen werden. Um möglichst genau den direkten, gesellschaftlichen Mehrwert zu bestimmen, der einem Projekt zugeordnet werden kann, wird zusätzlich ermittelt, welche Effekte ohne das Engagement erzielt worden wären (das sog. "Deadweight"). Bei der Integration von Langzeitarbeitslosen wird zum Beispiel bewertet, inwieweit diese von einem bestimmten sozialen Projekt eines Unternehmens oder einer sozialen Organisation und inwieweit sie von anderen Fördermaßnahmen profitiert haben.

Die Bestimmung des gesellschaftlichen, monetären Mehrwerts bedarf einiger Recherche. Es können hierbei wissenschaftliche Studien, Stakeholder-Befragungen und Erfahrungswerte genutzt werden. Doch der Aufwand lohnt sich: Am Ende steht der monetäre Mehrwert, sprich ein Euro-Betrag pro investiertem Euro, der internen und externen Stakeholdern den Sozialwert des Engagements "in einer allgemein verständlichen Sprache" verdeutlicht und somit eine konkrete Bewertung ermöglicht.

Monetarisierung bringt Transparenz

Die so kalkulierte gesellschaftliche Rendite kann auf zwei verschiedene Arten gemessen werden: ex post, indem Ergebnisse und stattgefundene Handlungen evaluiert werden und ex ante als Vorschau für den erwarteten gesellschaftlichen Mehrwert einer Investition. Eine ex ante-Berechnung kann zur strategischen Planung herangezogen werden: Ist eine Investition in dieses Projekt oder Unternehmen sinnvoll? Können die Mittelverwendung und die erzielte Wirkung transparent nachverfolgt werden? Eine ex post-Berechnung dient hauptsächlich der Eigenevaluierung, dem Lerneffekt und der Rechenschaftslegung. Die SROI-Kalkulation kann für eine ganze Organisation - wenn es ein Sozialunternehmen ist, d.h. ein Unternehmen, das sich die Lösung einer gesellschaftlichen Herausforderung zum Ziel gesetzt hat - oder auch für einzelne soziale Projekte oder Teilprojekte eines Unternehmens erfolgen.

Mit einer solchen Monetarisierung von gesellschaftlichem Engagement geht die moralische Diskussion einher, inwieweit diese überhaupt notwendig sein sollte oder inwieweit nicht bereits der gesellschaftliche Wert (z.B. Fläche geschützter Wald, Anzahl Schulstipendien o.ä.) an sich eine aussagekräftige "Währung" darstellen kann und sollte. Der monetäre Wert erleichtert jedoch die Kommunikation mit Investoren und anderen Stakeholdern sowie für Unternehmen die Annäherung an das interne Management und damit verbundene Zielgrößen. Es kommt darauf an, den SROI als Evaluations-, Entscheidungs- und Kommunikationsmethode angemessen und transparent zu nutzen. Annahmen und Berechnungsmethoden müssen offengelegt und bei jeder Entscheidung berücksichtigt werden.

In den USA und Großbritannien ist SROI bereits eine anerkannte und weit verbreitete Methode für die Evaluation von gesellschaftlichem Engagement. Es wird Zeit, dass wir uns auch in Deutschland verstärkt mit dieser Methode auseinandersetzen.
 
 
Von Rebecca Szrama und Miriam Scherf

Im Profil
Miriam Scherf
ist als Expertin für Social Return on Investment im Kompetenzteam Corporate Citizenship bei der PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftprüfungsgesellschaft tätig.
Miriam.scherf@de.pwc.com
Rebecca Szrama
ist Inhaberin von Social Business & Development Consulting und berät Sozialunternehmen bei der Gründung, beim Scaling-up und bei der Analyse der Wirkung der sozialen Aktivitäten.
Rebecca.szrama@gmail.com
Quelle: Miriam Scherf
Lifestyle | Geld & Investment, 12.09.2012

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