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Der Upcycler Michael Albert

Collagen aus Müll

Mit rund 213 kg Verpackungsmüll pro Kopf ist Deutschland trauriger Europameister in der Müllproduktion. Auch die USA sind in diesem Bereich „führend". Diese zunehmende Masse an Verpackungsmüll war für den US-amerikanischen Künstler Michael Albert der Startpunkt für seine Collagen-Kunst. Er verwandelt Verpackungsmüll durch Reduktion und Neuanordnung in witzige, bedeutungsvolle und interessante Kunstwerke.

Michael Albert wurde 1966 im US-Staat New York geboren und studierte an der New York University Management und International Business. Doch seine Leidenschaft galt der Kunst. Eines seiner frühen Werke bildete das 1988 entstandene Wachsmalstift-Bild „The Victim", welches alle Marken zeigte, die ihn in seinem Studentenwohnheim umgaben. Schon dieses frühe Werk, welches sich kritisch mit der Allgegenwärtigkeit von Werbung und Marken auseinandersetzte, zeigte den Stil seiner späteren Collagen. Neben seiner Kunst, die auch das Verfassen von Gedichten umfasst, beschäftigte sich Michael Albert auch mit der Gründung und dem Management von Unternehmen. U. a. gründete er 1993 die bis heute aktive Marke „Sir Real", die frisch gepresste Säfte aus kalifornischen Früchten anbietet. Für diese nachhaltigkeitsorientierte Marke hat Michael Albert diverse Logos entwickelt, die das berühmte Bild „Le fils de l’homme" des belgischen Surrealisten René Magritte zitieren. Damit war die neue Marke nicht nur surreal, sondern Sir Real.

Vom Abfall zur Kunst
Alberts Haupttätigkeit in den letzten Jahrzehnten bildet die Collagenkunst zunächst aus übrig gebliebenen Etiketten aus seinem Unternehmen und aus doppelten oder schlechten Fotos sowie später aus leeren Verpackungen. Allgemein bildet die Collage eine Technik vor allem der bildenden Kunst, die sich dadurch auszeichnet, dass etwas „Neues" aus dem Aufkleben von vielen vorhandenen Einzelelementen entsteht. Das ist auch der Grundgedanke seiner Kunst. Er will gute und bedeutungsvolle Kunst aus Dingen erschaffen, die sonst nutzlos sind. Begonnen hat Michael Albert 1996 mit der Verpackungscollage „Frosted Flakes # 1 – Portrait of an American Classic". Ausgehend von dieser Grundidee, die er als Cerealism bezeichnete, gestaltete der Künstler in einem Zeitraum von rund drei Jahren über 700 Collagen aus Cerealien-Verpackungen und rund 500 aus anderen Markenverpackungen.

Frosted Flakes #1 (Portrait of an American Classic)Aufbauend auf Werken aus der Vorderseite jeweils einer Verpackung experimentierte Michael Albert zunehmend mit den vollständigen Verpackungen. Dadurch rückten insbesondere auch Buchstaben und Zahlen mehr in den Vordergrund. Weiterhin verarbeitete er in einem Kunstwerk nicht mehr nur eine einzelne Verpackung, sondern kombinierte Elemente verschiedenster Verpackungen zu einem Kunstwerk und bearbeitete in seinen Collagen völlig unterschiedliche Themen wie u. a. Mathematik, Religion, Geschichte, Literatur, Geographie und Musik. Er beschäftigt sich dabei immer mit Themen, die ihm persönlich wichtig sind und mit denen er sich im Gestaltungsprozess intensiv auseinandersetzt. Beispielsweise kreierte er für das 2008 erschiene Buch „An Artist’s America" verschiedene Collagen mit einem starken Bezug zu seiner Heimat USA wie die amerikanische Flagge, die Unabhängigkeitserklärung oder Mount Rushmore. Unter anderem kreierte er 2008, inspiriert durch das Kunstwerk „Map United States" von Jasper Johns aus dem Jahre 1961, in einem rund 250-stündigen Prozess die komplette Landkarte der USA aus Markenlogos, die wie ein Wimmelbild für Markenlogos und Bundesstaaten funktioniert. Mittlerweile hat er über ein Dutzend „Landkarten" von Städten, Bundesstaaten und Ländern erstellt. Ein anderes Beispiel für diese Verbindung des Verpackungsmaterials mit völlig anderen Themen ist die 2014 entstandene „Etude (Music)" eine rund 40 x 50 cm große Collage, die in alphabetischer Reihenfolge Helden der Musikgeschichte angefangen von Abba über die Doors und Mozart bis hin zu Zappa verewigt hat. Dieses Kunstwerk war eine Auftragsarbeit für eine Konferenz von Juristen, die sich mit Urheberrechten im Musikgeschäft auseinandergesetzt hat. 2008 wurde unter dem Titel „An Artist’s America" ein erstes Buch über Michael Albert und seine Kunst veröffentlicht.

Kunst und Kommerz
Seit 2007 bietet der Künstler in einem Onlineshop Poster seiner Kunstwerke und Merchandise-Artikel wie z.B. Postkarten und Puzzles an. Aber Michael Albert will seine Kunst nicht nur bekanntmachen und verkaufen, sondern er will mit der Kunst vor allem die junge Generation für Kunst begeistern, deren Kreativität steigern und zum Nachdenken über Müllvermeidung, Recycling und Konsum anregen. Daher veranstaltet er seit Ende des letzten Jahrtausends regelmäßig in den USA und auch in Europa in Museen, Bibliotheken, Schulen, Hochschulen und anderen Orten die Workshop-Serie „Modern Pop Art Experience". 2015 hat er rund 100 Workshops in den USA durchgeführt. Seine größten Wünsche für die Zukunft sind, seine Kunst in internationalen Ausstellungen zu zeigen und einen Raum in New York zu finden und zu finanzieren, der gleichzeitig als Atelier und Workshop-Raum dient.
www.michaelalbert.com | www.sirreal.com

Wir danken Michael Albert ganz herzlich für die Unterstützung und Hintergrundinformationen.
 
Prof. Dr. Carsten Baumgarth ist Professor für Marketing, insbesondere Markenführung an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Verbindung von Marke und Nachhaltigkeit sowie den Verknüpfungen zur Kunst. Speziell die Kooperation von Kunst und Unternehmen ist ihm ein Anliegen.
www.arts-push-business.de 
 
Die Serie „NachhaltigKunst" stellt in jeder forum-Ausgabe einen Künstler, eine Künstlergruppe und/oder ein Kunstwerk vor, welche die Sphären Nachhaltigkeit und Kunst interessant verbinden. Das soll Sie als Leser berühren und für Kunst begeistern. Es darf aber auch als Inspiration für Unternehmen, Institutionen und NGOs dienen, sich mit den Potenzialen von Kunst für die Nachhaltigkeitskommunikation auseinanderzusetzen.

Gesellschaft | Megatrends, 24.04.2016
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2016 - Zukunft gestalten erschienen.
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